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Grevesmühlen Historischer Hund beschäftigte die Gerichte
Mecklenburg Grevesmühlen Historischer Hund beschäftigte die Gerichte
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00:00 09.03.2013
Wismar

Die aktuelle „Archivalie des Monats“ im Wismarer Stadtarchiv ist ganz unscheinbar: Eine Zeichnung von einer hölzernen Hundeskulptur aus der Zeit um 1776. Aber wenn man die Geschichte hinter der Skulptur kennt, wird sie höchst amüsant. Sie stand übrigens vor dem heutigen OZ-Gebäude in Wismar in der Mecklenburger Straße. „Es geht um Hermann Hinrich Beckmann, der war Bildhauer in Wismar und ziemlich streitlustig“, so Historiker Dr. Nils Jörn. Dem Archiv hat er einige Prozessakten „vermacht“. „Beckmann schnitzte zusammen mit seinem Bruder für die Kirchen Wismars und alles, was hier so gebraucht wurde“, so der Archivleiter. Die Idee, für seine Handwerkskunst durch eine Schnitzerei Werbung zu machen, lag nah. Er schnitzte einen Hund. Dessen Allerwertester zeigte zum Nachbarn, dem Pelzer Blunck. Sicherlich nicht die schönste Nachbarschaft, wenn man bedenkt, dass ein Pelzer mit Urin und Ähnlichem die Felle haltbar macht. Blunck war nicht begeistert vom Hund und seinem Gesäß, insbesondere als Beckmann der Figur noch drei Perlen an den Schwanz baumelte. Das sah wirklich aus, als würde der Hund dem Nachbarn vor die Tür . . .

Die provokante Werbung wirkte — innerhalb kürzester Zeit versammelten sich die Wismarer in der Mecklenburger Straße und wollten den Hund bestaunen. Für Blunck war das zu viel. „1775 zog Blunck vors Gewett, das Handelsgericht. Die entschieden innerhalb von drei Tagen, dass der Hund zu entfernen sei“, erzählt Dr. Nils Jörn. Beckmann legte Berufung ein, man klagte bis zum Wismarer Tribunal, dem höchsten Gericht für die Besatzungen der Schweden auf deutschem Gebiet. Im März 1776 entschieden die Richter. Wegen „Unsinnigkeit der Beschwerde“ wurde Beckmann zu fünf Reichstalern Strafe und sein Anwalt sogar zu acht Talern verurteilt — mit dem Zusatz, wenn der Anwalt noch mal so etwas machen würde, dürfe er nicht praktizieren. Ob es den Hund des Anstoßes noch gibt, ist nicht bekannt. Aber drei Zeichnungen haben sich in den Gerichtsakten erhalten. Wie lange diese „Archivalie des Monats“ noch zu sehen ist und wann die nächste vorgestellt wird, hängt in erster Linie von der Papstwahl ab.

„Wir wollen, sobald der neue Papst gewählt wurde, absolute Schätze zeigen“, verspricht Nils Jörn. Im Archiv liegen drei Papsturkunden von Bonifatius IX. Aus dem Jahr 1400, dazu eine Urkunde von zehn Kardinälen aus dem Jahr 1475. „Die Urkunden wurden noch nie gezeigt, und die Kardinalsurkunde wird auch nur den Abend zu sehen sein, so wertvoll ist sie.“

Nicole Hollatz

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