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Grevesmühlen „Habe Kind frieren lassen, weil mich alles nervte“
Mecklenburg Grevesmühlen „Habe Kind frieren lassen, weil mich alles nervte“
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10:43 11.12.2017
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Schwerin/Grevesmühlen

Gestern ist am Schweriner Landgericht der Prozess gegen die Grevesmühlener Ronny und Nicole B. fortgesetzt worden. Sie sind angeklagt, den drei Jahre alten Sohn von Ronny B. misshandelt zu haben. Der Junge war im Frühjahr 2016 abgemagert und mit Hämatomen in die Wismarer Klinik gekommen (OZ berichtete).

Am vierten Verhandlungstag wurden neue Details bekannt. So äußerte sich die Angeklagte Nicole B. dazu, warum sie den Jungen regelmäßig mit kaltem Wasser abduschte und ihn mit nassen Sachen in der Badewanne liegen ließ. „Ich habe das Kind frieren lassen, weil mich alles genervt hat“, sagte die 36-Jährige. Sie sei mit dem dreijährigen Stiefsohn überfordert gewesen und hätte vom Jugendamt keine Hilfe bekommen. In ihr habe sich Wut gegenüber der Behörde angestaut. Auf die Frage des vorsitzenden Richters Armin Lessel, ob sie das Kind in einen schlechten Zustand bringen wollte, um das Jugendamt zu bestrafen, antwortete sie: „Kann sein.“ Im festgehaltenen Schriftwechsel mit dem Vater des Jungen habe sie betont, dass das Amt „noch sehen wird, was es davon hat“. Der Junge musste unter anderem auch auf einer völlig verschmutzten Matratze schlafen.

Die Beschuldigung, das Kind auch mit dem Kopf in die verstopfte Toilette gesteckt zu haben, dementierte Nicole B. jedoch. „So etwas würde ich nie machen“, sagte sie. Auch diesbezüglich stärken Nachrichten, die sie dem Vater schickte, den Verdacht. Richter Lessel schenkte dem Dementi wenig Glauben.

Vater Ronny B. will nur wenig von all den Misshandlungen mitbekommen haben, wie er gestern sagte. Er habe oft gearbeitet. Dabei hat seine Ehefrau ihm per Handy oft genau geschildert, wie sie den Jungen zu Hause bestraft hat. In den Nachrichten hatte sie unter anderem auch geschrieben, dass das Kind „bald da ist, wo die Würmer krabbeln“ und es als „Pisser“ bezeichnet.

Der damals zuständige Sachbearbeiter vom Jugendamt des Kreises Nordwestmecklenburg ist gestern trotz Vorladung nicht im Zeugenstand erschienen. Er wurde im Laufe der Verhandlung von der Polizei gesucht. Der Sachbearbeiter war nach Bekanntwerden des Falls von seinem Posten entbunden worden. Er hatte nach einem Besuch der Familie keine Auffälligkeiten bemerkt. Ein anonymer Brief machte den Fall öffentlich.

Nächster Prozesstag: 27. November

D. Heidmann

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