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Grevesmühlen „Hier ist ein Abfallrecycling-Park geplant“
Mecklenburg Grevesmühlen „Hier ist ein Abfallrecycling-Park geplant“
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20:54 13.06.2018
Der ehrenamtliche Umweltberater Klaus Koch (r.) hielt am Montagabend in der Schule in Selmsdorf einen Vortrag über das geplante Gewerbegebiet neben der Deponie Ihlenberg und dessen mögliche Folgen für Menschen und Natur. Quelle: Foto: Jürgen Lenz

Mehr Abfall, mehr Lkw-Verkehr, mehr Risiken für Menschen und Umwelt: Das erwarten Einwohner der Gemeinde Selmsdorf für den Fall, dass sich in einem Gewerbegebiet neben der Deponie Ihlenberg Betriebe der Abfallwirtschaft ansiedeln. Ihre Kritik an den Plänen brachten Bürger am Montagabend in einer Veranstaltung vor, zu der die Bürgerinitiative „Stoppt die Deponie Schönberg“ eingeladen hatte. Nach einem Vortrag des Hamburger Umweltberaters Klaus Koch entwickelte sich das zweieinhalbstündige Treffen zu einer regen, weitgehend sachlichen Diskussion. An ihr beteiligten sich neben Einwohnern der Gemeinde Selmsdorf auch Bürgermeister Marcus Kreft (SPD) und die beiden Geschäftsführer der Ihlenberger Abfallentsorgungsgesellschaft

(IAG), Beate Ibiß und Norbert Jacobsen.

Wie berichtet, billigte die Selmsdorfer Gemeindevertretung am 12. April den Entwurf eines Bebauungsplans mit der Gebietsbezeichnung „Deponie auf dem Ihlenberg“. Erklärte Ziele sind „Möglichkeiten zur Ansiedelung von Gewerbebetrieben, die im Zusammenhang mit dem Deponiebetrieb stehen“ und „die bauliche und sonstige Nutzung innerhalb des Geltungsbereiches planungsrechtlich zu steuern und insbesondere die langfristige Vereinbarkeit der Interessen des Deponiebetreibers mit den Belangen der angrenzenden Siedlungsflächen sicherzustellen.“ Auch geht es um eine künftige Nutzung regenerativer Energie und deren Speicherung auf dem Deponiegelände. Den Aufstellungsbeschluss fasste die Gemeindevertretung bereits 2011. Im November 2015 und im Februar 2017 standen der Bebauungsplan und weitere Vorhaben der IAG im Mittelpunkt von Einwohnerversammlungen, zu denen der Selmsdorfer Bürgermeister eingeladen hatte.

„Wir sind in einem Planungsstadium, in dem es kurz vor zwölf ist“, warnte am Montagabend Haat-Hedlef Uilderks. Der Selmsdorfer begrüßte die versammelten Bürger. Er kritisierte, die Gemeinde hätte frühzeitig unabhängige Fachleute einladen sollen, was aber nicht geschehen sei. Marcus Kreft hingegen sagt: „Wir haben in der Vergangenheit und auch jetzt die Hinweise der Bürgerinitiative immer ernst genommen.“ Pläne für ein Industriegebiet habe die Gemeinde wegen geringerer Einflussmöglichkeiten abgelehnt.

Haat-Hedlef Uilderks erklärte am Montagabend, es gehe auch um die Wohnqualität in Selmsdorf. Der Selmsdorfer sagte: „Es würden mehr Emissionen kommen.“ Das geplante Gewerbegebiet diene seines Erachtens dazu, die Deponie längerfristiger weiterbetreiben zu können als dies bisher angekündigt worden sei. Uilderks kritisierte auch: „Im Prinzip weiß niemand, was da hin soll.“ Diese Meinung vertritt auch Klaus Koch. Er sagte: „Was hier geplant wird, ist recht diffus gehalten.“ Seine Ansicht sei: „Hier ist ein Abfallrecycling-Park geplant.“ Die Gesamtmenge der angelieferten Abfälle in Selmsdorf würde größer. Koch warnte: „Abfallbehandlung kann neue gefährliche Abfälle erzeugen.“ Immer wieder komme es zu Bränden und Explosionen. Koch empfahl, ein Gutachten zur Gefahrenabschätzung mit möglichen Umweltauswirkungen erstellen zu lassen. Mit einem Durchführungsvertrag solle sich die Gemeinde weitergehende Einflussnahmen sichern. Auch solle eine Wirtschaftlichkeitsberechnung erstellt werden, die klärt: Was hat die Gemeinde davon? Marcus Kreft antwortete am Montagabend: Arbeitsplätze und Gewerbesteuern. Der Selmsdorfer Bürgermeister sagt, es sei bedauerlich, dass der Bereich Recycling ausschließlich negativ besetzt worden sei. Es sei „die Branche, die aus gebrauchten Produkten Rohstoffe für eine Wiederverwertung gewinnt.“

IAG-Geschäftsführerin Beate Ibiß sagte am Montagabend, die Betriebe, die für eine Ansiedelung infrage kommen, dürften in keiner Weise gefährliche Abfälle behandeln und: „Eine Müllverbrennung wird es nicht geben.“ Geschäftsführer Norbert Jacobsen betonte: „Wir haben ein großes Interesse daran, dass Menschen und Umwelt nicht zu schaden kommen.“ Beate Ibiß erklärte, die IAG sei eine Gesellschaft des Landes Mecklenburg-Vorpommern und nicht profitorientiert. Oberste Maximen der IAG seien der Schutz ihrer Mitarbeiter und der Umwelt.

Jürgen Lenz

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