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„Integration geht nur gemeinsam!“

Wismar „Integration geht nur gemeinsam!“

Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer demonstrieren vor dem Gebäude der Kreisverwaltung Nordwestmecklenburg

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Ich habe lange überlegt, ob ich zu der Demo komme.“ Sandra Rieck, Verein „Das Boot“

Wismar. „Wir zeigen dem Landkreis und seinen Verwaltungsebenen, was aus Gemeinsamkeit entstehen kann“, so riefen viele ehrenamtliche Flüchtlingshelfer zu der Aktion in dieser Woche am Lindengarten in Wismar auf. Direkt gegenüber der Kreisverwaltung. Dort tagte zeitgleich der Sozialausschuss, das Thema Flüchtlinge stand auf der Tagesordnung. Die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer mitsamt ihren Schützlingen standen draußen, malten gemeinsam und sprachen darüber, was möglich wäre, wenn man gemeinsam am berühmten Strang ziehen würde. Und was jetzt nicht möglich ist, weil man — so das Gefühl vieler Helfer — mehr gegeneinander agiert als miteinander.

OZ-Bild

Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer demonstrieren vor dem Gebäude der Kreisverwaltung Nordwestmecklenburg

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Die Demo richtete sich gegen Grenzen: die politischen EU-Außengrenzen sowie die menschlichen Grenzen der Zusammenarbeit. Auf einer Leinwand hatte ein Künstler ein großes Bild geschaffen, wie ein Mensch versucht, durch Lagen von Stacheldraht zu kommen. Das sehr bedrückende Bild wurde von Helfern wie Flüchtlingen gemeinsam bunt übermalt — Grenzen überwinden, Grenzen übermalen. „Ich habe lange überlegt, ob ich heute herkomme“, gab Helferin Sandra Rieck zu. „Ich möchte eine gute Zusammenarbeit zwischen Ehrenamt und Verwaltung, manchmal klappt die, oft genug auch nicht“, formulierte sie vorsichtig. „Aber wir müssen einfach über diese Probleme sprechen“, so ihre Hoffnung. Die Flüchtlingshilfe sei eine gemeinsame Aufgabe, konstruktive Kritik müsse möglich sein und auch angenommen werden.

Britta Fust, ehrenamtliche Flüchtlingshelferin und Ansprechpartnerin für Flüchtlinge wie Helfer, ist da direkter: „Wir werden gegängelt, Absprachen werden nicht eingehalten, es gibt keinen Dialog.

Wir wollen Mitsprache und Koordinierung. Wir fordern, dass Integration gefördert wird und nicht ausgebremst. Es kann und darf nicht sein, dass der Landkreis hier bis zum heutigen Tage keine Koordinierungsstelle geschaffen hat. Probleme werden klein geschwiegen, Diskussionen vermieden und Hilfsprojekte blockiert.“ Lange Wartezeiten auf den Ämtern, fehlende Beratungsangebote, unverständliche Bürokratie, fehlende Integrationsangebote — die Liste der Helfer ist lang. Britta Fust: „Hilfe darf nicht alleine dem Ehrenamt aufgebürdet werden.“ Ein Beispiel von vielen sei das Problem mit der Meldeadresse. Ehrenamtlerin Karin Gerstenberg (64) erklärt: „Ich habe zwei Schützlinge. Der erste hat seinen Antrag auf Hartz IV im Januar stellen können, der zweite jetzt im März.

Beim ersten war die Meldeadresse in Tressow kein Problem, beim zweiten ist es das, sein Antrag wird nicht weiterbearbeitet.“ Zur Erklärung: Sobald ein Flüchtling anerkannt ist, kann er Hartz IV beantragen und sich eine Wohnung suchen. Die Asylbewerberunterkunft an der Haffburg in Wismar sollte er dann verlassen, mit der Anerkennung endet der Anspruch auf den dortigen Wohnplatz.

Von Nicole Hollatz

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