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Grevesmühlener erhält Preis für neue Therapie

Grevesmühlen/Berlin Grevesmühlener erhält Preis für neue Therapie

Große Auszeichnung für einen gebürtigen Grevesmühlener: Der promovierte Biomediziner Nico Lachmann (32) freute sich gestern in Berlin über den diesjährigen Eva Luise Köhler- Forschungspreis für Seltene Erkrankungen.

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Wurden ausgezeichnet (v.l.): Dr. Nico Lachmann, Prof. Dr. Thomas Moritz, Dr. Christine Happle und Prof. Dr. Gesine Hansen

Quelle: privat

Grevesmühlen. Die Familie des 32-Jährigen, der in Grevesmühlen zur Schule ging, reiste zur Feier des Tages in die Hauptstadt. „Ich bin sehr stolz auf Nico, er hat zielstrebig seinen Weg gemacht“, sagte sein Vater Andreas Lachmann. Sein Sohn, der an der Wasserturmschule seinen Realschulabschluss machte, sei ein „Spätzünder“ gewesen. In einem Forschungszentrum in Schleswig-Holstein habe er zunächst eine Ausbildung zum Biologisch-Technischen Assistenten (BTA) gemacht. Dann habe er sein Abitur nachgeholt, um anschließend in Hannover Biotechnologie und Biomedizin zu studieren. Sein Forschungsschwerpunkt: „Gentherapeutische Stammzellforschung im blutbildenden System“. Nico Lachmann gehe in seiner Forschungsarbeit auf und sei sehr glücklich über den Preis, berichtete sein Vater über den ehrgeizigen Wissenschaftler, der in seiner Freizeit gerne kocht, Fußball spielt oder Joggen geht.

Den Preis erhält das vierköpfige Forscherteam, zu dem Lachmann gehört, für eine neuartige Methode der Gentherapie. Bei dieser wird die gesunde Kopie eines Gens anstelle von Blut-Stammzellen eingesetzt, um pulmonale Alveolarproteinose (PAP), eine seltene Lungenerkrankung, zu behandeln. Bei PAP sammelt sich in den Lungenbläschen, die eigentlich Luft enthalten, fett- und eiweißreiches Material an. Erkrankte Kinder entwickeln sich schlecht, leiden häufig an Atemwegsinfekten und ersticken oft bereits im Kindesalter. PAP ist nicht heilbar. Betroffene müssen monatlich riskante Spülungen der Lunge unter Vollnarkose über sich ergehen lassen. Eine Knochenmarktransplantation, bei der beschädigte Zellen durch gesunde ersetzt werden, ist nicht möglich, da der schlechte Gesundheitszustand die vorher nötige Bestrahlung oder Chemotherapie nicht zulässt.

Statt einer Knochenmarktransplantation mit Blutstammzellen sollen deshalb bei der neuen Methode körpereigene und Gen-korrigierte Zellen direkt in die Lunge verpflanzt werden. „Im Mausmodell konnten wir zeigen, dass sie ohne wesentliche Nebenwirkungen zu einer deutlichen Verbesserung der Alveolarproteinose führte“, sagte Projektleiterin Dr. Christine Happle. Der neue Ansatz könnte das Risiko einer Leukämie durch Gentherapie deutlich senken und Chemotherapien überflüssig machen, so das Forscherteam. Das Projekt wurde von einer 16-köpfigen Jury aus 32 Projekten ausgewählt. Eva Luise Köhler, Ehefrau von Bundespräsident a. D. Horst Köhler, die den mit 50 000 Euro dotierten Preis überreichte, bezeichnete den Therapieansatz als „außergewöhnlich“.

Nico Lachmann war nach einem Forschungsauftrag an der Universität Yale (USA) zur Forschergruppe der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gestoßen. Durch die lebensbedrohliche Situation einer zweijährigen Patientin war bei den Forschern der Wunsch entstanden, eine Therapie zu entwickeln, die die Überlebenschancen und die Lebensqualität der erkrankten Kinder verbessert. „Meine Ausbildung gibt mir die Möglichkeit, zur Entwicklung neuer Therapien für schwere und seltene Erkrankungen innerhalb eines Teams aus Ärzten und Naturwissenschaftlern beizutragen und damit etwas von der Unterstützung an die kleinen Patienten zurückzugeben“, so Lachmann, der übrigens bereits als Schüler mit der Forschung in Kontakt kam. „Er hat am Institut für Umweltschutz und Qualitätssicherung im Grünen Weg ein Schülerpraktikum gemacht“, erzählte sein Vater.

Seltene Erkrankungen
Zum sechsten Mal wurde gestern der Tag der seltenen Erkrankungen weltweit begangen. Unter dem Motto „Solidarität ohne Grenzen“ organisierten zahlreiche Selbsthilfegruppen auch in Deutschland Veranstaltungen.

6000 seltene Erkrankungen sind den Medizinern etwa bekannt. Mehr als vier Millionen Menschen leben in Deutschland mit einer von ihnen. Eine Krankheit gilt als selten, wenn nicht mehr als fünf von 10 000 Menschen betroffen sind.

Melina Ulbrich

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