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„Eisiges“ aus dem alten Grevesmühlen

„Eisiges“ aus dem alten Grevesmühlen

Aus den Recherchen von Ortschronist Eckart Redersborg, veröffentlich im Februar 1993 beim rundum Verlag in Schwerin:

„Früher waren die Winter kälter.

Aus den Recherchen von Ortschronist Eckart Redersborg, veröffentlich im Februar 1993 beim rundum Verlag in Schwerin:

„Früher waren die Winter kälter. Es fiel Schnee, die Bäche, Teiche und Seen waren zugefroren.“ So hört man die Großelterngeneration in vielen Gesprächen. Bis zum Jahr 1954 wurde auf dem Vielbecker See Eis gewonnen und in einem Eiskeller der Grevesmühlener Niederlassung der Bierbrauerei Schall & Schwencke (Schwerin) in der August-Bebel-Straße 54 eingelagert. Diese Eisgewinnung hatte eine lange Tradition, für Grevesmühlener ist sie zumindest bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts nachweisbar. Es muss also zahlreiche kalte Winter gegeben haben, die zu einer starken, tragfähigen und nutzbringenden Eisdecke auf dem Vielbecker See führten und die Eisgewinnung ermöglichten.

Im Brauerei- und Gastwirtschaftsgewerbe war die kühle Lagerung von Produkten unumgänglich. Kühlaggregate standen kaum oder nicht zur Verfügung, also nutzte man das winterliche Eis und unter der Erde liegende Eiskeller mit dicken Wänden, in denen sich das Eis jahrelang halten konnte (wie in der August-Bebel-Straße 54, Anm. d. Red.). Das Eisen auf dem Vielbecker See gehörte zu den typischen Stadtansichten. Während starker Frostperioden schlugen und sägten Arbeiter große Schollen aus dem Eis heraus und zogen sie mit Enterhaken ans Ufer. Andere Arbeiter zerkleinerten die Schollen und luden die Eisbrocken auf Kastenwagen. Grevesmühlener Ackerbürger sorgten für den Transport in die Eiskeller, wo weitere Arbeiter mit dem Entladen und der sachgerechten Lagerung des Eises beschäftigt waren. So gab es an frostigen Tagen eine „Eissaison“, die eine Verdienstmöglichkeit für Fuhrleute und Bauhandwerker bot. Das Eisen stellte eine schwere körperliche und zugleich nicht ganz ungefährliche Arbeit dar. Leicht konnten sich die Helfer auf dem glatten, wippenden Eis verletzen oder vom Eisrand ins kalte Wasser fallen.

 



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