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Grevesmühlen Grüne Heringe für Warnows Storch
Mecklenburg Grevesmühlen Grüne Heringe für Warnows Storch
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00:00 12.04.2013
Los geht‘s: Klaus Andersson macht den Storch aufmerksam, wirft den Hering auf die Erde, wo Adebar dann genüsslich frisst. Fotos (2): K.-E. Schmidt Quelle: Schmidt
Warnow

Die fetten Zeiten für den Storch in Warnow sind vorbei. Der das behauptet, weiß wovon er spricht. Klaus Andersson heißt er, und bis jetzt war der 62-jährige dem Adebar zusammen mit den Warnowern Ute Helmer und Jens Peters behilflich, damit dieser besser über den verlängerten Winter kam.

Doch jetzt ist Schluss mit dem zusätzlichen Nahrungsangebot, mit Kleinfisch und Heringen. „Salzheringe natürlich nicht“, fügt Klaus Andersson hinzu und lacht. „Das war ja nur eine Notlösung“, erklärt er. „In der Regel soll der Storch sich selbst ernähren, jetzt wird nicht mehr zugefüttert.“ Würmer, Mäuse und auch Frösche gibt es bald genug. Warnow hat den See und viele Teiche, auch kleine Flächen abgeweidetes Grasland, die der Storch braucht zur Nahrungssuche. Selbst ein kranker Jungvogel, der im Horst nistenden Spatzen wird verzehrt, so der Storch sich weit genug ‘rüberbeugen kann. Es gab ohnehin nicht mehr als zwei Fische am Tag. „Der Vogel soll in Bewegung bleiben, nicht dick werden“, betont Klaus Andersson, freundlich mit Storchen-Diät drohend. Lediglich Überlebenshilfe wollten die Menschen geben.

Und wenn Klaus Andersson zu mehr Bewegung rät, weiß er auch warum: Der Warnower Storch nämlich scheint kein Freund von unnützer Energieverschwendung zu sein. Belegt ist das durch sein Verhalten bei der Entgegennahme des Herings. In Sichtweite des rot Bestrumpften postiert sich Klaus Andersson dann in der Nähe des in etwa zehn Meter Höhe auf einem Betonmast thronenden Horstes, der seinen Standort auf dem Nachbargrundstück des Futtergebers hat. „Ich zeige ihm den Fisch mit ausgestrecktem Arm und werfe ihn in kleinem Bogen auf den Boden. Der Storch fixiert ihn mit den Augen, bin ich weg, kommt er ‘runter und holt ihn sich.“ Und das ist die energiesparende Aktion: Einen kleinen Verdauungsspaziergang nutzt der Schreitvogel zur Astsuche und erst dann fliegt er zurück ins Nest, an dem er schließlich noch zu bauen hat. „Leerlauf gibt es nicht“, lobt Storchenvater Andersson und bescheinigt dem Tier effizienteres Handeln gegenüber manchem Menschen.

Beim Ast-Einbau lässt der Vogel sich Zeit, ist beobachtet worden. Gern nutze er offenbar auch verzweigte Teile und scheint sie akribisch einzupassen. Klaus Andersson interpretiert augenzwinkernd: „Da darf natürlich nichts abrutschen, wenn die Storchenfrau dann da ist . . .“ In der Tat erreichen die Horste laut Andersson durchaus eine beachtliche Höhe von einem Meter und würden um die 15 Zentimeter im Jahr wachsen. An diesem Wochenende übrigens wird Adebars Frau erwartet in Warnow. Er kam Karfreitag. 14 Tage dauert es in der Regel, bis sie ihm folgt. „Er klappert auch schon mehr“, wertet Klaus Andersson die verstärkte Schnabelaktivität als Begrüßungsritual. Und wenn sie da ist, dann gibt es noch einmal Hering. „Ein, zwei Fische soll sie als Willkommensgruß kriegen“, stellt der Warnower in Aussicht. 2013 zogen die Störche übrigens zwei Junge auf.

Der Weißstorch ist nicht mehr wegzudenken aus Warnow. 1950 geboren und nie aus dem Ort weggezogen, hat Klaus Andersson immer Störche in seinem Heimatort erlebt. „So lange sie da sind, ist Palaver im Dorf“, erzählt er, die Begeisterung der Einheimischen wie die der Gäste beschreibend. Und die eigene ebenfalls. Sie äußerst sich auch darin, dass der Vater und Opa, der sich als Jäger auch als Naturschützer versteht, der heranwachsenden Generation immer wieder gern sein Wissen weitergibt. „Schließlich soll in 50 Jahren auch noch einer über die Störche von Warnow erzählen können.“ Auch mit Tauben, Kanarienvögel, Kaninchen und der Züchtung von Hunden der Rasse Deutsch-Drahthaar kennt der Zimmermann sich aus.

Nisthilfe steht in der Dorfstraße
Jahrzehnte haben Störche in Warnow ihren Horst auf der 1984 abgebrannten Scheune gehabt. Mehrere andere Nisthilfen wurden danach mit mehr oder weniger Erfolg angeboten, bis auch mithilfe des für die Region zuständigen Stromanbieters um die Zeit der politischen Wende eine Nisthilfe auf einem Betonpfahl in der Dorfstraße ihren Platz bekam. Dort wechselte sie noch einmal auf die andere Straßenseite, wo sie nun dank Genehmigung des Eigentümers auf dem Nachbargrundstück von Familie Andersson steht.


Eine Nisthilfe nur wenige Meter entfernt auf einem Holzmast hat nie die Zustimmung der großen Vögel gefunden. Klaus Andersson macht Schwingungen, die in der nicht allzu stabilen Bauweise ihre Ursachen haben, dafür verantwortlich.

„Schließlich soll in 50 Jahren auch noch einer über die Störche von Warnow er- zählen können.“
Klaus Andersson

Cornelia Roxin

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