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Grevesmühlen Für die Top-Ligen fehlt das Geld
Mecklenburg Grevesmühlen Für die Top-Ligen fehlt das Geld
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00:05 13.05.2017
26. August 2000: Der FC Schönberg empfängt Bayern München in der ersten DFB-Pokalrunde. Mit dabei: der gebürtige Grevesmühlener Carsten Jancker (r.) im Dress des deutschen Rekordmeisters. Er erzielte beim standesgemäßen 4:0 der Münchener einen Treffer. Quelle: Foto: Maxwitat

Bittere Pillen für die Sport-Region Nordwestmecklenburg: Nachdem bereits vor wenigen Wochen der FC Schönberg bekannt gab, dass der Verein aus finanziellen Gründen für die kommende Saison das Kapitel Fußball-Regionalliga zu den Akten legen muss, kommt die nächste Hiobsbotschaft vom Handball. Die Damen der TSG Wismar, seit Jahrzehnten das Aushängeschild im Frauenhandball in Mecklenburg-Vorpommern, haben in der Relegation den Abstieg aus der dritten Liga nicht verhindern können. Sie treten in der nächsten Saison erstmals nur noch in der Ostsee-Spree-Liga an. Befindet sich der Sport in Nordwestmecklenburg auf Talfahrt?

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Sportliche Hiobsbotschaften für die Region: Die TSG Wismar steigt aus der dritten Liga ab. Der FC Schönberg meldet sich aus der Regionalliga ab. Ist der Sport im Kreis auf Talfahrt?

Der Breitensport hat oberste Priorität

Für Kerstin Groth, Geschäftsführerin des Kreissportbundes (KSB), ist die negative Entwicklung der zwei sportlichen Leuchttürme der Region zwar bedauerlich, von einer Talfahrt möchte sie aber nicht sprechen. „Wir definieren den Sport nicht nur über den Spitzensport. In der Breite sind wir in Nordwestmecklenburg gut aufgestellt“, betont sie. Aktuell zählt der KSB im Landkreis 157 Sportvereine, in denen insgesamt 21000 Menschen aktiv sind. Besonders erfreulich sei die Tatsache, dass Kinder und Jugendliche davon etwa 45 Prozent ausmachen. „Damit sind wir in Mecklenburg-Vorpommern auf Platz eins“, berichtet Groth. „Um den Nachwuchs mache ich mir also keine Sorgen.“ Auch wenn der Spitzensport die Region über die Landesgrenzen hinweg repräsentiert, genieße der Breitensport beim KSB oberste Priorität.

Jahreszuschuss für einen ausgebildeten Coach: 220 Euro

Das macht die Situation für die Spitzensportler nicht einfacher. Wie in vielen anderen Bereichen ist das Geld ein leidiges Thema. „Wenn die finanziellen Rahmenbedingungen nicht gestaltet werden können, ist das, was beim FC Schönberg oder bei der TSG Wismar passiert, die logische Konsequenz“, meint Kerstin Groth. Die Vereine müssten in einer strukturschwachen Region um jeden Sponsor, um jeden Euro kämpfen. In anderen Bundesländern, wie beispielsweise Baden-Württemberg, hätte der Sport aufgrund der deutlich höheren Firmen- und Unternehmerdichte ganz andere Möglichkeiten. Und auch die derzeitige Förderung reiche nicht aus. Der KSB unterstützt die Vereine pro Jahr mit insgesamt 113000 Euro, die von der Sparkasse und dem Landkreis kommen. Ein ausgebildeter Trainer erhält so jährlich einen Zuschuss von 220 Euro. Zu wenig, meint Kerstin Groth. „In Anbetracht der wachsenden Mitgliederzahlen würde ich mir wünschen, dass die Sportförderung nach oben geschraubt wird.“

Schönberg: Rückzug trotz Klassenerhalt

Das wünschen sich auch die Vereinsfunktionäre der Region. „Die Wirtschaftskraft reicht einfach nicht aus, um Spitzensport zu betreiben. Es wird immer schwieriger“, bestätigt Wilfried Rohloff, Präsident des FC Schönberg. Die Fußballer ziehen sich nach der laufenden Saison aus der Regionalliga zurück, obwohl sie den Klassenerhalt frühzeitig geschafft haben. Denn Hauptsponsor Palmberg dreht den Geldhahn zu. „Wir wussten, dass die Regionalliga ein Abenteuer ist“, so Rohloff. Die Schönberger machen in der nächsten Saison einen Neuanfang in der Landesliga West. Dort sollen Spieler aus der eigenen A-Jugend bessere Möglichkeiten haben, den Sprung in den Männerbereich zu schaffen.

