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Jung, dynamisch, depressiv: Tanja Salkowski klärt auf

Gägelow Jung, dynamisch, depressiv: Tanja Salkowski klärt auf

Mit ihrem Buch will die Autorin vor allem eines: Normalität herstellen

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Tanja Salkowski sagt von sich, sie hätte sich wegen ihrer Depression allein nie Hilfe geholt. Im Mai liest sie in Gägelow aus ihrem Buch.

Quelle: Foto: Tanja Salkowski

Gägelow. „Tanja Salkowski raste rastlos von einer Lebensetappe zur nächsten. Sie arbeitete als Musikmanagerin, Marketingfachfrau, Moderatorin und Journalistin im In- und Ausland. Nach einer Mobbingerfahrung erkrankte sie 2008 an Depressionen. Ein jahrelanges Versteckspiel begann, um den Schein für Freunde, Arbeitgeber und für sich selbst zu wahren.“ So steht es auf dem Rücken ihres Buches „Sonnengrau: Ich habe Depressionen – na und?“. Anfang Mai liest die Autorin daraus in Gägelow. Die Redaktion hat im Vorfeld mit ihr gesprochen.

Sie waren 28 Jahre alt, als Ihnen die Diagnose Depression gestellt wurde. Sie haben sie jahrelang verheimlicht. Vor Ihrem Umfeld, vor sich selbst. Was hat Sie dazu gebracht, Scham und Angst zu überwinden?

Tanja Salkowski: Es war eine komplett verzweifelte Situation. Von mir selbst aus hätte ich das nie offenbart. Einen Tag nach meinem Suizidversuch habe ich mich dann geoutet. Es musste offenbar erst so weit kommen, bis ich merkte, dass ich das allein nicht schaffe.

Dann sind Sie für sieben Wochen in eine Klinik gegangen. Was hat das gebracht?

Ich kam raus aus dem Alltag, raus aus dem Umfeld. Mit den Therapeuten konnte ich anfangen daran zu arbeiten, woher das eigentlich kommt. Und die Begegnung mit anderen Patienten hat mir gezeigt, dass ich nicht allein bin. Die Klinik war der wichtigste Startpunkt dafür, dass es mir wieder besser ging. Erst dort habe ich selbst akzeptiert, dass ich krank bin. Krank, aber nicht bekloppt.

Sie sprechen in einer Radiosendung über psychische Erkrankungen, haben das Buch über Depressionen geschrieben. Warum?

Eigentlich aus einer Wut heraus. Es ist ja nicht nur die Depression allein. Es sind die vielen Hürden, die man überwinden muss – die langen Wartezeiten auf eine Therapie, Freunde, die sich zurückziehen, manche Menschen verlieren sogar den Job. Ich will, dass sich etwas ändert. Dass Depressive mehr Akzeptanz erfahren.

Inwiefern helfen Radiosendung und Buchlesungen Ihnen selbst beim Umgang mit der Depression?

Es ist für mich eine neue Lebensaufgabe geworden, ein neuer Beruf. Und der macht mir sehr viel Spaß. Ich freue mich jeden Morgen auf die Arbeit – das stabilisiert meine Psyche. Und ich habe einen Sinn gefunden in dem, was ich tue. Auch weil ich anderen Menschen damit vielleicht helfen kann.

Kündigt sich bei Ihnen ein neuer Schub an, haben Sie ein Instrumentarium gefunden, damit umzugehen. Wie haben Sie sich das zusammengestellt?

Ich habe in der Klinik und während der Therapie gelernt, was ich möchte, mit welchen Menschen ich mich umgeben möchte, was mir guttut. Das zu lernen, ging nicht von heute auf morgen. Und jeder muss für sich selbst herausfinden, was ihm guttut.

Woher nehmen Sie die Kraft, sich während eines Schubes auszuhalten?

Aus der Akzeptanz, dass ich krank bin. Und aus dem Wissen, dass ich auch wieder gute Phasen haben werde. Ich weiß mittlerweile, dass es am nächsten Tag wieder besser sein kann. Und ich hinterfrage mich in einem Schub selbst. Warum geht es mir jetzt schlecht? Warum weine ich? Das hilft mir dabei, schneller aus der Phase herauszukommen.

Wie groß ist bei Ihnen noch heute die Angst, sich zu verlieren?

Ich weiß nicht, ob es eine Angst ist. Aber ich passe schon auf. Jeden Morgen, wenn ich aufwache, höre ich in mich hinein, frage mich, was ich an diesem Tag schaffe und was ich nicht schaffe.

Wenn ich das Gefühl habe, ich schaffe es nicht, in den Supermarkt zu gehen wegen der anderen Menschen, dann lasse ich es. Ich habe Respekt vor meiner Erkrankung und weiß, dass es mir wieder schlecht geht, wenn ich nicht auf mich aufpasse.

Ein SMS-Dialog mit Ihrem besten Freund hat Sie davon abgehalten, sich umzubringen. Die Tabletten hatten Sie schon genommen. Schließen Sie einen weiteren Selbstmord-Versuch aus?

Das kann ich nicht. Niemand kann das garantieren. Aber ich habe vieles gelernt, wie ich schneller aus schrecklichen Situationen herauskomme. Das aber braucht sehr viel Achtsamkeit für sich selbst.

Lesung in Gägelow

Tanja Salkowski liest am Dienstag,

9. Mai, in Gägelow aus ihrem Buch „Sonnengrau: Ich habe Depressionen – na und?“. Die Lesung beginnt

um 15 Uhr in der Kontakt- und

Informationsstelle für Selbsthilfegruppen des Arbeiter-Samariter-

Bundes in der Dorfstraße 10.

Sie ist Teil der Veranstaltungsreihe

„Wochen der Gemeindepsychiatrie“, die noch bis zum 30. Juni in Wismar und im Landkreis Nordwestmecklenburg stattfindet. Der Eintritt

zur Lesung ist kostenlos. Die

Veranstalter bitten jedoch um

Anmeldung bis zum 4. Mai unter

☎ 03841 / 222616 oder per

E-Mail an kiss@asbwismar.de.

Interview: Nicole Buchmann

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