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Hochwasseralarm bei Starkregen

Boltenhagen Hochwasseralarm bei Starkregen

Wichmannsdorf hat ein Problem mit dem Regenwasser. Seit Jahren kämpft das Ehepaar Kelling für eine Lösung.

Boltenhagen. Wichmannsdorf, ein Ortsteil des Ostseebades Boltenhagen, liegt an einem Hang bis in die Senke des Klützer Baches hinein. Eine kanalisierte Regenentwässerung gibt es hier nicht. Doch der Ortsteil wächst und auch drumherum plant die Gemeinde weitere Bebauung. Das bereitet Brigitte und Klaus Kelling in Wichmannsdorf große Sorge. Sie fürchten, bald vom Regenwasser umspült zu werden.

Ursprünglich war Boltenhagens Ortsteil Wichmannsdorf nur eine Ansammlung von ein paar Häusern am alten Gutshaus. Das war vor etwa hundert Jahren. Aber auch Mitte der Achtzigerjahre war der Ortsteil noch sehr übersichtlich. Etwa 15 Häuser habe es damals gegeben, erinnert sich Brigitte Kelling (53) an die Zeit, in der sie mit ihrem Mann Klaus (56) das Einfamilienhaus baute. Mit der Wende kamen neue Nachbarn. Freie Flächen wurden bebaut, viel Boden versiegelt. Doch damit musste sich das Regenwasser seinen Weg suchen. Eine Kanalisation dafür gibt es nicht, vielmehr ein stets gewachsenes Versickerungsnetz. Gräben leiten das Regenwasser vom höchsten Punkt an der Klützer Straße hinab in Richtung Klützer Bach. Immer schon gab es zwei kleine Teiche in Wichmannsdorf. Sie fangen das Regenwasser erst einmal auf. Dann fließt es in einen Graben, der in den Klützer Bach mündet. Genau das ist der Knackpunkt. Dieser Graben läuft entlang zweier Grundstücksseiten der Kellings.

„Etwa seit 2010 wird an einem plan gearbeitet, eine Regenentwässerung zu bauen“, sagt Brigitte Kelling. Sie hat inzwischen einen dicken Aktenordner über ihre Beschwerden sowie Antworten vom Amt, Kreis und dem Petitionsausschuss des Landtages in Schwerin. Denn was vor drei Jahren begonnen wurde zu planen, sollte bei dem Graben, der an ihrem Grundstück beginnt, enden. „Der regelmäßige Rückstau des Klützer Baches wurde dabei nie berücksichtigt“, sagt Brigitte Kelling. Sie und ihr Mann haben Anfang Januar selber Pegelstände im Graben bis zum Klützer Bach gemessen. 23 bis 97 Zentimeter haben sie an verschiedenen Stellen gemessen. Laut den bisherigen Planungen, so Brigitte Kelling, sollte der Pegelstand im Graben aber beim künftigen Anschluss aller Grundstücke 23 Zentimeter nicht überschreiten.

Jetzt, wo zwar der Schnee geschmolzen ist aber kaum Niederschläge gefallen sind, ist der Graben ums Grundstück von Kellings nur ein kleines Rinnsal. Bereits bei ihren Nachbarn staut es sich aber auf, wird einen halben Meter tief und fast einen ganzen Meter breit. An der letzten Biegung vor dem Klützer Bach steht das Wasser aktuell bis zur Uferkante. Und das es steht, ist auch kein gutes Zeichen.

„Der Graben wurde immer mal ausgebaggert, aber er funktioniert nicht mehr richtig. Das Wasser drückt aus dem Klützer Bach hier rein“, sagt Klaus Kelling über die Stelle, wo der Graben in den Bach mündet. Eine Fußgängerbrücke dort hängt nur 20 Zentimeter über der Wasseroberfläche. „Der ganze Klützer Bach hat ein Problem. Von Goldbeck an bekommt er das Regenwasser der Ortschaften. Und da wurde über die Jahre immer mehr versiegelt“, macht sich Klaus Kelling seine Gedanken.

Er und seine Frau haben bislang immer wieder ihre Bedenken oder Einsprüche gegen Änderungen des Bebauungsplanes für Wichmannsdorf geäußert. „Inzwischen fühlen wir uns bei der Unteren Wasserbehörde ganz gut verstanden“, sehen sie zumindest einen Teilerfolg. Denn sollte die Regenentwässerung von Wichmannsdorf wie angedacht in den Graben an ihrem Haus geleitet werden, würde der regelmäßig übers Ufer treten. Das will das Ehepaar verhindern. „Wir haben uns hier eine Existenz aufgebaut“, sagt Brigitte Kelling, die als Tagesmutter zuhause arbeitet. „Wir haben unsere Abgeordneten einmal gewählt, damit sie sich für unsere Interessen einsetzen“, sagt sie. „Eine der versprochenen Einwohnerversammlungen hat es bei uns noch nicht gegeben“, geht die Kritik an Boltenhagens Politikern weiter.

Vorerst, so sagt es Bauamtsleiterin Maria Schultz, bleibe es in Wichmannsdorf wie es ist. Mit dem Zweckverband werde an einem auch für die Zukunft funktionierenden Konzept gearbeitet, das eventuell auf ein Kanalsystem hinauslaufe. „Der Zustand ist sicher unbefriedigend und die Angst der Anwohner auch verständlich“, so Maria Schultz. „Die Umplanung ist aber technisch noch nicht abgeschlossen.“

Unklare Besitzverhältnisse
Regenwasserdurchlässe unter Straßen führen immer wieder zu Diskussionen. Bislang ist nicht geklärt, wem sie gehören. Das Straßenbauamt wiegelt regelmäßig ab, wenn es um Reparaturen geht.

Malte Behnk

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