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Grevesmühlen Glanz und Elend der Landwege
Mecklenburg Grevesmühlen Glanz und Elend der Landwege
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00:00 05.09.2018
Viele alte Landwege sind heute zugewachsen – so auch unweit von Klein Siemz in Richtung Petersberg. Quelle: Foto: Jürgen Lenz
Lindow

Wie ein alter, längst untergepflügter Landweg zu neuem Leben erweckt werden kann, das zeigt eine Initiative mit zahlreichen Beteiligten in der Gemeinde Groß

Initiative engagiert sich fürs Wiederherrichten einer alten Verbindung / Viele Trassen sind ungepflegt

Siemz. Ein 600 Meter langer und sieben Meter breiter Streifen wurde unweit von Lindow renaturiert. Die Initiative führt zahlreiche Vorteile auf. Insekten, Reptilien und Kleinvögel können entlang der entstehenden Hecke zwischen den Biotopen leben und wandern. So werden Lebensräume vernetzt, die sonst durch die Felder getrennt wären. Auch eröffnet der wiedererstandene Landweg den Bewohnern von Lindow und ihren Besuchern einen Zugang zur Natur in der Umgebung des Dorfes.

„Es ist alles in Eigenleistung passiert“, erläutert Carsten Sommerfeld, Einwohner des Ortsteils Lindow und Mitglied der Groß Siemzer Gemeindevertretung. Dort fiel im Frühjahr vorigen Jahres auf, dass ein ehemaliger Landweg pachtfrei geworden war. In Lindow entstand die Idee, ihn wieder herzurichten. Einwohner des Dorfes bekräftigten ihren Wunsch mit einer Unterschriftensammlung. Gemeindevertreter und Mitarbeiter der Amtsverwaltung Schönberger Land sprachen über das Vorhaben und brachten es auf den Weg. Klaus Babbe wurde als betroffener Landwirt in die Planung einbezogen. Er sollte die umliegenden Felder auch weiterhin ohne Probleme bestellen können. Nach der Ernte begann die Lindower Dorfgemeinschaft zunächst damit, das zu bepflanzende Areal einzuzäunen. Dann brachten sie die Setzlinge von 280 Bäumen und Sträuchern in den Boden. Gepflanzt wurden einheimische Arten: 30 Prozent Weißdorn, 30 Prozent Schlehe, 10 Prozent Hasel, 10 Prozent Fasanenspiere und 10 Prozent Hundsrose sowie Bäume, alle acht Meter Eiche, Buche und Feldahorn im Wechsel. „Im Frühjahr säten wir auch noch einen Blühstreifen“, berichtet die Initiative. Erfreulicherweise seien die Kosten für die Pflanzen und den Zaun von der Jagdgenossenschaft Torisdorf/Lindow übernommen worden. Zu den Beteiligten der Aktion gehörten neben dem Vorsitzenden der Jagdgenossenschaft, Wolfgang Kuhlmann, und Landwirt Klaus Babbe auch Bürgermeister Rainer Berger, die Gemeindevertreter Carsten Sommerfeld und Jürgen Evers sowie Uta Barten-Evers, Thomas und Angelika Kränz und weitere Mitglieder der Dorfgemeinschaft Lindow. Was sie bedauern: Der Landweg ist bisher eine Sackgasse. Eine Verbindung zu den Nachbardörfern wäre ganz wunderbar. In früheren Zeiten war das selbstverständlich.

Die Museologin Heidemarie Frimodig berichtet über die Vergangenheit der Landwege in der Region: „Jedes Dorf hatte seine eigene Zuwegung zum Nachbardorf.“ Doch zur DDR-Zeit und nach der Wende wurden viele Landwege untergepflügt, um größere Flächen für die Landwirtschaft entstehen zu lassen. Um die erhaltenen Wege und Hecken ist es oft nicht zum Besten bestellt. Heidemarie Frimodig sagt: „Ihr Zustand ist zum Teil trostlos.“ Viele würden nicht mehr genutzt, seien ungepflegt und würden zuwachsen.

Die Einwohnerin von Roduchelstorf erklärt: „Manchmal werden die alten Landwege noch als Feldzufahrten genutzt. Dann ist ihr Zustand passabel.“ Einige Landwege seien durch den Bau der A 20 unterbrochen worden. Die Landschaftspflege außerhalb von Naturschutzgebieten habe insgesamt gesehen sehr nachgelassen. Einige Landwirte betreiben sie, andere nicht. Wünschenswert wäre beispielsweise, den landschaftlich schön gelegenen Weg zwischen Retelsdorf und Lübseerhagen wieder in einen Zustand zu versetzen, der ihn für Radfahrer und Wanderer gut passierbar macht.

Mit Sorge blickt auch Helga David auf einige Landwege. Als ein Beispiel zeigt die Einwohnerin von Klein Siemz den alten Weg in Richtung Petersberg. Er ist zugewachsen. Helga David: „Er wird nicht gepflegt. Es ist bedauerlich, dass er einfach untergeht.“ Dagegen werde nichts gemacht. Einige Wege seien in der Vergangenheit einfach zugeschoben worden, berichtet Helga David. Sie ist in Klein Siemz aufgewachsen und kennt die Gegend seit ihrer Kindheit. An einem Landweg zeigt sie Spuren, die auf eine versuchte Brandrodung hindeuten. An anderen Stellen liegen Küchenabfälle oder ein Steinhaufen versperrt den Weg. In einem Fall wandte sich Helga David an die Untere Naturschutzbehörde. Sie bedauert: „Leider ohne Ergebnis.“ Was ihr dagegen sehr gefällt, ist das Ergebnis der Lindower Initiative. Helga David lobt: „Es ist gut, dass es gemacht wurde.“

Grüne Lebensadern und Kulturgüter

Naturnahe Landwege sind das Thema einer Broschüre des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Er sieht in den alten Wegen „grüne

Lebensadern in Mecklenburg-Vorpommern“. Sie seien ein Ausdruck der ökologischen und kulturellen Vielfalt und daher hervorragend geeignet, um Menschen in die Landschaften und Natur Mecklenburg-

Vorpommerns zu führen. Auch seien die naturnahen Wege mit ihrer oft üppigen Begleitvegetation wichtige Elemente eines landesweiten Biotopverbundes.

Die Geschichte historischer Hand-, Post- und Frachtstraßen in Nordwestmecklenburg beleuchtet Henning Müller in dem Buch „Quo vadis? Alte Wege neu entdecken“. Der Landkreis Nordwestmecklenburg hat es in der Reihe „Einblicke zwischen Schaalsee und Salzhaff“ veröffentlicht.

Der Autor schreibt: „Erst in jüngerer Zeit hat ein Umdenken

eingesetzt. Das alte ,Straßen’-Netz wird

zunehmend als Kulturgut erkannt, das geschützt werden muss.“

Jürgen Lenz

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