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Es fehlt unter uns Ehrfurcht

Es fehlt unter uns Ehrfurcht

Ein Satz in einem Gespräch am Anfang des Jahres 2018 geht mir nicht aus dem Kopf. Er wurde Anstoß zu diesen Gedanken, die sie vielleicht weiterdenken mögen.

Ein Satz in einem Gespräch am Anfang des Jahres 2018 geht mir nicht aus dem Kopf. Er wurde Anstoß zu diesen Gedanken, die sie vielleicht weiterdenken mögen.

Wie viele in unserem Land ging mein Gesprächspartner mit Furcht in das neue Jahr. Und dafür gibt es ja viele Gründe: Die Folgen der Forschung machen Angst, wenn Wissenschaftler keine Grenzen kennen für ihre Forschung. Die Wetterkapriolen lassen uns den Klimawandel hautnah erleben. Noch immer haben wir in unserem Land keine neue Regierung, weil einige Gründe für Furcht aktuell und kontrovers diskutiert werden wie z.B.: Wie gehen wir mit den Flüchtlingen um, die bei uns nur in Frieden und Sicherheit und auskömmlich leben wollen? Wie bekommen junge Menschen mit befristeten Arbeitsverträgen die Chance für eine zukunftssichernde Lebensplanung? Mein Gesprächspartner sagte gegen Ende des Gesprächs: „Vielleicht fehlt unter uns Ehrfurcht!“

E h r f u r c h t – ein Begriff, der heute kaum noch gebräuchlich ist. Im religiösen Bereich wird er wohl noch verwendet: „Ehrfurcht vor Gott“. Dass die vielen fehlt, würde ich gleich unterschreiben.

Aber sonst? Albert Schweitzer hat von der „Ehrfurcht vor dem Leben“ gesprochen. Kann man „Ehrfurcht“ für unsere Zeit vielleicht mit „staunende Achtung vor“ beschreiben? Könnten Gründe für Furcht, wo staunende Achtung wächst, geringer werden?

Ich versuche es mal so: Würden in staunender Achtung vor der Natur Tierversuche in der Forschung überhaupt noch in Erwägung gezogen? Würden alle Möglichkeiten, den Klimawandel zu verlangsamen, nicht ausgeschöpft werden? Könnte staunende Achtung vor der Würde des Menschen nicht bei allen Bereitschaft zur Suche nach Hilfe für Flüchtlinge wecken?

Wäre solche staunende Achtung vor jungen Menschen nicht Antrieb, auch für sie zukunftssichernde Lebensplanung möglich zu machen?

Beim Bedenken dieser Fragen komme ich mehr und mehr zu der Überzeugung: Mein Gesprächspartner hat den Nagel auf den Kopf getroffen: Es fehlt unter uns Ehrfurcht, es fehlt staunende Achtung. Es gibt genügend Gründe, sie zu haben. Wir finden sie überreichlich, wenn wir nur aufmerksam leben.

OZ

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