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Grevesmühlen Kippt Welterbe die Windpark-Pläne?
Mecklenburg Grevesmühlen Kippt Welterbe die Windpark-Pläne?
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00:00 10.05.2017
Auf dem Bockholzberg bei Selmsdorf sind Beziehungen zwischen dem Unesco-Welterbe „Lübecker Altstadt“ und Windenergieanlagen offensichtlich: Die Rotoren überlagern die Silhouette der sieben Kirchtürme. Quelle: Foto: Lisa Stoeter

Steht der geplante Bau zahlreicher Windenergieanlagen zwischen Selmsdorf, Lüdersdorf, Lockwisch und Palingen vor dem vorzeitigen Aus? Das in den betroffenen Gemeinden umstrittene Vorhaben ist nicht mit dem Schutz des Unesco-Welterbes „Lübecker Altstadt“ zu vereinbaren und deshalb abzulehnen. Zu diesem Urteil kommen aktuelle Untersuchungen von Denkmal- und Umweltschutzexperten. Ihrer Analyse und den Schlussfolgerungen hat sich der Vorstand des zuständigen Planungsverbands Westmecklenburg in nichtöffentlicher Sitzung mit einer Festlegung angeschlossen. Er bestätigte die Empfehlung des Fachbeitrags Denkmalschutz, das 243 Hektar große Windeignungsgebiet zu streichen, weil der Bau von Anlagen dort die markante Lübecker Stadtsilhouette in einer Weise stören würde, die nicht zu vertreten ist. Diese Abwägungsentscheidung des Vorstands ist heute Hintergrund eines Beschlusses der in Grevesmühlen öffentlich tagenden Verbandsversammlung. Der Lüdersdorfer Bürgermeister Erhard Huzel (CDU), der dem Vorstand des Verbands angehört, sagt: „Die Entscheidung steht noch nicht fest.“ Bei der Vorlage handele es sich um eine Empfehlung. Heute tage der Vorstand noch einmal. Huzel sagt aber auch: „Wenn es am Mittwoch so kommt, dann hätte die Stellungnahme der Gemeinde Lüdersdorf Erfolg und die Position der Gemeinde würde bestätigt sein.“ Das wäre dann auch aus seiner Sicht erfreulich. Viele Bürger würden es begrüßen, wenn das Landschaftsbild nicht zerschnitten würde.

Denkmalschutz- experten warnen mit Blick auf Lübeck vor dem Bau von Wind- energieanlagen unweit von Selmsdorf und Lüdersdorf.

Der Selmsdorfer Bürgermeister Marcus Kreft (SPD) ist vor dem heutigen Treffen der Verbandsversammlung zuversichtlich. Er sagt: „Ich gehe davon aus, dass der Beschluss so wie vorgesehen auch gefasst wird.“ Es sei in Ordnung, wenn der Planungsverband Westmecklenburg die Entscheidung fälle, das bisher vorgesehene Windeignungsgebiet zu streichen. Selmsdorf sei von Anfang an gegen das Windeignungsgebiet gewesen. Wie berichtet, war der optische Schutz des Welterbes „Lübecker Altstadt“ ein Argument, das sowohl die Gemeinde Selmsdorf als auch die Nachbarkommune Lüdersdorf gegen das Vorhaben ins Feld geführt haben, die planungsrechtlichen Grundlagen für den Bau zahlreicher Anlagen auf ihren Territorien zu schaffen. „Es wäre ein riesiger Windpark gewesen“, erläutert Marcus Kreft.

Erste Schätzungen gingen von rund 25 Anlagen aus, die etwa 200 Meter hoch sein würden.

Selmsdorfs stellvertretender Bürgermeister Udo Gutschke (Wählergemeinschaft „Bürger für Selmsdorf“, BFS) verweist darauf, dass zwischen Selmsdorf und Sülsdorf bereits 13 Windräder stehen. Ihre Gesamtleistung von 29,9 Megawatt würde genügen, um 8300 Haushalte zu versorgen. Hinzu kommen kleine Anlagen in der Nähe von Hof Selmsdorf. Der stellvertretende Selmsdorfer Bürgermeister betont:

„Noch mehr Windenergieanlagen verträgt unsere Gemeinde nicht – und auch Natur und Landschaft vertragen sie hier nicht.“ Er hoffe auf eine verantwortungsvolle Entscheidung der Verbandsversammlung.

Die von sieben Kirchtürmen geprägte Silhouette von Lübeck war mit ausschlaggebend dafür, dass die Unesco den mittelalterlichen Kern der Hansestadt 1987 als Weltkulturerbe anerkannte. Darauf verweist der „Fachbeitrag Denkmalschutz“, auf den der Vorstand des Planungsverbands sein derzeitiges Votum gründet. Darin heißt es: „Die Stadtsilhouette und ihre Einbettung in die Landschaft durch die besondere Lage sind unverwechselbar und stellen den ausschlaggebenden Wert für das Welterbe dar.“ Wenn in einem höher gelegenen Windeignungsgebiet zwischen Selmsdorf, Lüdersdorf, Lockwisch und Palingen tatsächlich Anlagen errichtet würden, werde die Silhouette von Westen aus gesehen überlagert. Es sei davon auszugehen, dass selbst wenige Windenergieanlagen mit einer niedrigeren Höhe als 200 Meter schon bei durchschnittlichen Sichtverhältnissen über den Kirchtürmen zu erkennen seien. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis: „Aufgrund der topografischen Geländehöhe und der Anlagenhöhe werden die Windenergieanlagen generell von vielen westlichen Bereichen in Zusammenhang mit der Silhouette erscheinen und die visuelle Integrität des Welterbes in nicht vertragbarer Weise beeinträchtigen.“

Kreise und Städte in Westmecklenburg planen gemeinsam

1992 bildete sich der Regionale Planungsverband Westmecklenburg als Zusammenschluss der drei Landkreise Nordwestmecklenburg, Ludwigslust und Parchim sowie der kreisfreien Städte Wismar und Schwerin.

2011 änderte sich die Mitgliederstruktur nach der Kreisgebietsreform. Seitdem gehören dem Planungsverband neben den beiden Landkreises Nordwestmecklenburg und Ludwigslust-Parchim auch Schwerin und Wismar sowie die Mittelzentren Grevesmühlen, Parchim, Ludwigslust und Hagenow an.

Der Vorstand des Planungsverbands setzt sich zusammen aus den Landräten der Mitgliedskreise, den Bürgermeistern von Schwerin und Wismar, zwei Bürgermeistern von Mittelzentren und sechs weiteren Mitgliedern.

Die Verbandsversammlung besteht aus 48 Vertretern, die die Mitglieder des Planungsverbands entsenden. Neun Vertreter kommen aus Nordwestmecklenburg. jl

Jürgen Lenz

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