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Grevesmühlen Kein Platz für Unternehmen: Gewerbegebiete ausverkauft
Mecklenburg Grevesmühlen Kein Platz für Unternehmen: Gewerbegebiete ausverkauft
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00:01 17.03.2016
Begehrter Standort: Zweimal wurde das Gewerbegebiet Roggenhorst erweitert, nun sind keine Grundstücke mehr frei. Quelle: Fotos: Adamek, Neelsen, von Zastrow

Das größte Gewerbegebiet der Hansestadt in Roggenhorst kann keine neuen Firmen mehr aufnehmen. „Roggenhorst ist komplett ausverkauft“, sagte Dirk Gerdes, Chef der Wirtschaftsförderung Lübeck, beim Liberalen Wirtschaftsforum im Rathaus. Problem: Es gibt nicht mehr viele Alternativen für ansiedlungswillige Unternehmen. Gerdes: „Die Regale sind leer.“

Roggenhorst komplett belegt — Große Flächen gibt es nirgendwo mehr — KWL fordert schnell neue Standorte für die Wirtschaft — Investoren kritisieren Verwaltung und Politik

Im Gewerbegebiet am Skandinavienkai stehen noch zwei Hektar frei, in Herrenwyk noch fünf Hektar, im Gewerbepark am Flughafen 8,8 Hektar, in Genin-Süd 8,5 Hektar und am Herrendamm 1,1 Hektar. Zusammen gerade mal etwas mehr als 25 Hektar. 0,0 Flächen sind es in Roggenhorst, das schon zwei Mal erweitert wurde. In Genin-Süd hat die städtische Gesellschaft 70000 Quadratmeter an SLM Solutions verkauft und auf der gegenüberliegenden Seite werden die letzten knapp 20000 Quadratmeter veräußert. Gerdes: „Dann ist der ältere Teil des Gewerbegebietes Genin-Süd auch ausverkauft.“

Zugleich gibt es Anfragen nach großen, zusammenhängenden Flächen. „Wir haben deutliche Signale aus der Wirtschaft, dass Grundstücke über zehn Hektar nachgefragt werden“, berichtete der oberste Wirtschaftsförderer beim Wirtschaftsforum, „die können wir nicht mehr bedienen.“ Die Stadt müsse jetzt ganz schnell Flächen ausweisen, „auf denen wir sofort loslegen können“, sagte Gerdes auf Anfrage, „das sind Industriebrachen und Grundstücke auf der grünen Wiese.“ Altflächen wie die frühere Munitionsfabrik in Schlutup oder der Glashüttenweg würden aber nicht an den Autobahnen liegen.

Bessere Chancen auf Vermarktung hat das einstige Eon-Gelände in Siems, das Lübeck schon vor zehn Jahren erwerben wollte und das jetzt wieder auf den Markt kommt. Gerdes: „Dort gibt es einen Wasseranschluss und eine Kaikante, das ist ideal für Industrie.“ Im Lübecker Süden an der A 20 plant die Wirtschaftsförderung ein 40 Hektar großes, neues Gewerbegebiet, das ab Herbst 2018 vermarktet werden könnte.

Doch der Hansestadt fehlen nicht nur Flächen für Unternehmer. Politiker und Verwaltung stehen Investoren auch zu häufig im Weg, beklagt die FDP. „Investoren sind keine Heuschrecken, die in die Stadt einfallen, um Geld zu verdienen“, erklärte Fraktionschef Thomas Rathcke auf dem Wirtschaftsforum. Rathcke: „Wer hier Zeit, Kraft und Geld investiert, muss in Lübeck verliebt sein.“ Auf dem Wirtschaftsforum, das die Liberalen zum ersten Mal veranstalteten, präsentierte die Partei Investoren, die es nicht einfach haben mit Politik und Verwaltung.

Jörg Sellerbeck von der „Projektgruppe Initiative Hafenschuppen“ erhob schwere Vorwürfe gegen den Lübecker Senat. In dem Gremium gebe es eine „gewisse Blockadehaltung“ gegenüber dem Konzept zur behutsamen Entwicklung der Nördlichen Wallhalbinsel. Statt die Investorengruppe mit der Entwicklung der Flächen zu beauftragen, hätte die Bauverwaltung eine fünfseitige Fragenliste vorgelegt. „Die Verwaltung stellt Fragen, die die Investorengemeinschaft nur beantworten kann, wenn die Verwaltung ihr die Informationen dazu gibt“, schilderte Sellerbeck die Lage, „das kann ich nur so interpretieren, dass die Senatsebene das Projekt verzögern will“.

Thorsten Schulze bemüht sich seit sieben Jahren, den ehemaligen Schlachthof an der Schwartauer Allee zu bebauen. Der Projektentwickler aus Nordfriesland will 130 Wohnungen errichten — darunter 50 Sozialwohnungen — und 34 Plätze für betreutes Wohnen schaffen. Um die 31000 Quadratmeter große Brache zu beleben, braucht Schulze einen Kaufland. Aus dem Verkauf der Einzelhandelsfläche würde der Wohnungsbau „quersubventioniert“, sagte Schulze auf dem Wirtschafsforum. Zum Jahreswechsel war der nordfriesische Investor besten Mutes, denn der Bauausschuss hatte die Verwaltung mit der Entwicklung eines Bebauungsplanes beauftragt. „Sehr verwundert“ reagierte Schulze, als die Bauverwaltung im Februar ihre Arbeit vorlegte. „Das war etwas völlig anderes.“ Schulze hofft, dass die Bürgerschaft das Vorhaben in ihrer Aprilsitzung aufs Gleis bringt. FDP-Fraktionschef Rathcke: „Der ehemalige Schlachthof ist ein Paradebeispiel dafür, wie Politik und Verwaltung nicht funktionieren sollten.“

Roggenhorst

150 Hektar misst das Gewerbegebiet Roggenhorst, das jetzt voll ist. 1977 beschloss die Hansestadt den Bebauungsplan. Elf Jahre später erfolgte die erste Erweiterung. 1992 wurde das Areal in Richtung Westen erweitert. Im Planungswerk „Lübeck 2030“ lehnt die Verwaltung eine erneute Erweiterung ab. Grund: Die Landschaft würde zu stark zersiedelt. Zudem müssten Dörfer wie Badendorf und Groß Steinrade freigehalten werden.

Von Kai Dordowsky

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