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00:01 12.12.2017
Susann Wiedemann mit ihrem kleinen Kämpfer Carl. Er ist 17 Wochen vor seinem Geburtstermin zur Welt gekommen. Quelle: Foto: Nicole Hollatz

/Nakenstorf. „Letzten Donnerstag wäre theoretisch Carlchens Geburtstermin gewesen, dann hätte er zusammen mit seinem Papa Geburtstag gehabt“, erzählt Susann Wiedemann. Und schaut auf Carl, ihr kleines „Löwenbaby“. Doch anstatt am 7. Dezember kam Carl am 12. August zur Welt – in der 23. Schwangerschaftswoche. 17 Wochen zu früh mit einem Gewicht von 645 Gramm und einer Körpergröße von 27 Zentimetern.

„Er war so groß wie meine Hand, voller Schläuche und mit einer Haut wie Pergament“, erzählt die 34-Jährige Nakenstorferin liebevoll. Sie erinnert sich an den folgenschweren Tag, sie hatte morgens Bauchschmerzen. Mit den Erfahrungen vom „Großen“ – Bennet ist drei Jahre alt – merkte sie schnell, dass die Bauchschmerzen Wehen waren. Lebensgefährte Stefan Schröder fuhr sie ins Wismarer Krankenhaus, das Team dort bestellte den Rettungshubschrauber für das Klinikum Schwerin, das mit solch frühen Frühchen weit mehr Erfahrungen hat.

Der Hubschrauber war besetzt, die junge Frau wurde mit Wehenhemmer und Krankenwagen nach Schwerin gefahren. „Die Geburt war nicht mehr aufzuhalten“, erzählt Susann Wiedemann weiter. Die Hebammen und Ärzte bereiteten das Paar auf den schlimmsten Fall vor. Eine Totgeburt oder ein Baby, das nicht lange leben wird. Susann Wiedemann hat sich mit viel mütterlichem Bauchgefühl gegen einen sonst üblichen Notkaiserschnitt gewehrt. „Ich wollte mein Kind in den Arm nehmen können, egal was passiert!“, begründet sie.

Carl kam zur Welt, hat nach Luft geschnappt und sich bewegt. „Die Ärzte haben ihn gleich mit in den Reanimationsraum genommen, eine halbe Stunde haben wir nichts gehört.“ Dann kam die Ärztin: „Er lebt!“

Susann Wiedemann beschreibt die dann folgenden Wochen. Viele kleine Rückschritte, viele kleine Schritte nach vorne. Infektionen, Hirnblutungen, eine Herz-Operation. Dinge, die bei so extremen Frühchen normal sind, die das Kind überstehen muss. „Die Schwestern auf der Frühchenstation haben uns empfohlen, eine Lebenskette für ihn zu basteln. Eine Perle für jeden Tag, den er schafft. Und besondere Perlen für besondere Ereignisse“, erzählt Susann Wiedemann und dankt dem Team in Schwerin für das Mutmachen, die liebevolle Betreuung und auch die psychologische Unterstützung. Eine lange Zeit des Wartens, Hoffens, Bangens. Im Wechsel waren die beiden in der Klinik, immer mit der Maßgabe, auch dem großen Geschwisterkind gerecht zu werden. Ab der siebten Woche ging es rapide aufwärts, da hatte Carl seine Herz-Operation. „Das war unfassbar, er hat auf einmal zugenommen und es ging wirklich aufwärts!“, sagt sie.

„Die Kette ist nun zwei Meter lang“, sagt die zweifache Mutter lächelnd. Und als klar war, ihr kleiner Kämpfer würde das schaffen, steckte Lebensgefährte Stefan Schröder den Verlobungsring an die Kette. Als krönenden Abschluss für so viel Glück.

Ein Rückschlag kam von einer ganz anderen Seite. Ihr Stiefvater hatte einen Herzinfarkt. Ihr Verlobter und der Vater haben ihn reanimiert, bis der Rettungswagen eintraf. „Er lag zwei Wochen im Koma, die Ärzte haben bezweifelt, dass er je wieder die Augen aufmacht.“ Das zweite Wunder passierte. „Er ist inzwischen in der Wachphase, kann antworten und reagiert, er stellt Fragen, was passiert ist.“ Susann Wiedemann ist dankbar: ihrem Verlobten, der sie in der schweren Zeit so getragen hat und dann noch ihrem Stiefvater das Leben rettete. Den Freunden und der Familie, den Ärzten, Hebammen und Therapeuten.

Und nun passiert das, womit keiner gerechnet hat, was jeder gehofft hat. Carl ist zu Hause, entwickelt sich normal und scheint ein gesundes, aufgewecktes Kind zu werden. Die Familie wird Weihnachten zusammen verbringen können. Und auch der Stiefvater wird sich langsam erholen. „Das reicht für dieses Jahr aber auch, mehr Wunder kann es gar nicht geben!“, sagt Susann Wiedemann.

Nicole Hollatz

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