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Notfallbegleiter gibt es seit 13 Jahren im Landkreis / Verstärkung gesucht

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Dietrich Voß (75) aus Schönberg mit seiner Jacke, die er bei einem Einsatz trägt. Für sein Team sucht er Verstärkung.

Quelle: Foto: Jana Franke

Grevesmühlen. Irgendwie hat sie diese Angst immer begleitet – so wie vielleicht viele Mütter und Väter, deren Kinder mit dem Erwerb des Führerscheins mit dem Auto unterwegs sind. Immer wieder bat sie ihn, er solle vorsichtig fahren und sich melden, wenn er angekommen ist. Er fuhr vorsichtig. Er meldete sich. Immer. Eines Tages aber nicht. Und dann stand die Polizei vor der Tür – und sie wusste sofort Bescheid.

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Notfallbegleiter gibt es seit 13 Jahren im Landkreis / Verstärkung gesucht

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Beistand im schwersten Augenblick ihres Lebens fand sie bei einem Notfallseelsorger, der ihr die Todesnachricht ihres Sohnes übermittelte. An die genauen Worte kann sie sich nicht mehr erinnern, nur an den Satz, dass ihr Sohn keine Schuld hatte. Warum er? Diese Frage stellte sie sich fortan immer wieder. Auch heute noch, fünf Jahre nach dem tragischen Tod ihres einzigen Kindes.

Angebot für Menschen in Krisensituationen

Die Notfallseelsorge – in manchen Landkreisen auch Notfallbegleitung genannt – ist ein Angebot für Menschen in Krisensituationen. Die ehrenamtlichen Helfer kommen dort zum Einsatz, wo Menschen plötzlich mit dem Tod oder schwerwiegenden Notfällen konfrontiert werden. Einer von ihnen ist Dietrich Voß aus Schönberg, der zugleich das Notfallseelsorgeteam Nordwestmecklenburg-West leitet. „Wir unterstützen die Arbeit von Rettungsdienst, Polizei und Feuerwehr, beispielsweise wenn ein schwerer Verkehrsunfall stattgefunden hat. Alarmiert werden wir über die Rettungsleitstelle“, erklärt der 75-jährige Pastor im Ruhestand. „In der Regel haben die Betroffenen Gesprächsbedarf und möchten, dass jemand bei ihnen bleibt. Wir helfen, Angehörige zu kontaktieren, vermitteln weitere Ansprechpartner und sind einfach für die Betroffenen da. Wenn jemand keine Hilfe möchte, dann drängen wir uns nicht auf“, verdeutlicht er.

Mitglieder gesucht

Das Überbringen einer Todesnachricht gehört zu den unangenehmsten Dingen der ehrenamtlichen Tätigkeit. Keine einfache Aufgabe für die Notfallseelsorger. Schwierig ist es auch, Verstärkung zu finden.

Das Nordwestmecklenburger Team sucht dringend neue Mitglieder. Die Notfallseelsorger sind seit 2004 im Landkreis aktiv und setzen dort an, wo Rettungsdienst und Polizei aufhören; dann, wenn die Sanitäter und die Beamten die Wohnung verlassen und die Angehörigen mit ihrer Trauer, ihren Ängsten und Sorgen allein sind. „In unserer Gruppe sind momentan nur noch vier aktive Notfallseelsorger für den gesamten westlichen Teil des Landkreises Nordwestmecklenburg“, bedauert Dietrich Voß, der selbst von Anfang an dabei ist. Abgedeckt werden müssen die Bereiche Grevesmühlen, Klützer Winkel, Gadebusch und Schönberger Land. Der Bereitschaftsdienst erstreckt sich von Montag bis Montag – 24 Stunden am Tag. Dietrich Voß hat gerade drei Wochen Bereitschaftsdienst hinter sich, da Kollegen krank oder im Urlaub sind. Er selbst zählte im vergangenen Jahr sechs Einsätze.

Ausbildung wieder im April und Juni

Das Problem fehlender Ehrenamtler ist nicht nur auf die Westgruppe beschränkt. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es insgesamt 16 Notfallbegleitungs- und Notfallseelsorgeteams. „Probleme bereiten den Gruppen vor allem der Wegzug von Gruppenmitgliedern und eine vermehrte berufliche Belastung, die wenig Zeit für eine ehrenamtliche Arbeit lässt“, erklärt Heiko Fischer, Leiter der Landeszentralstelle Psychosoziale Notfallversorgung Mecklenburg-Vorpommern.

Träger der Gruppen Ost und West in Nordwestmecklenburg ist die Johanniter-Unfallhilfe im Auftrag des Landkreises. Sie gewährleistet den Versicherungsschutz für die Gruppenmitglieder, bietet Fortbildungen an und übernimmt die Fahrtkosten zu den Einsätzen. Die Kosten für die Ausbildung zum Notfallseelsorger übernimmt das Land. „Interessierte durchlaufen ein Auswahlverfahren und eine fundierte Ausbildung, die sich an den Ausbildungsrichtlinien des Landesbeirates Notfallbegleitung Mecklenburg-Vorpommern orientiert“, verdeutlicht Heiko Fischer. Angeboten werden 90 theoretische und praktische Unterrichtseinheiten, beispielsweise zu den Themen Gesprächsführung, Trauer, Sterben und Tod sowie Einsatzorganisation. Der nächste Kurs findet vom 27. bis 30. April sowie vom 14. bis 18. Juni in der Landesschule für Brand- und Katastrophenschutz in Malchow statt. Interessenten können zunächst Kontakt zu Dietrich Voß aufnehmen.

Psychologen für die Helfer

Doch wie verarbeitet ein Notfallseelsorger selbst das Erlebte – vor Kummer schreiende Eltern, weil ihr Baby im Bettchen einfach nicht mehr atmete, verzweifelte Ehefrauen, weil ihre Männer im Ausland verunfallt sind, Ehemänner, die weinend ihre verstorbenen Frauen umklammern, nachdem der Krebs gesiegt hat, oder Mütter, die ihr einziges Kind durch einen Verkehrsunfall verloren haben? „Wir reden untereinander, und einmal im Jahr kommt eine Psychologin in die Gruppe“, schildert Dietrich Voß. Vergessen allerdings kann er nie einen Einsatz.

Zahlen und Fakten

Der Bereitschaftsdienst dauert

eine Woche an (Montag bis Montag), 24 Stunden täglich. Zur Verstärkung des Teams in Nordwestmecklenburg-West werden engagierte

Menschen gesucht, die gefestigt

im Leben stehen, mit Stress und

Belastungssituationen umgehen und gut zuhören können. Sie sollten bereit sein, einen Teil ihrer Freizeit in die Notfallbegleitung zu investieren.

Kontakt: Wenn Interesse an einer

Arbeit als Notfallbegleiter besteht,

ist Dietrich Voß direkter Ansprech-

partner: ☎ 038828 / 23251 oder

E-Mail md.voss@gmx.de.

Jana Franke

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Dieses Foto mit Eisstrukturen am Kooser See – aufgenommen im Januar 2017 – schickte uns OZ-Leser Wolfgang Schielke. Eingefügt hat er ein Gedicht von Ernst Moritz Arndt (1769-1860). „Von mir ein stiller Gruß an den verehrten Namenspatron meiner früheren Universität“, schreibt Schielke, der von 1974 bis 1979 an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald studiert hat.

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