Warnsignale bei der TSG Wismar

Bei den Handballerinnen der TSG Wismar reichte es sportlich nicht zum Klassenerhalt in der dritten Liga. „Das ist schon sehr bedauerlich und geht an die Nieren“, sagt Manager Klaus-Dieter Soldat.

Gründe für den Abstieg gebe es viele: Verletzungen, Schwangerschaften und die Ausbildungen der Spielerinnen hätten den Kader über die Saison ausgedünnt. Von einst 18 Damen waren letztlich nur noch elf einsatzfähig. Zudem gab es Wechselspielchen auf der Trainerposition. Und enge Spiele, die die TSG in den Vorjahren für sich entscheiden konnte, gingen verloren. „Wir waren trotzdem immer in der Lage, es selbst zu richten und haben es nicht geschafft. Das ist die größte Enttäuschung“, hadert Soldat. Der einstige Erstligist muss jetzt erstmals den bitteren Gang in die Viertklassigkeit antreten. Dabei habe es laut Manager bereits Warnsignale für den Niedergang gegeben. „Doch die sind nicht erkannt worden“, nimmt Soldat auch sich selbst in die Verantwortung.

Wiederaufstieg mit Verstärkungen von außerhalb

Die Ostsee-Spree-Liga soll aber nur ein kurzes Intermezzo werden. Die TSG mit ihrer 300 Mitglieder starken Handballabteilung will zeitnah wieder in die dritte Liga zurückkehren. „Das sind wir der Stadt und den Sponsoren schuldig“, betont Soldat. Dazu soll der Kern mit in der Region ausgebildeten Spielern zusammengehalten werden. Zudem sind Verstärkungen von außerhalb geplant. Doch Soldat weiß

auch um die Schwierigkeit dieser Mission. Denn die TSG hat ebenso zu kämpfen, um notwendige Gelder zusammenzubekommen. Laut Soldat sei die Übermacht des Fußballs ein Problem. Viele andere Sportarten stünden im Schatten. Bei den Kickern fließe bereits in den unteren Ligen Geld. Auch die öffentliche Aufmerksamkeit beim Fußball sei wesentlich höher. Das würde viele Aktive dazu bringen, die Sportart zu wechseln. „Im Frauenhandball gibt es immer weniger begeisterte Menschen, die die Mühe und den Aufwand auf sich nehmen, um in der dritten Liga zu spielen“, weiß Soldat. Die Anreize, Spitzensport zu betreiben, fehlen.

Hallenzeiten zum Nulltarif?Das war einmal. . .

Das hat nach Ansicht des TSG-Managers unter anderem seine Ursachen bei den klammen Kassen der Kommunen. Die Unterstützung des Sports kostet Geld, das bei Gemeinden und Städten nicht vorhanden ist.

Früher hätte es Hallenzeiten zum Nulltarif gegeben. Das können sich Kommunen aber nicht mehr erlauben. „Mittlerweile kostet eine Stunde im Kreis mehr als zehn Euro“, betont Soldat. Das sei wirtschaftlich für die Vereine kaum zu stemmen. Sie benötigen mehr Unterstützung. „Wir müssen den Breitensport stärken, der die Basis für Spitzensport darstellt“, betont der 63-Jährige. „Wir müssen öffentlich ehrlich miteinander umgehen. Und es ist nicht ausreichend, die Probleme im Sport immer nur zu Höhepunkten wie Olympia anzusprechen.“

