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Grevesmühlen „Es ist gut, dass Deutschland wieder vereinigt ist“
Mecklenburg Grevesmühlen „Es ist gut, dass Deutschland wieder vereinigt ist“
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00:00 08.02.2018
Carmen Götz (55) hält ein Bild, aufgenommen in Schlutup am Tag des Mauerfalls. Zu sehen ist, wie die damalige Dassowerin einen Bundesbürger umarmt, der Verwandte in ihrer Heimatstadt hatte. Quelle: Foto: Jürgen Lenz
Selmsdorf/Schlutup

Sie saß im zweiten Auto, das am Abend des 9. November 1989 zwischen Selmsdorf und Lübeck über die offene Grenze fuhr: Carmen Götz, die damals noch Thoms hieß. Mit Mann, Bruder, Freundin und deren Tochter hatte sie sich von Dassow aus auf den Weg gemacht. In Schlutup traf die 26-Jährige auf jubelnde Menschen – dort, wo jetzt eine Grenzdokumentationsstätte steht. Gestern besuchte Carmen Götz das Museum als Gast einer Gedenkveranstaltung, organisiert von der Wählerinitiative „Die Unabhängigen“. Der Anlass: Die Mauer zwischen Ost und West ist jetzt länger verschwunden, als sie stand.

28 Jahre mit und ohne Mauer: Carmen Götz und Marcus Kreft sprechen über Ansichten und Erfahrungen

Auf das Ende der Teilung zurückblickend, sagt Carmen Götz: „Es ist gut, dass wir wieder ein Volk sind.“ Doch es sei zu schnell gegangen und: „Die Flüchtlingspolitik macht viel wieder kaputt.“ Sie habe den Eindruck, dass Politiker die Menschen in Ost und West wieder entzweien wollen. Erlebt sie selbst einen Unterschied? „Ja“, antwortet Carmen Götz. „In unserer Generation merkt man noch den Unterschied in der Erziehung.“

Wenige Hundert Meter vom Grenzübergang entfernt erfuhr am Abend des 9. November 1989 ein 13-Jähriger vom Fall der Mauer. Der Junge war in Schlutup groß geworden. Er wohnte in einer Straße, die den Namen eines Ortsteils der Gemeinde Selmsdorf trägt: Bardowieker Weg. Seine Mutter war aus der DDR geflohen. Später durfte sie für Verwandtenbesuche zurück. Ihr Sohn fuhr mit. „Wir hatten immer einen Bezug zur DDR“, berichtet der heute 41-Jährige. Er sagt: „1989 hätte man sich nicht vorstellen können, dass ein Schlutuper einmal Bürgermeister in Selmsdorf sein könnte.“ Seit 2014 ist es der damals 13-Jährige: Marcus Kreft. 2005 zog er in den Selmsdorfer Ortsteil Teschow. Bei der Kommunalwahl 2009 erhielt der in einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus aufgewachsene ehemalige Schlutuper ein SPD-Mandat in der Gemeindevertretung. Bei der Wahl des Bürgermeisters fünf Jahre später gab eine Mehrheit ihm die Stimme.

Spielen nach seiner Erfahrung Ost und West noch eine Rolle? Er antwortet: „Leider ja. Es ist immer noch ein Thema, wo jemand herkommt.“ Er könne verstehen, dass es gerade ältere Menschen weiterhin beschäftigt. „Für mich spielt es keine Rolle, wo jemand herkommt“, sagt Marcus Kreft. In der Selmsdorfer Gemeindevertretung spiele es ebenfalls keine Rolle mehr.

Marcus Kreft wuchs nicht mit der Erwartung auf, dass die Mauer in naher Zukunft fallen würde. Heute sagt er: „Es ist gut, dass Deutschland wieder vereinigt ist.“

Jürgen Lenz

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