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Grevesmühlen Hier werden Baudenkmale und die Gemeinschaft gepflegt
Mecklenburg Grevesmühlen Hier werden Baudenkmale und die Gemeinschaft gepflegt
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00:18 15.06.2018
Der Griebener Karl Schröder (r.) und Bürgermeister Frank Lenschow starten zu einem Dorfrundgang. Quelle: Fotos: Jürgen Lenz

Karl Schröder lebt gerne in Grieben. „Das Dorf hat einige Besonderheiten, die positiv sind“, sagt der 82-Jährige in der Stube seines Mecklenburger Bauernhauses.

Vom alten Dorf ist relativ viel erhalten / Zugezogene sind willkommen

Der Raum ist klein, die Decke niedrig – so wie es früher üblich war. Die Vergangenheit wird spürbar an dieser Stelle und an vielen anderen in Grieben. Dafür nennt Bürgermeister Frank Lenschow einen Grund: „Wir haben in Grieben relativ viel alte Bausubstanz.“ Das Dorf hat sich etwas bewahrt, was vielen anderen Orten mittlerweile fehlt: ein Gesicht, eine Identität.

Dafür haben Menschen wie Karl Schröder gesorgt. Als das Mitglied der „Interessengemeinschaft Bauernhaus“ Anfang der 90er Jahre ein Anwesen an der Griebener Nebenstraße kaufte, übernahm er eine schwere Aufgabe. „Es war schon ein bisschen in einem ruinösen Zustand“, erzählt Karl Schröder mit Mecklenburger Sprachmelodie. Das Dach und viele Ausfachungen mussten erneuert werden. Die Bauarbeiten zogen sich hin. Statt das Haus in einem Zuge zu entkernen, erhielt Schröder die Strukturen. Deshalb sind auch die Abseiten noch vorhanden. Der Boden auf der großen Diele ist aus Lehm – ganz so wie früher.

Im alten Angerdorf Grieben ist das kein Einzelfall. Der 82-Jährige lobt: „Viele Gebäude sind liebevoll saniert worden. Das muss man anerkennen.“ So sieht es auch Adolf-Friedrich Wigger, der eine 324 Seiten umfassende Chronik von Grieben geschrieben hat. Er schreibt in dem Kapitel „Das Besondere am Dorf Grieben aus heutiger Sicht“: „Die ehemalige Dorfstruktur ist noch erhalten. Grieben steht unter Denkmalschutz. Vor allem aber, es leben heute engagierte Menschen in diesen alten Häusern. Mit großem Engagement, und auch meist mit erheblichen Einschränkungen in der Nutzung erhalten sie diese Denkmale.“

Jetzt machen Frank Lenschow und Karl Schröder einen Rundgang durch den Ort, der vor einigen Jahren mit dem dritten Preis des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden - Unser Dorf hat Zukunft“

ausgezeichnet wurde. Die beiden Griebener gehen über eine Pflasterstraße an Scheunen, Ställen und Bauernhäusern vorbei, die teils über 300 Jahre alt sind. Vier Gebäude an der Nebenstraße stehen unter Denkmalschutz und fünf an der Hauptstraße. Eine 1750 gebaute Scheune hat jetzt ein neues Dach. Sie ist vor dem Verfall gesichert. Jetzt erreicht Karl Schröder den Hof Lenschow. Er erklärt: „Hier sind alle Gebäude noch vorhanden: Haupthaus, Scheune, Stall, Backhaus.“ Einen Steinwurf entfernt steht auch noch die alte Schule vor Grieben. Daneben fällt der Blick auf eines von nur zwei Häusern, die in dem Dorf seit 1990 neu gebaut wurden. Früher stand hier ein Hirtenkarten.

Schröder und Lenschow gehen weiter vorbei an Bauernhäusern, Scheunen, Ställen. Dann erreichen die beiden Griebener ein Gehöft, das seit über 20 Jahren jemandem gehört, der nicht im Ort wohnt. Seitdem verfällt. Vertreter der Gemeinde bemühten sich, das zu ändern. Sie wandten sich an den Besitzer, an Denkmalschutzbehörden, ans Bauordnungsamt. Alles hat am Ende nichts gebracht. Der Bürgermeister bedauert: „Man kriegt den Eigentümer nicht dazu bewegt, etwas zu machen.“

Geld spielt dagegen keine Rolle bei einer zweiten positiven Besonderheit, die Karl Schröder für das Dorf mit 150 Einwohnern nennt: „Es ist ein guter Zusammenhalt hier. Wenn man Hilfe braucht, ist immer jemand da.“ Gilt das auch für diejenigen, die nicht seit Jahrzehnten im Ort wohnen? Karl Schröder sagt: „Die Neuzugezogenen haben sich gleich miteingebracht und werden sofort miteinbezogen. Es ist hier eine verschworene Gemeinschaft und jeder fühlt sich gleich zuhause.“

Jürgen Lenz

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