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Grevesmühlen Eisenbahn-Fan holt alte Lok nach Gadebusch
Mecklenburg Grevesmühlen Eisenbahn-Fan holt alte Lok nach Gadebusch
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06:55 25.04.2018
Holger Hempel holt eine „V 180“ nach Gadebusch. Quelle: Grit Büttner
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Gadebusch

Lautes Hupen begleitet den Einzug des alten Eisens in Gadebusch im Landkreis Nordwestmecklenburg. Mehr als hundert Schaulustige und Helfer applaudieren, als die 78 Tonnen schwere Diesellokomotive vom Typ V 180, Baujahr 1967, am Donnerstagabend kurz nach 22 Uhr vor dem ehemaligen Bahnhofsgebäude der Kleinstadt zum Halten kommt.

Eisenbahnfreak und Bahnhofsbesitzer Holger Hempel hat lange gesucht: Jetzt hat er eine 78 Tonnen schwere Diesellokomotive vom Typ V 180 für seinen Bahnhof gefunden.

Ihre letzte Fahrt schaffte die über 19 Meter lange Lok nicht aus eigener Kraft. Sie wurde, eingespannt zwischen zwei ebenfalls betagten Zugmaschinen einer Potsdamer Eisenbahngesellschaft, auf Schienen zu ihrem neuen Besitzer geschleppt. Doch auch auf dieser Reise war der Fahrplan streng einzuhalten. Erst nachdem der späte Personenzug die einspurige Strecke zwischen Schwerin und Rehna passiert hatte, war das Gleis frei. Das logistische Finale für die „V 180“ konnte beginnen, es dauerte bis in den frühen Morgen.

Seit Jahren auf der Suche

Eisenbahnfreak und Bahnhofsbesitzer Holger Hempel war seit Jahren bundesweit auf der Suche nach einer passenden Bespannung für seinen 2014 auf dem Vorplatz abgestellten und zur Herberge aufpolierten Waggon des ehemaligen DDR-Regierungszuges – einen Salon-Schlafwagen der rollenden „Honecker-Herberge“. Fündig wurde Hempel bei einem privaten Sammler und Händler von Schienenfahrzeugen in Stendal (Sachsen-Anhalt), wie er berichtet. Dort stand die im Volksmund auch als „Zigarre“ bezeichnete, nicht mehr fahrtüchtige Schnellzuglok, die zum Ausschlachten aufbewahrt worden war. Das Stendaler Unternehmen versorgt vor allem private Bahnbetreiber mit Ersatzteilen.

Aufwendiges Abladen

Viel Zeit ist nicht, denn das Abladen der Lok muss bewältigt und die Strecke wieder frei sein, wenn am Morgen der Normalverkehr anrollt. Nach gut einstündiger Vorbereitung heben zwei Autodrehkräne das ausrangierte Gefährt vom Hauptgleis in Gadebusch. Da die Ausleger nicht weit genug reichen, muss die Lok zwischendurch auf einem provisorisch verlegten Gleisstück abgesetzt werden.

Mit einem zweiten Hub wird die „V 180“ dann an ihren endgültigen Standort gehievt. Für den schwebenden Transport waren spezielle Hebevorrichtungen nötig, starke Bolzen und stählerne Traversen. Die waren extra aus Leipzig herangeschafft worden.

In seiner originalen DDR-Reichsbahn-Uniform verfolgt der 83-jährige Hobbyhistoriker Peter Falow die nächtliche Aktion am Gadebuscher Bahnhof. Von 1968 an steuerte er die bis zu 120 Stundenkilometer schnellen Lokomotiven dieses Typs von Schwerin aus nach Berlin, Magdeburg oder Rostock. Begeisterten Bahnfans zeigt er nicht ohne Stolz seinen 1966 ausgestellten Lokomotiv-Führerschein, in dem neben der „V 180“ auch Dampf- und Elektroloks eingetragen sind. Falow ist ehrenamtlicher Berater von Bahnhofseigner Hempel, der in dem denkmalgeschützten Gebäude eine Erlebnisgastronomie mit kleinem Bahnmuseum betreibt.

Diesellok wird restauriert

Die Diesellok „V 180“ hat ein penibel geführtes historisches Betriebsbuch, in dem alle Fahrten und Reparaturen der letzten 50 Jahre dokumentiert sind. In den nächsten Monaten soll die Lok aufwendig restauriert und dabei ein Fahrstand originalgetreu mit allen Instrumenten wiederhergestellt werden. Der Typ wurde zwischen 1960 bis 1970 im Lokomotivbau „Karl Marx“ in Potsdam-Babelsberg gebaut. Ausgemustert wurde sie bis 1995. Sie hat sechs Achsen und zwei Zwölfzylinder-Dieselmotoren. Die Leistung: 900 PS je Motor. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 120 Kilometer pro Stunde.

OZ

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