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Grevesmühlen Gegen Gifte in der Landwirtschaft
Mecklenburg Grevesmühlen Gegen Gifte in der Landwirtschaft
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00:23 18.04.2018
Der Chemiker und Bodenkundler Peter Gros von der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock steht hier in einem Kellerraum des Instituts vor einem Regal mit zahlreichen Glyphosat belasteten Erdproben. Quelle: Fotos: Dpa, J. Lenz
Selmsdorf

Die Gemeindevertretung in Selmsdorf setzt ein Zeichen gegen Glyphosat und andere Gifte in der Landwirtschaft. Sie hat einstimmig beschlossen: Als Bedingung für das Neu- oder Weiterverpachten von Land im Eigentum der Kommune wird künftig der Verzicht auf Pestizide vorgeschrieben.

Der Einsatz von Pestiziden wird einigen Bauern in in der Gemeinde Selmsdorf künftig untersagt.

Damit erweiterten die Kommunalpolitiker den ursprünglichen Antrag der SPD-Fraktion. Die Sozialdemokraten hatten sich, wie berichtet, zunächst nur gegen den Einsatz von Glyphosat und neonicotinoiden Pflanzenschutzmitteln auf gemeindeeigenen Grundstücken ausgesprochen. Der Beschluss geht darüber hinaus. Unter Pestiziden versteht man auch andere Substanzen, die unerwünschte Organismen in der Landwirtschaft beseitigen. Je nachdem, ob die Pestizide gegen Unkraut, Pilze oder Insekten eingesetzt werden, spricht man auch von Herbiziden, Fungiziden oder Insektiziden.

Die Selmsdorfer Gemeindevertreter entschieden sich für das erweiterte Verbot nach einer einstündigen, teils kontroversen Diskussion. Vor ihrem Beschluss gaben sie Experten die Möglichkeit, Fragen zu beantworten und die Dinge aus ihrer Sicht darzustellen. Der Einladung folgten Landwirte, die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands Nordwestmecklenburg, Petra Böttcher, und die Geschäftsführerin der Naturfreunde Deutschlands, Ina Walenda. Das hat sich aus Sicht des Selmsdorfer Bürgermeisters Marcus Kreft (SPD) bewährt. Er sagt: „Es war gut, dass wir beide Seiten da hatten - auch um Hintergrundinformationen zu bekommen.“ Die Diskussion sei sachorientiert gewesen. Krefts Eindruck nach Gesprächen mit Bürgern: „Der Beschluss stößt auf positive Resonanz.“ Er könne ein Schritt zur Förderung des ökologischen Landbaus sein.

Wie der Bürgermeister auf Anfrage mitteilte, hat die Gemeinde Selmsdorf 51 Hektar landwirtschaftliche Flächen verpachtet. Marcus Kreft erläutert: „Die ersten neuen Verträge fangen im September an zu laufen.“ Die SPD-Fraktion erklärte in ihrem ursprünglichen Antrag: „Die Gemeinde Selmsdorf sollte sich dem Vorbild anderer Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern anschließen und ihren Teil dazu beitragen, den Einsatz von Glyphosat zu verhindern beziehungsweise zu minimieren.“ Das Unkrautvernichtungsmittel ist wegen seiner teils nachgewiesenen und teils vermuteten Wirkungen auf Mensch und Natur umstritten. Viele Landwirte argumentieren, ein Verbot führe dazu, dass entweder giftigere Mittel zu Lasten der Natur versprüht würden oder teurere Methoden eingesetzt werden müssten, die die Lebensmittelpreise für die Endverbraucher in die Höhe treiben. Etliche ökologisch wirtschaftende Bauern warnen hingegen, der Einsatz von Pestiziden sei eine kurzfristige Lösung auf Kosten der Umwelt.

Die SPD-Fraktion argumentierte in ihrem Antrag auch: „Jeder wird es bemerkt haben: In den letzten Jahren hat die Anzahl der Insekten (Bienen, Mücken etc.) dramatisch abgenommen.“ Das sei bei näherem Hinsehen „eine ökologische Katastrophe“, denn: „Wer, außer den Insekten, soll die Bestäubung der Pflanzen zukünftig übernehmen?“ Sicher seien, so die Sozialdemokraten, auch Monokulturen und Flächenverbrauch nicht unschuldig, aber: „Die negative Wirkung von Glyphosat ist erwiesen und steht auch im dringenden Verdacht, krebserregend zu sein.“

Jürgen Lenz

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