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Grevesmühlen Geschichte und Geschichten: Blick hinter Kellerwände
Mecklenburg Grevesmühlen Geschichte und Geschichten: Blick hinter Kellerwände
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00:00 09.06.2017
Kevin Nehls mit einem der vielen Schätze aus dem Kreisarchiv – ein Einwohnermeldebuch aus Bernstorf aus den 1930er Jahren.
Grevesmühlen

Der Geruch von Pappe und Papier liegt in der Luft. Im Kreisarchiv in der Malzfabrik in Grevesmühlen lagern Unmengen Papier und Pappkartons. Würden alle Ordner und Akten aneinandergereiht, ergäbe das eine Strecke von etwa 3660 Metern. Einsortiert ist alles in sogenannten Hebelschubanlagen, die in einem 477 Quadratmeter großen Raum im Keller des historischen Gebäudes stehen. Heute, am Internationalen Tag der Archive, haben Interessierte von 9 bis 12 Uhr die Möglichkeit, einen Blick in das Kreisarchiv zu werfen.

Das Kreisarchiv in der Malzfabrik Grevesmühlen öffnet heute seine Türen

Das älteste Dokument hinter den Kellerwänden ist aus dem Jahr 1717 – ein Verpflichtungsschein an den Besitzer des Guts Groß Walmstorf, der es zwei Untertanen ermöglichte zu heiraten, verrät Ute Kluge, die mit drei weiteren Kollegen für die Archivarbeit zuständig ist und dafür sorgt, dass alles seinen rechten Platz findet und die Nachwelt nicht die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen sucht.

Dass der Verpflichtungsschein und all die anderen historisch wertvollen Sachen noch erhalten sind, ist der Temperatur im Keller zu verdanken. Akribisch wird sie konstant auf 16-17 Grad gehalten. Die Luftfeuchtigkeit darf nicht höher als 50 Prozent sein. Verändern sich die Messwerte nur minimal, würden die Akten zu schimmeln beginnen – eine Katastrophe für die Hinterlassenschaften.

Kreisarchive gibt es in Mecklenburg-Vorpommern seit Anfang der 1950er Jahre. Seinerzeit gab es eine Anordnung, auch in Grevesmühlen, Gadebusch und Wismar solch eine Einrichtung vorzuhalten.

Nach Aussage von Ute Kluge wurde im ehemaligen Kreis Wismar-Land um 1953 ein Archiv eingerichtet, im Kreis Gadebusch habe es bis 1955 Bemühungen gegeben. Mit der Landkreisneuordnung im Jahr 1994 wurden die drei Kreisarchive zusammengelegt und Grevesmühlen zum Hauptsitz erklärt. Bis zum Umbau der Malzfabrik blieben Außenstellen in Wismar, Gadebusch und Schönberg erhalten. 2004 gab es eine endgültige Zusammenlegung in Grevesmühlen. Zuvor, so erinnert sich Ute Kluge, wurden Akten auf dem Dachboden und im Keller der Malzfabrik in Regalen gelagert. Die Hebelschubanlagen waren dann Luxus und erleichterten die Arbeit ungemein.

Aufgeteilt ist das Kreisarchiv in ein sogenanntes End- und ein Zwischenarchiv. Mit Letztgenanntem arbeiten die Verwaltungsmitarbeiter des Landkreises. Im Endarchiv wird alles Historische gelagert.

„Wir sortieren aus, was erhalten bleibt und was entsorgt werden kann. Wir haben eine Verantwortung für die Zukunft“, umschreibt Ute Kluge.

Anfragen gibt es im Kreisarchiv genug – im vergangenen Jahr waren es 622 im historischen Archiv und 1387 im Zwischenarchiv. Viele würden das Archiv zum Beispiel für Ahnenforschung nutzen. Eine Anfrage kostet fünf Euro – egal, ob sie von Erfolg gekrönt ist oder nicht. Um die Negativrecherchen so gering wie möglich zu halten, sind die Mitarbeiter auf die Hilfe von Ortschronisten und der Bevölkerung angewiesen.

„Unter anderem überlassen uns Hinterbliebene von Verstorbenen Dinge, für die sie keine Verwendung mehr haben“, erläutert Ute Kluge. So können die Mitarbeiter neben vielen Akten und Festzeitschriften auf einen Fundus von rund 8000 Fotos und etwa 1200 alten Ansichtskarten zugreifen.

Jede Stunde Führungen

Das Kreisarchiv in der Malzfabrik lädt heute von 9 bis 12 Uhr zum Tag der offenen Tür. Zu jeder vollen Stunde gibt es kostenlose Führungen. Zu sehen ist außerdem eine kleine Ausstellung zum Wandel der Mobilität im ehemaligen Kreis. Praktikanten haben diese 2016 erarbeitet.

Recherchieren können Bürger direkt vor Ort in einem Benutzerraum – oder im Internet unter https://www.nordwestmecklenburg.de/de/kreisarchiv/kreisarchiv.html. Um Anmeldung wird gebeten.

Jana Franke

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