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Kreistag: Sachverständiger soll Arbeit des Jugendamtes prüfen

Grevesmühlen Kreistag: Sachverständiger soll Arbeit des Jugendamtes prüfen

Antrag der Linken findet breite Zustimmung / Sozialdezernentin weist Versäumnisse im Fall des misshandelten Jungen in Grevesmühlen zurück / Und: Nahbus erhält Reservezahlung

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Eine große Mehrheit des Kreistages stimmte für den Antrag der Linken, einen externen Sachverständigen einzusetzen.

Quelle: Daniel Heidmann

Grevesmühlen. Externe Hilfe bei der Aufarbeitung: Der Landkreis Nordwestmecklenburg wird nach der Kindeswohlgefährdung eines dreijährigen Jungen in Grevesmühlen einen Sachverständigen von außerhalb einsetzen. Er soll die Arbeit der zuständigen Behörden in diesem Fall untersuchen. Die Linken hatten am Donnerstag im Kreistag einen entsprechenden Antrag eingebracht, der breite Zustimmung gefunden hat.

Im Mai war das misshandelte und abgemagerte Kind ins Krankenhaus eingeliefert worden. Dabei stand der Vater unter Aufsicht des Jugendamtes. In diesem Zusammenhang musste sich Sozialdezernentin Karla Krüger unbequemen Fragen der Kreistagsmitglieder stellen. Doch sie betonte: „Das Jugendamt in Nordwestmecklenburg ist gut aufgestellt und nimmt die Schutzpflichten wahr.“ Doch die Behörde sei von Informationen abhängig. „Was wir nicht wissen, können wir nicht in die Beratung einbeziehen“, beteuerte sie. Es habe in diesem Fall keine Versäumnisse gegeben. Für Kopfschütteln sorgte Krüger mit der Aussage, heute würde sich niemand im Kreistag mehr dafür interessieren, wie es dem Jungen geht. „Das weise ich zurück“, reagierte Björn Griese (Die Linke) auf diese Behauptung.

Scharfe Kritik übte CDU-Fraktionschef Thomas Grote. „Sie müssen sich am Schutz messen lassen. Und in diesem Fall weisen Sie alle Schuld von sich. Wie üben Sie denn Ihre Schutz- und Sorgfaltspflicht aus? “, fragte er kritisch nach. Krüger habe als Dezernentin die Kontrollpflicht und müsse auch „mal die Nase reinstecken“, so Grote.

Krüger wehrte sich: „Die Verwaltung hat nicht die fachliche Arbeit zu leisten, sondern die Fachkraft, die das studiert hat.“ Auch dafür erntete sie wenig Verständnis. „Die Schuld von sich zu weisen und den Sozialarbeitern zuzuschieben, ist falsch“, entgegnete Grote.

Auch die Kommunikation innerhalb des Amtes wurde thematisiert. „Es muss Störungen geben, wenn Mitarbeiter an die Presse herantreten“, sagte Björn Griese (Die Linke). Ein anonymer Brief einer besorgten Angestellten des Jugendamtes an die OSTSEE-ZEITUNG hatte den Vorfall an die Öffentlichkeit gebracht. Auch Landrätin Kerstin Weiss erfuhr erst zehn Tage nach dem Vorfall im Jugendamt von der Angelegenheit. Kritik gab es von ihrer Seite an dem Umstand, dass der Fall über die Presse an die Öffentlichkeit gelangte. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Kollegin zur Fachbereichsleiterin oder zur Landrätin kommt und nicht an die Öffentlichkeit geht.“ Thomas Grote haderte auch hier mit der Arbeit von Krüger: „Welcher Teufel hat Sie geritten, den Fall erst nach zehn Tagen mitzuteilen?“ Nur mit viel Glück sei es nicht zum Allerschlimmsten gekommen. „Wir müssen an der Kommunikation untereinander arbeiten“, räumte Kerstin Weiss ein.

Nach fast zweistündiger Debatte brachte die Linkspartei schließlich ihren Antrag ein. „Wir drehen uns hier im Kreis und stochern im Nebel“, begann Simone Oldenburg. „Doch irgendetwas stimmt hier nicht“, ergänzte sie. Sie sprach die Überlastungsanzeigen zweier Jugendamt-Mitarbeiter an, die ihre Arbeitszeit gar nicht ausgeschöpft hatten. „Wir sollten deshalb externen Sachverstand heranziehen, der uns zeigen kann, wo Dinge optimiert werden können. Es geht um die Kinder“, betonte Oldenburg.

Nahbus erhält 500 000 Euro

Grünes Licht gab der Kreistag auch für die Auszahlung der finanziellen Reserven an die Nahbus GmbH in Höhe von 500000 Euro. Zusätzlich werden die Abschlagszahlungen gemäß des Öffentlichen Dienstleistungsauftrages auf monatlich 415850 Euro erhöht. Das kreiseigene Unternehmen weist in diesem Jahr ein Defizit von mehr als zwei Millionen Euro auf. Mit den Reserven, die bereits in den Haushalt eingestellt waren, wird die Zahlungsfähigkeit bis zum 17. Oktober sichergestellt. „Das ist das richtige Signal und zeigt, dass sich alle gemeinsam hinter das Nahverkehrskonzept stellen“, sagte Landrätin Kerstin Weiss. Das Busunternehmen muss regelmäßige Berichte an den Aufsichtsrat, den Kreisausschuss und die Landrätin abgeben.

Daniel Heidmann

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