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Feuerwehr: Nur einer von vier Einsätzen gilt Bränden

Grevesmühlen/Wismar Feuerwehr: Nur einer von vier Einsätzen gilt Bränden

Brandschützer müssen immer öfter für technische Hilfeleistungen ausrücken sowie Rettungs- und Pflegedienste unterstützen

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Auch das Beseitigen von Ölspuren ist Alltag. FOTOS (3): KARL–ERNST SCHMIDT

Grevesmühlen/Wismar. Dienstag war ein Ausnahmetag für die Männer der Freiwilligen Feuerwehr Grevesmühlen. Morgens brannte ein Radlader, kurz nach 12 Uhr musste eine Ölspur beseitigt werden. Alltag für die Brandschützer könnte man meinen. Doch solche Einsätze werden immer weniger.

OZ-Bild

Brandschützer müssen immer öfter für technische Hilfeleistungen ausrücken sowie Rettungs- und Pflegedienste unterstützen

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Die Regel sieht anders aus: Sonnabend um kurz vor halb zehn morgens, die Sirene heult über den Dächern von Grevesmühlen. In der Straße am Poststeig liegt eine Person hinter einer verschlossenen Tür.

Mit Blaulicht geht es zum Einsatzort und mit Spezialwerkzeug verschaffen die Einsatzkräfte dem Rettungsdienst Zugang zur Wohnung. Die Frau, die tatsächlich hilflos in ihrer Wohnung liegt, bekommt rechtzeitig Hilfe. Die ärztliche Versorgung hilft der Dame wieder auf die Beine – zum Glück.

Die Feuerwehrleute rücken mit ihren Löschfahrzeugen wieder ab. Insgesamt fünf Mal musste die Grevesmühlener Feuerwehr in diesem Jahr schon zur „Türöffnung“ ausrücken – zuletzt allein zwei Mal in einer Woche.

„Nur noch 20 bis 25 Prozent unserer Einsätze haben mit Bränden zu tun“, schätzt Steve Klemkow, Wehrführer in Grevesmühlen. Die Räumung umgestürzter Bäume nach Unwettern, Hilfe in Sachen Hochwasserschutz oder die Beseitigung von Ölspuren nach Unfällen sind mittlerweile die weitaus häufigeren Tätigkeitsbereiche der Einsatzkräfte.

Auch die offiziellen Zahlen bestätigen den Trend: Laut Landesministerium für Inneres sind die Feuerwehren in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2016 zu 13690 Einsätzen ausgerückt. Davon hatten nur 3890 mit Bränden zu tun (28,4 Prozent). 9800 Mal waren Hilfeleistungen nötig. 2015 haben die Hilfeleistungsfälle sogar bei über 11100 gelegen. Für den Landkreis Nordwestmecklenburg stehen für das vergangene Jahr insgesamt 2159 Einsätze der Kameraden zu Buche. Dabei waren 629 Brände (29,1 Prozent) zu löschen, 1530 Mal waren technische Hilfeleistungen gefragt.

Die „Türöffnung“ kommt in den zurückliegenden Jahren zunehmend als technische Hilfeleistung hinzu. Immer mehr ältere Menschen, die allein leben, verunglücken in der eigenen Wohnung. „Der demografische Wandel ist auch hier zu spüren. Es gibt mittlerweile viele medizinische Notfälle, bei denen die Feuerwehr helfen muss“, sagt Hannes Möller, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Er hatte schon vor einigen Wochen öffentlich Kritik an der Entwicklung geübt, dass Ehrenamtler für immer mehr artfremde Aufgaben ihre Freizeit opfern müssen. Es gebe beispielsweise Straßenmeistereien oder Spezialfirmen die stattdessen zum Einsatz kommen könnten. Möller fürchtet, dass sich die Behörden immer weiter aus der öffentlichen Infrastruktur zurückziehen wollen – zulasten der unbezahlten Ehrenamtlichen, deren Aufgabe es eigentlich ist, Menschen zu retten.

Das breitere Einsatzspektrum sorgt für eine deutlich höhere Belastung – allen voran bei den ehrenamtlichen Einsatzkräften der freiwilligen Feuerwehren. Zwar sind nach Angaben des Schweriner Innenministeriums die Einsatzzahlen im Vergleich zum Jahr 2001 leicht zurückgegangen. Allerdings existierten damals etwa 250 Feuerwehren mehr in MV. Auch die Anzahl der Aktiven in den Feuerwehren war um rund 3000 höher als heute.

Die erhöhte Belastung sorgt bei den Einsatzkräften auch schon mal für Knatsch in der Familie, wie Wehrführer Steve Klemkow berichtet. „Schön ist die Situation nicht. Weniger Einsätze wären schon eine Entlastung. Es muss etwas getan werden“, sagt er. Es gebe Tage, an denen die Jungs nach Unwettern bis zu 14 Stunden am Stück bei Aufräumarbeiten im Einsatz sind. Und das nicht in ihrem Hauptberuf:

Das bringt die jeweiligen Arbeitgeber auf den Plan. Sie stellen zunehmend kritische Nachfragen, weil diese ihre Mitarbeiter freistellen. „Doch wir in Grevesmühlen haben mit den Arbeitgebern bisher nur positiven Kontakt. Sie zeigen großes Verständnis“, so Klemkow, der wie einige seiner Mitstreiter beim städtischen Bauhof angestellt ist.

Trotz aller Mühe, die Feuerwehrleute der Region sind weiter mit voller Motivation dabei, betont Steve Klemkow. „Es macht immer noch großen Spaß“, erzählt der Wehrführer und ergänzt: „Wenn längere Zeit mal keine Einsätze stattfinden, fragen sich die Kameraden schon, ob der Melder kaputt ist.“

Die Feuerwehren in NWM

Der Landkreis Nordwestmecklenburg zählt insgesamt 96 freiwillige Feuerwehren, zwei betriebliche und eine Werksfeuerwehr. Für diese sind rund 3000 aktive Kameradinnen und Kameraden sowie 700 Ehrenmitglieder im Einsatz. Hinzu kommen 900 Kinder und Jugendliche aus den Jugendfeuerwehren.

Zu 2159 Einsätzen sind die Feuerwehren im Landkreis nach vorläufigen Angaben des Innenministeriums im Jahr 2016 ausgerückt. Dabei waren 629 Brände zu löschen. 1530 Mal ging es um Hilfeleistungen.

Daniel Heidmann

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