Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 10 ° heiter

Navigation:
Gemeinde gegen Gifte in der Landwirtschaft

Selmsdorf Gemeinde gegen Gifte in der Landwirtschaft

Der Einsatz von Pestiziden wird Landwirten in der Gemeinde Selmsdorf künftig untersagt. Betroffen sein werden die Pächter von Grundstücken, die der Kommune gehören. So hat es die Gemeindevertretung einstimmig beschlossen.

Voriger Artikel
Neue Garagen fürs Stadtzentrum
Nächster Artikel
PSV-Nachwuchsboxer erkämpfen acht Goldmedaillen

Chemiker Peter Gros von der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät  der Universität Rostock, steht vor einem Regal mit Glyphosat-belasteten Erdproben.

Quelle: Christian Charisius/dpa

Selmsdorf. Von Jürgen Lenz

 Selmsdorf Die Gemeindevertretung in Selmsdorf setzt ein Zeichen gegen Glyphosat und andere Gifte in der Landwirtschaft. Sie hat einstimmig beschlossen: Als Bedingung für das Neu- oder Weiterverpachten von Land im Eigentum der Kommune wird künftig der Verzicht auf Pestizide vorgeschrieben.

Damit erweiterten die Kommunalpolitiker den ursprünglichen Antrag der SPD-Fraktion. Die Sozialdemokraten hatten sich, wie berichtet, zunächst nur gegen den Einsatz von Glyphosat und neonicotinoiden Pflanzenschutzmitteln auf gemeindeeigenen Grundstücken ausgesprochen. Der Beschluss geht darüber hinaus. Unter Pestiziden versteht man auch andere Substanzen, die unerwünschte Organismen in der Landwirtschaft beseitigen. Je nachdem, ob die Pestizide gegen Unkraut, Pilze oder Insekten eingesetzt werden, spricht man auch von Herbiziden, Fungiziden oder Insektiziden.

Die Selmsdorfer Gemeindevertreter entschieden sich für das erweiterte Verbot nach einer einstündigen, teils kontroversen Diskussion. Vor ihrem Beschluss gaben sie Experten die Möglichkeit, Fragen zu beantworten und die Dinge aus ihrer Sicht darzustellen. Der Einladung folgten Landwirte, die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands Nordwestmecklenburg, Petra Böttcher, und die Geschäftsführerin der Naturfreunde Deutschlands, Ina Walenda. Das hat sich aus Sicht des Selmsdorfer Bürgermeisters Marcus Kreft (SPD) bewährt. Er sagt: „Es war gut, dass wir beide Seiten da hatten - auch um Hintergrundinformationen zu bekommen.“ Die Diskussion sei sachorientiert gewesen. Krefts Eindruck nach Gesprächen mit Bürgern: „Der Beschluss stößt auf positive Resonanz.“ Er könne ein Schritt zur Förderung des ökologischen Landbaus sein.

Wie der Bürgermeister auf Anfrage mitteilte, hat die Gemeinde Selmsdorf 51 Hektar landwirtschaftliche Flächen verpachtet. Marcus Kreft erläutert: „Die ersten neuen Verträge fangen im September an zu laufen.“

Die SPD-Fraktion erklärte in ihrem ursprünglichen Antrag: „Die Gemeinde Selmsdorf sollte sich dem Vorbild anderer Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern anschließen und ihren Teil dazu beitragen, den Einsatz von Glyphosat zu verhindern beziehungsweise zu minimieren.“ Das Unkrautvernichtungsmittel ist wegen seiner teils nachgewiesenen und teils vermuteten Wirkungen auf Mensch und Natur umstritten. Viele Landwirte argumentieren, ein Verbot führe dazu, dass entweder giftigere Mittel zu Lasten der Natur versprüht würden oder teurere Methoden eingesetzt werden müssten, die die Lebensmittelpreise für die Endverbraucher in die Höhe treiben. Etliche ökologisch wirtschaftende Bauern warnen hingegen, der Einsatz von Pestiziden sei eine kurzfristige Lösung auf Kosten der Umwelt.

Die SPD-Fraktion argumentierte in ihrem Antrag auch: „Jeder wird es bemerkt haben: In den letzten Jahren hat die Anzahl der Insekten (Bienen, Mücken etc.) dramatisch abgenommen. Das sei bei näherem Hinsehen “eine ökologische Katastrophe„, denn: “Wer, außer den Insekten, soll die Bestäubung der Pflanzen zukunftig übernehmen?„ Sicher seien, so die Sozialdemokraten, auch Monokulturen und Flächenverbrauch nicht unschuldig, aber: “Die negative Wirkung von Glyphosat ist erwiesen und steht auch im dringenden Verdacht, krebserregend zu sein."

Lenz Jürgen

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Rostock
Pflanzenschutzmittel, die Neonikotinoid-Wirkstoffe enthalten, sind eine Gefahr für Wild- und Honigbienen. Das hat die Risikoanalyse der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) ergeben.

Landesminister Backhaus (SPD) unterstützt den Vorstoß von Bundesagrarministerin Klöckner (CDU). Die Bauern reagieren verhalten. In der EU soll am 27. April über ein Totalverbot der Neonikotinoide entschieden werden. Sie können Bienen schädigen.

mehr
Mehr aus Grevesmühlen
Verlagshaus Grevesmühlen

August-Bebel-Straße 11
23936 Grevesmühlen

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag:
9:00 -12.30 Uhr und 13.30 - 17:00 Uhr
Freitag:
 9:00 - 12.30 Uhr und 13.30 - 16:00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Michael Prochnow
Telefon: 0 38 81 / 78 78 10
E-Mail: grevesmuehlen@ostsee-zeitung.de

Beilagen
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

^
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.