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Grevesmühlen Im Spannungsfeld zwischen Politik und Verwaltung
Mecklenburg Grevesmühlen Im Spannungsfeld zwischen Politik und Verwaltung
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07:40 05.12.2017
Seit fünf Jahren ist Simone Jürß im Landkreis Nordwestmecklenburg in Sachen Gleichstellung von Mann und Frau unterwegs. Jetzt entscheidet der Kreistag über ihre Wiederbestellung. Quelle: Annett Meinke
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Grevesmühlen

Vielleicht hätte Simone Jürß (54) ahnen können, dass das Thema „Frau-Mann-Gleichstellung“ sie irgendwann einmal beruflich beschäftigen würde – obwohl sie eigentlich Diplomlehrerin für Englisch und Deutsch ist. „Ich habe während meines Studiums in Rostock, damals noch in der DDR, einmal zum Internationalen Frauentag am 8. März einen, wie ich dachte, anonymen Artikel zum Thema Mehrfachbelastung als Studentin, Mutter und Hausfrau, an eine öffentliche Wandtafel gehängt“, erzählt sie.

Auch in der DDR waren Frauen nicht wirklich gleichberechtigt, ist Jürß der Ansicht. „Sie durften zwar alle Berufe wählen, aber Zuhause waren die meisten Frauen – ganz im Gegensatz zu ihren Männern –, nach einem immerhin gleichlangen Arbeitstag auch vor allen Dingen für die Hausarbeit und die Kinder zuständig.“

Seit fünf Jahren ist Simone Jürß die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Nordwestmecklenburg. Sie kümmert sich innerhalb der Verwaltung und im Landkreis um Themen, in denen es um die Gleichbehandlung von Männern und Frauen geht. Am 7. Dezember, auf seiner letzten Sitzung in diesem Jahr, wird sich der Kreistag mit der Frage beschäftigen, ob die Stelle auch für die nächsten fünf Jahre bestellt wird.

Die Themen, mit denen sich Jürß beschäftigt, sagt sie: „bewegen sich natürlicherweise im Spannungsfeld zwischen Politik und Verwaltung“. Innerhalb der Kreisverwaltung aber habe sie sich von Anfang an auf einem gut bestellten Feld bewegt. 674 Beschäftigte, davon 466 Frauen und 63 Beamte, davon 51 Frauen. Zwei Drittel der Fachdienstleiterinnen Frauen – plus eine Frau als Landrätin und eine Frau als zweite Stellvertreterin der Landrätin. „Damit gehört Nordwestmecklenburg, was die Verwaltung und den Fraueanteil in Führungspositionen angeht, zu den am besten aufgestellten Landkreisen in Mecklenburg-Vorpommern“, meint Jürß.

Landkreisweit geht es um Themen, wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Arbeit, Geld, um Gewalt gegen Frauen, um Migrantinnen. „Interessanterweise“, erzählt Jürß, „gibt es inzwischen immer öfter alleinerziehende Väter, die sich mit denselben Problemen herumschlagen, wie alleinerziehende Mütter bisher.“ Das kommt, erklärt sie, daher, dass sich bei Scheidungen immer öfter das „Wechselmodell“ durchsetzt. Getrennte Eltern teilen sich das Sorgerecht, die Kinder leben mal beim Vater, mal bei der Mutter. „Da gibt es auf einmal Väter, deren Arbeitgeber ein Problem damit haben, dass der Mann zu bestimmten Zeiten Zuhause sein muss, um die Kinder abzuholen aus den Kindereinrichtungen und sich abends kümmern muss.“

Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in einer Partnerschaft generell, sagt Jürß, ist innerhalb der Bevölkerung in Nordwestmecklenburg immer noch ein ambivalentes Thema. „Wenn einer in der Familie wegen der Kinder auf Teilzeit geht, dann ist es häufig die Frau.“ Was kein Problem wäre, wie sie findet, wenn die Frau das so will – doch oft existieren Gründe, die wenig mit Freiwilligkeit zu tun haben. Häufig verdient eben die Frau viel weniger als der Mann – hinzu kommt, dass es im Umfeld vieler Familien noch lange nicht akzeptiert ist, wenn ein Mann länger zu Hause bleiben möchte.

Das Ziel ihrer Arbeit definiert Simone Jürß deshalb auch so: „Jede Frau und jeder Mann in Nordwestmecklenburg sollte so sein, wie er oder sie sein möchte, tun, was er oder sie tun möchte, beruflich und in der Partnerschaft. Dafür die gesellschaftlichen Bedingungen mitzubereiten, ist meine Aufgabe.“

Annett Meinke

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