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Grevesmühlen Grandiose Aufholjagd nur zum Teil belohnt
Mecklenburg Grevesmühlen Grandiose Aufholjagd nur zum Teil belohnt
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00:31 17.04.2018
Der entscheidende Siebenmeter, Sekunden vor dem Spielende. Vivien Millrath zieht ab, doch der Ball zischt einen Meter über das Gehäuse der Berlinerinnen. TSG-Trainer Christoph Nisius (l.) reißt schon vorher die Arme hoch. Das Spiel endete 20:20-Unentschieden. Quelle: Foto: Daniel Koch
Wismar

Was für ein Handballdrama in der Wismarer Sport- und Mehrzweckhalle am Sonnabend: Nachdem Eleni Evangelidou für die TSG Wismar gegen die Bundesliga-Reserve der Füchse Berlin in der 58. Spielminute den 20:20-Ausgleichstreffer erzielt hatte, kannte der Jubel auf den Zuschauerrängen und auf der TSG-Bank keine Grenzen mehr. Doch dieser Jubel wurde noch einmal getoppt.

Sekunden vor der Schlussirene zeigten die nicht immer glücklich agierenden Schiedsrichter Philipp Fiehn und Daniel Sarakewitz nach einem Angriff der Gastgeberinnen auf den Siebenmeterpunkt.

TSG-Torjägerin Vivien Millrath, die mit zehn Treffern beste Vollstreckerin im TSG-Team war, schnappte sich nach einer kurzen Verständigung mit Trainer Christoph Nisius den Ball. Während Nisius an der Seitenlinie schon die Arme hochstreckte, traf Millrath nicht das Tor. Die Kugel zischte einen Meter über das Gäste-Gehäuse. Schlagartig kippte die Stimmung in der Halle. Entsetzen machte sich auf dem Parkett und auf den Rängen breit. Während die TSG-Spielerinnen sofort zu Vivien Millrath liefen und sie trösteten, jubelten die Berlinerinnen mit ihrem Trainer Rene Günzel ausgelassen.

„Ich wusste, was auf dem Spiel stand und habe versucht, locker zu bleiben. Zwei Siebenmeter hatte ich ja schon sicher verwandelt. Der Druck war wohl zu groß“, sagte Vivien Millrath nach dem Spiel mit Tränen in den Augen. TSG-Trainer Christoph Nisius verschwand wenig später mit seinen Spielerinnen in der Umkleidekabine. Hinter verschlossener Tür tröstete er sein Team, nahm aber auch schon eine erste Auswertung des Spiels vor. „Meine Mädels haben anfangs nicht den Kampf angenommen. Der Gegner hat befreit aufgespielt und ist auch so in die Zweikämpfe gegangen“, analysierte der 34-Jährige die erste Halbzeit. Da führten die Gäste bereits mit 15:8. Kein gutes Haar ließ Nisius an den Unparteiischen. „Die Schiedsrichterleistung hat mich ein bisschen an die Handball-Weltmeisterschaft in Katar erinnert. Ich weiß nicht, was die Schiedsrichter für ein Problem hatten. Das war die bisher schlechteste Leistung, die ich in meinen 29 Jahren beim Handball erlebt habe“, war der TSG-Trainer noch Minuten nach der Oberliga-Partie stinksauer. Mehrmals protestierte er, lief an der Bank auf und ab und zweifelte viele der Entscheidungen der beiden Schiedsrichter an. Dafür wurde er ermahnt und erhielt auch die Gelbe Karte.

Dass sich die Schiedsrichter über weite Strecken des Spiels auch den Zorn der gut 500 Zuschauer zuzogen, dafür sorgten die Referees auch selbst. Während sie bei jeder kleinen Nickligkeit der TSG-Spielerinnen auf den Siebenmeterpunkt zeigten oder Zeitstrafen verhängten, ahndeten sie in der 28. Minute ein brutales Foul gegen Svea Pinkohs nicht. Die TSG-Spielerin wurde am Kreis hart attackiert und zog sich eine Rückenverletzung zu. Für sie war das Spiel damit vorzeitig beendet.

Christoph Nisius gab aber auch ehrlich zu, dass sein Team die erste Halbzeit total verschlafen hatte. Die TSG-Damen begannen sehr nervös. Allein in den ersten 30 Minuten leisteten sie sich elf Abspiel- Fang- oder Schrittfehler, die dann auch zu drei Kontertoren der Gäste führten. Das Blatt wendete sich allerdings in der zweiten Hälfte. Die Kabinenansprache von Nisius hatte gewirkt.

Fortan machten die Wismarerinnen weniger Fehler im Spielaufbau und verwandelten eiskalt ihre Chancen.

TSG Wismar: Steiner, Schultz – Tegler, Kriegsmann 1, Bibow, Martin 2, Dürl, Pinkohs, Powierski 1, Bartlau 4, Millrath 10, Evangelidou, Misevska 1.

Peter Preuß

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