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Grevesmühlen Kein Sonderrecht für Behinderten
Mecklenburg Grevesmühlen Kein Sonderrecht für Behinderten
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08:49 15.07.2013

Krücken sind der ständige Begleiter von Jörg Maresch aus Fliemstorf. Seit der Chemotherapie kann der 60-Jährige aus der Gemeinde Zierow kaum noch gehen. Selbst an den Krücken geht es nur wenige Meter. Seinen Antrag auf einen Behindertenparkausweis — den blauen mit dem stilisierten Rollstuhl — hat das Versorgungsamt in Schwerin abgelehnt. Es begründete, dass Gründe dafür „nach den hier befindlichen Unterlagen nicht vorliegen“.

Jörg Maresch ist aufgebracht und sicher, dass die Ablehnung auch erfolgte, weil dem Amt keine aktuellen Unterlagen vorlagen, sondern nur die von seinem ersten Krankenhausaufenthalt. Er beginnt zu erzählen: „Voriges Jahr am 18. März bekam ich keine Luft mehr, ich habe geschnappt wie ein Fisch auf dem Trocknen.“ Seine Frau habe Rettungsdienst und Notarzt gerufen. Im Klinikum Wismar wurde dann eine schwere Lungenentzündung festgestellt — und Lungenkrebs. Sofort sei er in die Strahlenklinik nach Rostock gekommen. „Alles lief gut, die erste Chemo habe ich gut vertragen, ich konnte sogar wieder etwas Gartenarbeit machen“, so der 60-Jährige.

Der Schock kam nach dem zweiten Chemo-Zyklus. „Die Muskeln waren steinhart“, erinnert sich Jörg Maresch. Wegen der Schmerzen in den Oberschenkeln, konnte er gar nicht mehr laufen. „In der Reha bin ich gefragt worden, ob ich einen Rollstuhl will oder einen Rollator. Ich habe mich für den Rollator entschieden, denn ich wollte ja wieder laufen“, sagt er und fügt leicht verbittert hinzu: „Hätte ich den Rollstuhl gewählt, hätte ich jetzt nicht solche Schwierigkeiten mit der Sonderparkberechtigung.“

Einen Behindertenausweis hat Jörg Maresch, den hatte das Krankenhaus Wismar im vergangenen Jahr für ihn beantragt. Anfangs wurde ihm eine 30-prozentige Behinderung attestiert, kurz darauf eine 50-prozentige. Mittlerweile sind es 100 Prozent mit einem G für Gehbehinderung, das bestätigt, dass Jörg Maresch im Straßenverkehr erheblich beeinträchtigt ist. Das zusätzliche B besagt, dass er auf eine Begleitperson angewiesen ist.

„Gerade bei Lungenkrebs kann es so schnell gehen, dass wir kaum nachkommen“, sagte eine zuständige Mitarbeiterin des Versorgungsamtes gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG. Die Mitarbeiterin kann die rapide Verschlechterung des Gesundheitszustands von Jörg Maresch gut nachvollziehen. Gern würde sie helfen, „aber wir dürfen nicht einfach Unterlagen vom Arzt oder Krankenhaus anfordern“. Dazu brauche das Versorgungsamt die Erlaubnis des Patienten — und die erteile er bei Antragstellung automatisch durch seine Unterschrift.

Der OZ hat die Mitarbeiterin des Amtes versprochen, Jörg Maresch das Antragsformular noch mal zuzusenden. „Und ich werde es ausfüllen“, versichert der Schwerbehinderte, „denn mittlerweile ist es so schlimm, dass ich an manchen Tagen selbst mit Krücken nicht einmal mehr die Treppe hoch ins Schlafzimmer komme.“

Sylvia Kartheuser

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