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Grevesmühlen Gutachter: Keine Gefahr durch Tritium auf Deponie
Mecklenburg Grevesmühlen Gutachter: Keine Gefahr durch Tritium auf Deponie
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00:05 11.02.2017
165 Hektar groß ist die Deponie Ihlenberg auf dem Gebiet der Gemeinde Selmsdorf. Quelle: Fotos: Jürgen Lenz

Die Werte an radioaktivem Tritium im Sickerwasser der Deponie Ihlenberg sind für Menschen und Umwelt unbedenklich. Zu diesem Ergebnis kommt eine radiologische Untersuchung der Nuclear Control & Consulting GmbH Braunschweig, die im Dezember endgültig fertiggestellt wurde und der OZ vorliegt. In dem 62-seitigen Gutachten heißt es: „Eine Gefährdung von Personen im Umfeld der Deponie durch das aus der Deponie stammende Tritium besteht nach den Maßstäben des Strahlenschutzes nicht.“ Die 2011 erstmals gemessenen und seitdem deutlich abnehmenden Werte würden auch bei den Mitarbeitern des Deponiebetreibers, der Ihlenberger Abfallentsorgungsgesellschaft (IAG) in Selmsdorf, selbst bei ungünstigsten Annahmen nicht zu Dosen führen, die nach Maßstäben des Strahlenschutzes bedeutsam sind.

Die IAG hatte das Gutachten in Auftrag gegeben, nachdem die Tritiumwerte und deren eventuellen Auswirkungen auf Menschen und Umwelt im vorigen Jahr auch bei Bürgern im Umfeld der Deponie kontrovers diskutiert worden waren. Mitglieder der Bürgerinitiative „Stoppt die Deponie Schönberg“ bemängelten die Werte und erklärten, auch wenn diese weit unter der natürlich vorkommenden Strahlung liege, sei jedes Plus an Strahlung zu vermeiden.

Am Donnerstagnachmittag stellte die Geschäftsleitung der landeseigenen IAG die Untersuchung erstmals öffentlich vor – in einer Sitzung des Kreisausschusses für Umwelt und Landwirtschaft in der Palmberghalle in Schönberg. Der technische Geschäftsführer Norbert Jacobsen und die kaufmännische Geschäftsführerin Beate Ibiß präsentierten die Untersuchung, erläuterten sie und antworteten auf Fragen. Die Ausschussvorsitzende Petra Kesper (Grüne) lobte nach der Präsentation: „Es ist der richtige Weg, dass ein Gutachten erstellt wurde.“ Die Vorstellung finde sie einen wichtigen Schritt.

Dadurch werde Transparenz hergestellt.

Der stellvertretende Selmsdorfer Bürgermeister Udo Gutschke (Wählergemeinschaft „Bürger für Selmsdorf“) verfolgte die öffentliche Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Landwirtschaft als Zuhörer. Er sagte gestern auf Anfrage, die Ergebnisse der Untersuchung seien für ihn in Ordnung. Gutschke erklärte: „Ich habe keinen Grund, das Ergebnis dieses Gutachtens anzuzweifeln.“ Es sei gut, dass eine radiologische Bewertung vorgenommen wurde und Quellen des Tritiums auf der Deponie herausgefunden wurden. Der stellvertretende Bürgermeister sagte: „Die ganze Thematik hat uns in den letzten Jahren immer wieder begleitet.“

Christian Albeck (SPD), der sowohl der Selmsdorfer Gemeindevertretung, als auch dem Ausschuss des Kreises angehört, sagte über die Folgen des Gutachtens auf seiner Sicht: „Es ist geklärt, woran die Tritiumwerte liegen und woher sie kommen.“ Albeck äußerte sich während des Treffens zuversichtlich: „Das Tritium wird in den nächsten Jahren weniger.“

Die Untersuchung der Braunschweiger Strahlungsexperten bestätigt eine Einschätzung der IAG, aus welchen Quellen das Tritium wahrscheinlich stammt: „Wahrscheinlichster Herkunftsbereich sind entsorgte Konsumgüter.“ Sie sind Teile des Hausmülls, der deutschlandweit auf zahlreichen Deponien abgelagert wird – auf der Deponie in Selmsdorf jedoch seit Juni 2005 nicht mehr.

Neben den im freien Verkauf weiterhin erhältlichen tritiumhaltigen Konsumgütern, wie beispielsweise Uhren mit Leuchtziffern und Knicklichtern fürs Angeln, sind nach dem Ergebnis der Untersuchung „uneingeschränkt freigegebene Laborabfälle als weitere Ursache der Tritiuminventare nicht auszuschließen.“ Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit könnten dagegen sogenannte „freigemessene Abfälle“ ausgeschlossen werden, die vom Gelände des ehemaligen Kernkraftwerkes Lubmin bei Greifswald stammen. Diese Abfälle müssen zudem eine „schadlose Trivialdosis“ einhalten, die weit unter der Strahlendosis liegt, der Menschen durch natürliche Quellen ausgesetzt sind. Die Gutachter erklären auch: „Durch das Verfahren der Freigabe ist ein hohes Maß an Expertise in die Verfahren eingebunden.“ Zu dieser Einschätzung kamen auch Mitglieder des Kreisausschusses für Umwelt und Landwirtschaft bei einem Vororttermin in Lubmin.

Jürgen Lenz

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