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„Ihr spielt mir doch alle etwas vor“

Schwerin/Klütz „Ihr spielt mir doch alle etwas vor“

Bewährungsstrafe für 35-Jährigen / Täter leidet laut Gutachten unter Wahnvorstellungen

Schwerin/Klütz. Ein 35 Jahre alter Mann aus dem Klützer Winkel ist gestern vor dem Schweriner Landgericht zu einer Haftstrafe von neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt worden. Der Angeklagte hatte am 3. Oktober vergangenen Jahres damit gedroht, das Wohnhaus seiner Eltern anzuzünden. Er hatte mehrere Liter Benzin im Haus verschüttet und Teile der Einrichtung mit einem Baseballschläger zertrümmert. In der Verhandlung erklärte der Mann, dass er jedoch nicht die Absicht gehabt hätte, das Benzin auch wirklich anzuzünden. Unklar ist nach wie vor, ob der Angeklagte mit einer brennenden Zigarette ins Haus gelaufen war oder nicht. Dazu gab es widersprüchliche Aussagen. Tatsache ist, dass er laut einem medizinischen Gutachten unter psychischen Störungen leidet. In der Hauptverhandlung hatte er mehrfach erklärt, dass er überzeugt sei, überwacht zu werden. Auch seine Eltern beschuldigte er, ihm etwas vorzuspielen und ihm nicht die Wahrheit zu sagen. Seine Mutter hatte berichtet, dass er sich vor einigen Jahren stark verändert habe. Die Wahnvorstellungen hatte er früher nicht. Der 35-Jährige ist Vater einer Tochter, die er allerdings in den vergangenen Monaten kaum noch gesehen hatte.

Selbst seiner ehemaligen Lebensgefährtin und deren neuem Partner wirft der Mann vor, dass sie ihm etwas vorspielen würden. Er hatte am ersten Verhandlungstag mehrfach betont, dass er rund um die Uhr überwacht werde und viele Dinge, die passiert seien, künstlich herbeigeführt worden seien. Dem medizinischen Gutachter hatte er vorgeworfen, ihn bewusst in die Irre geführt zu haben. Der Angeklagte hatte vom Tattag bis zum Verhandlungsauftakt in Untersuchungshaft gesessen und war im Laufe der Verhandlung freigelassen worden. Zu seinen Eltern, wo er zuvor gewohnt hatte, war er jedoch nicht zurückgekehrt. Monate vor der Tat hatte er seinen Job in Lübeck gekündigt und von seinen Ersparnissen gelebt. Laut seiner Mutter hatte er sich geweigert, Arbeitslosengeld zu beantragen.

M. Prochnow

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