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Hochzeitsreise vor 40 Jahren

Wismar Hochzeitsreise vor 40 Jahren

Wismarer Ehepaar war 1978 mit der „Völkerfreundschaft“ unterwegs – Sonnabend kam sie als „Astoria“

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Ilona und Manfred Bitthin am Sonnabend vor der „Astoria“. Vor 40 Jahren unternahmen sie auf dem Schiff ihre Hochzeitsreise.

Quelle: Fotos: Heiko Hoffmann

Wismar. Das erste Kreuzfahrtschiff 2018 in Wismar war für Ilona und Manfred Bitthin ein ganz besonderes. „Wir haben vor 40 Jahren auf der ,Völkerfreundschaft’ unsere Hochzeitsreise gemacht. Ich dachte, das Schiff wäre schon verschrottet. Als ich dann gehört habe, dass das Schiff nach Wismar kommt, war ich ganz aufgeregt“, leuchten bei Ilona Bitthin die Augen. Am Sonnabend erreichte das 160 Meter lange Schiff den Wismarer Hafen. Schaulustige ließen sich auch vom norddeutschen Schmuddelwetter nicht abhalten. Mit der heutigen MS „Astoria“ sind viele Erinnerungen verbunden. So auch beim Ehepaar Bitthin. „Wir hatten eine 2-Bett-Kabine mit Badewanne Steuerbord. Unter uns war die Kombüse. Das haben wir gerochen“, so die Wismarerin. Zu gern wären sie am Sonnabend an Bord gegangen, um das Schiff in Augenschein zu nehmen. Doch für die Anfrage am Freitag war es zu spät. Mit dem Hinweis auf die Sicherheit wurde leider nichts aus dem Herzenswunsch.

OZ-Bild

Wismarer Ehepaar war 1978 mit der „Völkerfreundschaft“ unterwegs – Sonnabend kam sie als „Astoria“

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Glücklich waren die 70 und 78 Jahre alten Hansestädter dennoch. Sie durften immerhin den Sicherheitszaun passieren und konnten so Tuchfühlung mit „ihrer Völkerfreudschaft“ aufnehmen.

Ilona und Manfred Bitthin hatten am 27. Februar 1978 in Wismar geheiratet. Einen Tag später ging es in Warnemünde an Bord. Manfred arbeitete in einer Gärtnerei in Grevesmühlen, Ilona im Wismarer Reisebüro. Die fünftägige Hochzeitsreise bis zum 4. März war für die junge Frau gleichzeitig eine Dienstreise. Denn sie hatte die Leitung einer Reisegruppe übernommen. An die Reise Warnemünde – Gdynia – Warnemünde haben sie damals wie heute viele gute Erinnerungen. Beim Stadtausflug in der polnischen Stadt haben sie sich sogar ihre Eheringe gravieren lassen. „Für 20 DDR-Mark“ lacht Ilona Bitthin, die noch einige Unterlagen von der damaligen Reise hat: vom Visafragebogen für Bürger der DDR, der Getränke- und Weinkarte, Speisekarte, Erinnerungsfoto mit den Kellnern der „Brigade Speisesaal“ und einem kleinen Tagebuch. Hier steht zum Beispiel: „Nachdem Gdynia hinter uns lag, wurde eine Ostseekreuzfahrt gemacht. Am Abend lagen wir schon vor Warnemünde, aber an Bord ging es heiter zu. Es trat ein Shantychor auf, durch den Kulturoffizier wurden einige Einlagen dargeboten. Die Gäste waren alle fröhlich und sangen mit. Für viele Gäste gab es eine kurze Nacht.“ An Alkoholitäten gab es zum Beispiel Hafenbräu-Export, Rotkäppchen-Sekt, sowjetischen Wodka, Stonsdorfer oder Boonekamp. Das Begrüßungsessen ließ kaum Wünsche offen: Ochsenschwanzsuppe mit Champignons, Heilbuttschnitte mit Dillkartoffeln oder Schweinesteak au four mit Pommes und Erdbeereisbecher. Nach alten Fotos vom Schiff hat Manfred Bitthin vergeblich gesucht. „Wahrscheinlich durften wir in den Häfen nicht fotografieren“, vermutet er. Den Film mit anderen Fotos ließen sie der Verwandtschaft im Westen zukommen, damit es schicke Erinnerungen gab. Ähnliche Geschichten wurden in den letzten Tagen mehrere erzählt. Die „Astoria“, die mit dem „Entenschwanz“ am Heck deutlich anders aussieht als die damalige „Völkerfreundschaft“ ist bei vielen Reisenden aus DDR-Zeiten noch präsent.

Schiff mit langer Geschichte

Das Passagierschiff „Stockholm“ wurde 1946 gebaut. Es ist das am längsten im Dienst befindliche Transatlantikschiff der Welt. Das Schiff heißt aktuell „Astoria“, bisher hatte das Schiff zwölf Namen.

Traurige Berühmtheit erlangte das Schiff am 25. Juli 1956. Die „Stockholm“ verließ New York und kollidierte kurz vor Mitternacht in einer Nebelbank mit dem doppelt so großen italienischen Liner „Andrea Doria“. Die „Andrea Doria“ sank elf Stunden später, 46 Menschen (von 1706) starben. Auf der „Stockholm“ gab es fünf Todesopfer.

1960 wurde das Schiff an die DDR verkauft. Es wurde umgetauft in „Völkerfreundschaft“ und fuhr bis 1985 als Urlauberschiff für 568 Passagiere.

Danach folgten mehrere Eigentümerwechsel. 1992 wurde es in Italien zum modernen Kreuzfahrtschiff umgebaut. Da der schlanke Schiffskörper nicht den erforderlichen Auftrieb für die größeren und schwereren Aufbauten entwickelte, erhielt es am Heck den „Entenschwanz“.

Heiko Hoffmann

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