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Grevesmühlen Hortbetreuung in den Ferien: Kommt jetzt die Testphase?
Mecklenburg Grevesmühlen Hortbetreuung in den Ferien: Kommt jetzt die Testphase?
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00:00 12.05.2016
Im Komplex am Lustgarten werden Kinder aller Altersgruppen betreut. Die Einrichtung wird von der Stadt betrieben. Quelle: Karl-Ernst Schmidt

Die Urlaubszeit steht bevor, doch für einige Eltern in Grevesmühlen bedeutet die Zeit im Sommer statt Ruhe und Erholung vor allem Stress mit den Kindern.

Michael Prochnow (44) zum Thema Kinderbetreuung und Platzkosten in Mecklenburg-Vorpommern.

Denn in der städtischen Kita am Lustgarten endet die Hortbetreuung in den Ferien um Punkt 13.30 Uhr. Wer keine Großeltern, Freunde und Verwandte hat und arbeiten muss, hat ein Problem. „Und zwar ein ziemlich großes, für uns Eltern ist das Stress, für die Kinder ist das auch nicht sehr angenehm“, sagt Nicole Oeberst von der Elternvertretung der Lustgarten-Kita.

Nun haben die Eltern der Stadt mehrere Vorschläge präsentiert, wie sie sich die Öffnungszeiten in den Ferien vorstellen, die aktuell von 7.30 Uhr bis 13.30 Uhr dauert. Für einen Vollzeitplatz wohlgemerkt, wer nur einen Teilzeitplatz hat, muss seinen Nachwuchs nach spätestens drei Stunden abholen. Wer das nicht schafft, zahlt pro angefangener Stunde 10,56 Euro.

Dabei fordern die Eltern nur ihr Recht. Und das sieht laut Kifög (Kindertagesförderungsgesetz MV, Anm. d. Red.) eine sechsstündige Betreuung innerhalb einer siebeneinhalbstündigen Öffnungszeit vor.

Nun könnte es so etwas wie eine Lösung des Problems geben, nämlich einen Testlauf in der Ferienzeit, der eine Ausweitung der Betreuungszeiten vorsieht. „Uns ist wichtig, dass die Zeiten flexibler werden“, sagt Nicole Oeberst. „Dass wir zum Beispiel die Kinder um 9 Uhr bringen können und sie dann bis 15 Uhr im Hort bleiben, damit wäre zwar nicht allen, aber immerhin vielen Eltern geholfen.“

Der Kulturausschuss der Stadt Grevesmühlen, der das Thema Hort-Öffnungszeiten lediglich als Informationsvorlage auf der Tagesordnung hatte, hat sich nun einstimmig für eine solche Testphase in den kommenden Sommerferien ausgesprochen. Auch wenn diese Testphase wahrscheinlich nicht ganz die Realität wiederspiegeln dürfte. Denn wie die Vertreterinnen des Elternrates erklärten, hätten die meisten Eltern bereits Lösungen für die Ferienzeit gefunden, sei es mit den Großeltern oder anderweitiger Betreuung. „Manche Eltern machen sogar getrennt Urlaub, um diese Zeit zu überbrücken“, sagt Nicole Oeberst. Wichtig sei, dass sich etwas ändere.

Wilfried Scharnweber (Fraktion grevesmühlen.jetzt) und Hans-Joachim Schönfeldt (SPD) hatten sich im Rahmen der Debatte sehr deutlich für eine Testphase ausgesprochen. „Es geht hier um unsere Kinder, da gibt es überhaupt nichts zu diskutieren“, so Scharnweber. Für Hans-Joachim Schönfeldt war das Engagement der Elternvertretung mehr als nur ein Lob wert. „Wann haben wir es schon mal damit zu tun, dass die Eltern uns Lösungsvorschläge präsentieren. Diese Testphase ist das Mindeste, was wir tun können. Wie die Finanzierung aussehen wird, das müssen wir dann diskutieren.“

In Sachen Finanzen hat Pirko Scheiderer, Hauptamtsleiterin im Grevesmühlener Rathaus, allerdings wenig gute Nachrichten parat. „Das Land und der Landkreis haben uns eine feste Summe für die Plätze zur Verfügung gestellt. Alles, was wir jetzt extra machen, müssen Stadt und Eltern tragen.“ Eine Testphase hält sie allerdings auch für dringend notwendig, um zu sehen, was im Hort funktioniert und was nicht. „Welche Variante dabei die beste ist, müssen wir sehen“, so Scheiderer. „Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst auch die Platzkosten beeinflussen.“ Die geplanten Umbauarbeiten, um die fehlenden Hortplätze in Grevesmühlen zur Verfügung zu stellen, werden auch auf die Eltern und die Kommune umgelegt.

Laut der Elternvertretung habe die Kita-Leitung übrigens signalisiert, dass die Testphase durchaus umzusetzen sei.

Wie kinderfreundlich sind wir überhaupt?

Es war eine emotionale Debatte im Kulturausschuss der Stadt Grevesmühlen, in der es um die Öffnungszeiten des Hortes während der Ferien ging. Jetzt gibt es immerhin die Chance auf eine Testphase und vielleicht eine Veränderung der Öffnungszeiten, damit berufstätige Eltern zumindest die Möglichkeit haben, die Betreuung überhaupt in Anspruch zu nehmen. Denn das aktuelle Angebot reicht bei weitem nicht.

Der kleine Schritt, den jetzt die Stadt auf die Elternvertretung zu gemacht hat, ist allerdings nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Denn bei der Kinderbetreuung hakt es an vielen Stellen, der Elternanteil für die Krippengebühren liegt in einigen Kommunen bei knapp 300 Euro – plus Verpflegung. Wer zwei Kinder in der Krippe hat, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob es sich noch lohnt arbeiten zu gehen oder gleich die Kinder zu Hause zu betreuen. Bei der Diskussion um die Höhe der Beiträge verweisen die Kommunen gebetsmühlenartig auf die Gesetzeslage. Daran, so hören die Eltern, ließe sich leider nichts ändern. Falsch! Es lässt sich sehr wohl etwas daran ändern. Es muss nur jemand das Problem anpacken und im Landtag auf die Tagesordnung bringen. Zurzeit zahlen Eltern und Kommunen die Rechnung für Tariferhöhung und steigende Platzkosten. Kinderfreundlich, das kann und muss man so sagen, ist diese Politik jedenfalls nicht.

Von Michael Prochnow

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