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Engländer feierten Sieg auf Wismarer Markt

Wismar Engländer feierten Sieg auf Wismarer Markt

Im Wettlauf um die Stadt hatten die Russen zunächst das Nachsehen / wären sie sonst bis Dänemark vorgedrungen?

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Weil die Stadt kampflos übergeben wurde, blieb der Marktplatz unzerstört. Dort hielten die Engländer einen Siegerappell ab. Zahlreiche Wismarer schauten zu.

Wismar. Am 12. Mai 1945 veranstalteten die englischen Besatzungstruppen in Wismar auf dem Marktplatz eine Siegesparade. Viele Wismarer waren an diesem sonnigen Sonnabend gekommen, um sich diese ungewöhnliche Zeremonie anzusehen.

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Im Wettlauf um die Stadt hatten die Russen zunächst das Nachsehen / wären sie sonst bis Dänemark vorgedrungen?

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Der verheerende Zweite Weltkrieg war aus. Im französischen Reims und der damaligen Reichshauptstadt Berlin wurde am 7. und am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation Nazi- Deutschlands besiegelt. In Wismar funktionierte am 2. Mai 1945 nichts mehr. In der NSDAP-Kreisleitung, Adolf-Hitler-Straße 40, hatten sich nach einem Saufgelage die Kreisleiter von Wismar, Paul Ohl, und Rostock, Otto Dettmann, sowie die Sekretärin Gisela von Sobbe erschossen. Diese wurden, nachdem sie notdürftig im Garten der Kreisleitung verscharrt wurden, auf dem Soldatenfriedhof beigesetzt.

Besonders nach dem letzten verheerenden Luftangriff vom 14. April breitete sich Resignation aus. Eine Verteidigung der Stadt kam für einen Großteil der Wismarer nicht in Frage.

Oberbürgermeister Alfred Pleuger hatte Kenntnis davon, dass die Engländer von Boizenburg anrückten und von Osten die Russen kamen. Gemeinsam mit Stadtkämmerer Dr. Heinz Maus wollte er mit einer weißen Fahne die Engländer aus Richtung Gadebusch treffen, um ihnen die Stadt kampflos zu überlassen – und nicht den Russen. Die Wismarer trafen auf eine kanadische Fallschirmjägereinheit der 6.

britischen Luftlandedivision. Gegen 12 Uhr kamen die Kanadier in der Hansestadt an und Pleuger übergab ihnen die Stadt.

Wismar gehörte zu den wenigen Städten in Deutschland, die sich kampflos ergaben. Nachmittags traf ein kanadischer Erkundungstrupp an der östlichen Stadtgrenze auf die Rote Armee, die ebenfalls in Wismar einmarschieren wollte. Der kanadische Oberstleutnant Napier Crookenden machte den Russen unmissverständlich klar, auch mit Verweis auf die militärische Stärke seiner Truppen, dass Wismar in ihrer Hand sei. Die Russen hatten keine Ahnung, dass Wismar schon besetzt war, hatten sie doch den Befehl, bis Lübeck zu marschieren. Ein sich in voller Fahrt in Richtung Wismar befindlicher russischer Panzer konnte in letzter Minute aufgehalten werden.

Ein Trupp Wehrmachtssoldaten unter Führung ihres Hauptmannes Erich Mende, späterer FDP-Politiker, wollte sich den Engländern ergeben, wurde aber „vertröstet“. Sie sollten ihnen noch eine Nacht die Russen fernhalten, dann dürften sie auch in die englische Gefangenschaft.

Am Abend des 2. Mai 1945 war für Wismar die Nazi-Zeit vorbei. Feldmarschall Montgomery telegrafierte aus seinem Hauptquartier in der Lüneburger Heide nach London, dass seine Truppen den Wettlauf gegen die Russen gewonnen haben. Montgomery hatte den schnellen Vormarsch der Truppen entgegen den Abmachungen mit den Amerikanern befohlen, denn er traute den Russen nicht zu, dass sie bei Lübeck Halt machen würden, sondern weiter in Richtung Dänemark ziehen würden.

Waren es zunächst Kanadier, die Wismar besetzten, so kamen mit ihnen auch Teile der Polnischen Heimatarmee, eine polnische Exilstreitkraft. Besonders diese beiden Gruppierungen haben sich durch Diebstähle, Plünderungen und auch Vergewaltigungen keinen guten Ruf erworben.

Am 16. Mai 1945 wurden dann die Straßennamen der Nazi-Größen durch die früher gebräuchlichen ersetzt. Lediglich die Adolf-Hitler-Straße wurde in Churchillstraße umbenannt. Oberbürgermeister Alfred Pleuger, NSDAP-Mitglied seit 1925, wurde erst am 22. Mai durch den englischen Stadtkommandanten Major Charles abgelöst und auf seiner Stelle Baron von Biel, Gutsherr auf Zierow, eingesetzt.

Gemäß den Vereinbarungen der Alliierten-Konferenz von Jalta vom Februar 1945 über die Aufteilung Deutschlands räumten die Engländer am 30. Juni 1945 Wismar. Mit ihnen verließen auch Alfred Pleuger, Baron von Biel und weitere Wismarer und Flüchtlinge die Stadt in Richtung Westen. Den Russen traute man nicht. Diese zogen am 2. Juli 1945 unter Begleitung einer Wismarer Musikkapelle ein und verließen diese auch mit Musik und Geschenken am 30. Juni 1993.

Was sonst noch geschah

12. Mai 1949: Die Straße „Fürstengarten“ erhält den Namen „Goethestraße“ gegen den Willen der LDPD.

13. Mai 1785: Geburt des Wismarer Historikers Friedrich Christoph Dahlmann.

14. Mai 1881: Rudolph Karstadt eröffnet sein erstes „Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft“ in der Krämerstraße 7.

14. Mai 2001: Der Rudolph-Karstadt-Platz erhält seinen Namen.

15. Mai 1993: Der Wismarer Buchhändler und Antiquar Hermann Rhein ist verstorben. Er wurde am 3. November 1906 in Regensburg geboren.

16. Mai 1945: Straßennamen faschistischer Größen werden umbenannt.

16. Mai 1945: Die Dornier-Rüstungswerke bestätigen den Auftrag, die Betonsperren der Wismarer Straßen zu beseitigen.

16. Mai 1975: Eröffnung der Tierparkgaststätte im Köppernitztal.

Seit dem 28. April 2007: gibt es das Vereinsheim der Modelleisenbahner.

16. Mai 2014: Stiftertafeln der Bürgerstiftung der Hansestadt Wismar von 1997 werden in St. Georgen in der Turmkapelle enthüllt.

Detlef Schmidt

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