Es gibt positive Beispiele: Anker ist ein Leuchtturm

Die Oberliga-Kicker (5. Liga) von Anker Wismar sind ab der kommenden Saison die höchstklassigen Akteure aus Nordwestmecklenburg – zumindest was die Hauptsportarten betrifft. Für KSB-Geschäftsführerin Kerstin Groth sind die Hansestädter, aktuell Tabellenvierter, ein Beispiel für eine positive sportliche Entwicklung. „Anker ist ein Leuchtturm der Region“, betont sie und blickt in die Zukunft: „Ich könnte mir gut vorstellen, dass sie irgendwann noch eine Liga höher spielen und den Platz von Schönberg einnehmen.“ Lobende Beispiele für gute Arbeit im Sport seien laut Groth auch Blau-Weiß

Grevesmühlen – einer der größten Vereine der Region – sowie der VfL Blau-Weiß Neukloster. Beide stellen ein sehr großes Angebot.

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Sportliche Höhepunkte der vergangenen 27 Jahre

Pokalspiel FC Schönberg – Bayern München: Am 26. August 2000 herrscht in Nordwestmecklenburg eine Superstimmung, als der FC Bayern zum DFB-Pokalspiel nach Schönberg kommt. Mit Carsten Jancker hat sogar ein Stürmer im Bayern-Kader seine Wurzeln in Nordwestmecklenburg. Einer der Jugendtrainer von Jancker ist Wilfried Rohloff, der den in Grevesmühlen geborenen Spieler in Wismar trainierte. Im Jahr 2000 ist Rohloff Funktionär beim Grevesmühlener FC und heute Präsident des FC Schönberg 95. Die Bayern ließen den Oberligisten kaum eine Chance. Endstand: 0:4. Schütze des vierten Tores: Carsten Jancker.

TSG-Handballerinnen in der 1. Liga: In den 1990er-Jahren spielen die Damen der TSG Wismar insgesamt vier Saisons im Oberhaus mit. Größter Erfolg: Klassenerhalt 1996. Im Mai 1998 klopft die TSG ein letztes Mal an die Tür zur ersten Liga. Doch das Team scheitert in der Relegation. Die TSG spielt in der Folge viele Jahre in der 2. Bundesliga. 2012 steigt Wismar in die Liga 3 ab.

Jens Voigt startet in Dassow: Etwa 1500 Zuschauer kommen im Sommer 2003 nach Dassow, um den damaligen Radprofi Jens Voigt beim bundesoffenen Rundstreckenrennen hautnah zu erleben. Der zu dieser Zeit für das französische Team Credit Agricole fahrende Voigt agiert wie bei der Tour de France auch vor heimischem Publikum angriffslustig. Nur der Schönberger André Kalfack – wenige Jahre zuvor selbst noch Deutscher Meister in der Vierer-Mannschaftsverfolgung auf der Bahn – kann ihm im Hauptrennen der Elite über 60 Runden folgen. Am Ende des Rennens hat dieses Duo das komplette Feld überrundet. Voigt überreicht Dassows damaliger Bürgermeistern Kerstin Weiss sein 2001 in den Vogesen errungenes Gelbe Trikot der Tour de France.

Boxen in Wismar: Zu den Leuchttürmen des Wismarer Sports gehört auch der Boxsport. Er lässt sich zurückverfolgen bis auf das Jahr 1922. Sowohl vor als auch nach der Wende gilt die Hansestadt als Zentrum im Deutschen Boxsportverband. Hieran hat vor allem Fiete von Thien, der seit 1961 als Trainer bei der SG Dynamo Wismar und später auch als Abteilungsleiter beim Polizeisportverein Wismar die Fäden zog, einen großen Anteil. Während damals die Boxer bei den Landes- oder deutschen Meisterschaften die Gold-, Silber- oder Bronzemedaillen nur so abgeräumt haben, sind die Erfolge heute eher bescheiden geworden. Zuletzt gibt es bei der U17-Meisterschaft in Binz eine Silber- und Bronzemedaille – ein Lichtblick. Dagegen enttäuscht das Boxteam Hanse in der 1.

Bundesliga. Organisatorische Pannen, aber auch fehlendes Leistungsniveau einiger Faustkämpfer sind ausschlaggebend dafür, dass die Wismarer in der Nordstaffel Letzte werden.

Daniel Heidmann und Michael Prochnow

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