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Grevesmühlen Innenstadt bald ganz ohne Verkehrszeichen?
Mecklenburg Grevesmühlen Innenstadt bald ganz ohne Verkehrszeichen?
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00:00 29.03.2014
Alles andere als übersichtlich ist die Beschilderung in der Wismarschen Straße in Grevesmühlen. Quelle: Michael Prochnow

Die Idee stammt aus den Niederlanden, trägt einen englischen Namen und findet in Grevesmühlen ein geteiltes Echo: Shared space, zu deutsch: geteilter Raum, nennt sich das Konzept, bei dem alle Verkehrsschilder, Ampeln, Fahrbahnmarkierungen und Bordsteine in einer Innenstadt entfernt werden. Fußgänger, Autofahrer und Radfahrer dürfen sich dann in diesem Raum frei bewegen — bei gegenseitiger Rücksichtnahme.

Die Stadt Ratzeburg will diese Idee jetzt auf „geeigneten Straßen auf der Altstadtinsel“ umsetzen. Für Grevesmühlen würde das auch Dietmar Cizmarek, Mit-Inhaber der Fahrschule Herz, gut finden. „Wenn keine Verkehrszeichen mehr stehen, fahren die Leute von Natur aus langsamer und nehmen mehr Rücksicht. Dann würde überall ,rechts vor links‘ gelten, das würde sich schnell einschleifen“, sagt der Fahrlehrer.

Sein Kollege Thomas Krohn, Inhaber der Verkehrsakademie und Fahrschule Krohn, ist sofort Feuer und Flamme für die Idee: „Ich rede seit 20 Jahren davon, alle nicht erforderlichen Verkehrszeichen abzubauen.“ Dadurch werde auch das Stadtsäckel geschont, was im Hinblick auf die Haushaltskonsolidierung sinnvoll sei. Krohn sitzt für die CDU-Fraktion in der Stadtvertretung.

Vor drei Jahren habe er etwa 270 Verkehrszeichenträger im Zentrum von Grevesmühlen gezählt, an denen jeweils ein oder mehrere Schilder angebracht waren. Die Errichtung eines Schildes koste 150 bis 200 Euro, rechnet er vor. Für die jährliche Pflege fielen 20 bis 50 Euro an, „wenn man das tun würde“. Seiner Ansicht wären etwa 100 Schilder in Grevesmühlen entbehrlich. Bei der Vorfahrtsregelung müsse sich dann jeder Autofahrer wieder an seine Fahrschulzeiten und die Grundregel „rechts vor links“ besinnen.

Hinweise auf Parkplätze hält Krohn nur an den drei Zufahrten zur Innenstadt für erforderlich. „Da sollte ein großes Schild hin mit ,Tempo 30‘ und dem Hinweis auf ,Parken nur auf gekennzeichneten Flächen‘.“ Daran werde man sich schnell gewöhnen, ist sich der Fahrlehrer sicher. 1994 habe er im baden-württembergischen Hockenheim erstmals eine Innenstadt ohne Verkehrszeichen erlebt. „Seitdem kämpfe ich hier dafür.“

Anders sieht das Renate Lange aus Upahl. „Das geht gar nicht“, weil dann überhaupt keine Rücksicht mehr genommen werde, befürchtet sie. „Das ist ja jetzt schon eine Katastrophe hier.“

Allerdings meint auch die 52-Jährige, dass einige Schilder weg könnten. „Die Vorfahrtsregelung ist wichtig“, sagt sie. Hinweise auf Park- und Haltemöglichkeiten hingegen findet sie überflüssig, da die vorhandenen Parknischen ihrer Meinung nach bereits eine deutliche Sprache sprechen. „Und es wird sich ja wohl keiner quer auf die Straße stellen“, ergänzt sie. Aber gar keine Schilder? „Das kann ich mir nicht vorstellen, auch wenn Grevesmühlen eine kleine Stadt ist.“ Ähnlich formuliert es Norbert Frenz aus Rehna. „Das wird nicht gut gehen. Zum Beispiel, wenn die engen Gassen keine Einbahnstraßen blieben“, sagt er 51-Jährige. Vorfahrtsschilder hingegen hält er für überflüssig, die Rechts-vor-links-Regel sei ausreichend. Isabell Anders aus Rolofshagen steht der Shared space-Idee ebenfalls skeptisch gegenüber. „In der Stadt sollte man Verkehrszeichen haben, damit die Leute wissen, wo man fahren muss“, erklärt die 18-Jährige, die erst im nächsten Jahr ihren Führerschein macht. „Die Schilder in Grevesmühlen sind eigentlich recht gut. Aber es reichen die, die jetzt hier sind.“



Ulrike Oehlers

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