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Grevesmühlen Grundschule ehrt vorbildliche Viertklässler
Mecklenburg Grevesmühlen Grundschule ehrt vorbildliche Viertklässler
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12:10 07.11.2018
Die Preisträger (v. l.) Luise Grote, Gustav Romeyke und Finya Clausen mit ihren Klassenlehrern Ralf Bendiks und Heike Schmid. Quelle: JANA FRANKE
Grevesmühlen

Mit genug Geld in der Tasche, gibt es alles Mögliche zu kaufen – ob im Geschäft um die Ecke oder im Internet: Schuhe, Autos, Schmuck, Schulbücher. Nur eines nicht, davon hat sich der stellvertretende Schulleiter der Grundschule „Fritz Reuter“, Ralf Bendiks, höchstpersönlich überzeugt: den Fritz-Reuter-Preis. Denn den gibt es in dieser Form – von dem alle zwei Jahre deutschlandweit ausgelobten Literaturpreis für Personen, die sich um das Niederdeutsche verdient gemacht haben, mal abgesehen – nur in Grevesmühlen. „Wer ihn je erhalten hat, hängt mit Freude und Stolz an diesem Ehrenpreis“, sagte er. Seit 1956 werden die ausgezeichneten Viertklässler in einer Chronik der Schule verewigt. Einreihen können sich nun Luise Grote und Gustav Romeyke aus der Klasse 4a sowie Finya Clausen aus der Klasse 4b.

Wer hat den Preis – die Plakette trägt das Konterfei von Fritz Reuter – verdient? Die Klassenleiter Ralf Bendiks (4a) und Heike Schmid (4b) haben es sich nicht leicht gemacht. Würde es um Fleiß oder gutes Betragen gehen, hätten ihn fast alle Viertklässler bekommen, hieß es. Sind gute oder sehr gute Noten ausschlaggebend? Nein, das Bemühen sei viel wichtiger, so Bendiks. Und wie wäre es mit demjenigen, der immer die Tafel abwischt oder den Milchdienst macht? Anerkennend, aber nichts für den Reuterpreis. Es gehe um das Mitempfinden, die unauffällige Hilfe, ein gewisses Verständnis für Situationen, die Freude am Lernen, die Begeisterung, in die Schule zu gehen. Und eben das weisen in der Klasse 4a Luise und Gustav auf, glaubt Ralf Bendiks.

„Ich dachte, ich habe mich verhört“, sagte Gustav nach der Preisübergabe. „Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet“, freute er sich und gab zu, ein wenig geschockt gewesen zu sein – im positiven Sinne natürlich. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Mit diesem Sprichwort ließe sich am besten die Auszeichnung von Luise kommentieren. Schon ihre Mama Peggy Grote, damals Horn, erhielt 1987 den Fritz-Reuter-Preis. Zwei Preisträger im Hause, da ist Ralf Grote als Papa von Luise natürlich mächtig stolz. Und wie schätzt er seine Tochter ein? Warum hat sie den Preis verdient? „Sie steht mit beiden Beinen im Leben und hat immer ein offenes Ohr für andere.“

Finya, so erklärte ihre Klassenlehrerin Heike Schmid, sei eine weltoffene, selbstbewusste und aufmerksame Schülerin, die ein Gespür dafür habe, wie es anderen geht. „Immer ehrlich und direkt sagst du deine Meinung“, beschrieb sie die würdige Preisträgerin aus der Klasse 4b. Ehrlichkeit bestätigen auch ihre Eltern Susann Siegerth und Matthias Clausen, bezeichneten ihre Tochter sogar als grundehrlich. „Lügen finde ich eben doof“, begründete Finya. „Viel Spaß macht es immer, wenn du in unserer Klasse vorliest. So hast du im vergangenen Schuljahr beim Lesewettbewerb teilgenommen und in der Klassestufe 3 gewonnen“, hieß es in der Laudatio. Von den Worten war die Zehnjährige so überwältigt, dass sogar Tränen rollten.

Sorgten für Unterhaltung: die Mädchen und Jungen der Tanzgruppe von Lehrerin Anngret Runge. Quelle: JANA FRANKE

Seit 144 Jahren ist der bedeutende Dichter Fritz Reuter, der am 7. November 1810 geboren wurde, nun schon tot. Aber seine Hinterlassenschaft lebt weiter, beschrieb es Schulleiterin Andrea Kodanek in ihrer Begrüßungsrede der Feierstunde, zu der auch die Eltern der Viertklässler geladen waren. Viele Städte gedenken dem bekennenden Mecklenburg-Fan, nicht zuletzt auch Grevesmühlen mit dem Namen der Grundschule, die nicht nur Reuter selbst, sondern auch die plattdeutsche Sprache aufleben lässt. Verantwortlich zeichnet dafür Lehrerin Anngret Runge, die neben Hobbymusiker Nils Pfützner mit ihrer Tanzgruppe für den kulturellen Rahmen des Abends sorgte. Die Vorbereitung darauf war für die Schüler nicht mal eben nebenbei gemacht. Das machte Luise Grote in der Einführung deutlich: „Hüt wöllt wi nu tau juch Vergneugen Gedichte snacken un Geschichten zeigen. De sind fast all in uns Muddersprak. Dat euben war ne rechte Plag. Wi hofft, ji könnt dat all verstahn, denn Plattdütsch dörf nich ünnergahn.“

Der Ehrenpreis

Der Fritz-Reuter-Preis wird jedes Jahr im November an Viertklässler überreicht, die während ihrer Grundschulzeit positiv aufgefallen sind. Das Sozialverhalten und eine starke persönliche Entwicklung sind dabei bedeutender als ausgezeichnete Noten.

1956 entstand in der Fritz-Reuter-Schule die Idee, Schüler der vierten Klassen mit dem Fritz-Reuter-Preis auszuzeichnen. Bis heute ist es Tradition geblieben.

Das Schulgebäude der Grundschule Fritz Reuter entstand 1899. Namensgeber Fritz Reuter starb 25 Jahre vor dem Schulbau am 12. Juli 1874 in Eisenach. Bekannt wurde der 1810 in Stavenhagen geborene Autor mit Literatur über Mecklenburg.

Jana Franke

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