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Wismar Auf der Suche nach den verlorenen Schätzen

Der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Uwe Balscheit berichtet heute in Wismar von den Funden der Region

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Uwe Balscheit zeigt einen „Hortfund“ aus der älteren Bronzezeit aus dem Bereich der Wismarbucht: Steinbeil, Dolch, Sichel und Schlagstein aus Flintstein. Die Sichel ist immer noch richtig scharf. Fotos (2): Nicole Hollatz

Wismar. Kein „Indiana Jones“, dafür viel Wissenschaft und etwas Intuition: Uwe Balscheit ist der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger für Wismar und das Umland. Am heutigen Dienstag um 19 Uhr wird er im Wismarer Stadtarchiv über seine Arbeit und vor allen Dingen über die Funde sprechen.

OZ-Bild

Der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Uwe Balscheit berichtet heute in Wismar von den Funden der Region

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Seit mehr als 25 Jahren gehört Uwe Balscheits Freizeit der Bodendenkmalpflege, hauptberuflich ist er Ausbilder im Metallbereich. Im Auftrag der Landesregierung geht er mit dem Metalldetektor über die Felder und sucht das, was durch das Pflügen an die Oberfläche gekommen ist oder was der Herbststurm an die Ostseeküste gespült hat. Fast jedes Wochenende ist er unterwegs. Erfolgreich, wie der Vortrag zeigen wird.

„Es geht um Funde aus der Steinzeit, der Bronze- und Eisenzeit, aus der Wikinger- und Slawenzeit“, zeigt er die ersten Fotos. Zu jedem Stück könnte er einiges erzählen, von den Umständen, von den Datierungen und den Theorien, die zum Stück unter den Bodendenkmalpflegern entstehen, und von der wissenschaftlichen Untersuchung. Die Liste der Funde, die auf das Konto von Uwe Balscheit gehen, ist lang.

„Man findet immer etwas“, erzählt er und lacht. „Und wenn es nur eine neuzeitliche Fischdose ist.“ Oft hilft der Zufall, wenn bei Bauarbeiten etwas an die Erdoberfläche kommt oder der Bauer auf dem Feld stolpert. Mit Glück werden die Fachleute angerufen, mit Pech landet der Fund in der heimischen Vitrine. Mit noch mehr Pech wird er achtlos weggeworfen. Balscheit und seine Kollegen ziehen nicht wahllos los, sondern mit dem Wissen, wo unsere Vorfahren gesiedelt haben (könnten) oder wo es schon einmal Funde gab. Und immer unter einer gewissen Geheimhaltung — genaue Orte werden nicht verraten.

Zu groß ist die Angst vor Schatzjägern, die auf das schnelle Geld mit ein paar alten Münzen oder etwas Gold hoffen. Für Uwe Balscheit und seine Kollegen ist eine bronzezeitliche Sichel aus Stein genauso viel wert wie der Silbermünzfund mit 1600 Stück. Die Sichel ist übrigens immer noch scharf! „Wir sind immer die rechte Hand der Archäologen“, erklärt er den wissenschaftlichen Ansatz.

„Wir sind in Mecklenburg-Vorpommern über 300 ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger, die meisten sind mit Metalldetektoren ausgestattet und finden so viel mehr als die Offiziellen“, erzählt er. Das Problem: „Das Land kommt nicht mit der Restaurierung hinterher, es fehlt an staatlichem Geld.“ Und an der Möglichkeit, die beeindruckenden Funde auszustellen (siehe Infokasten). Highlights unter den Funden von Balscheit gibt es viele.

So hat er im vergangenen Jahr das letzte Puzzlestück zum Bronze-Schwert von Blengow gefunden. Eine archäologische Sensation aufgrund der Geschichte des Fundes: Insgesamt drei Finder bargen über einen Zeitraum von 56 Jahren sechs Schwertfragmente auf einer Fläche von 30 mal 30 Metern, die nahtlos zusammenpassen. Das Schwert wird im Heimatmuseum Rerik ausgestellt.

„Seine“ Plattenfibel ist in Groß Raden zu sehen. Ein Highlight ist das Stück einer Helmwange, vermutlich aus dem achten Jahrhundert nach Christus. Fundort: natürlich geheim. „Das Motiv ist wikingerzeitlich, wir hoffen, noch den Rest des Helmes zu finden“, schwärmt Uwe Balscheit mit strahlenden Augen.

„Es gibt bisher keinen vergleichbaren Fund.“ So etwas zu finden, gäbe einen Adrenalinschub. „Wenn man weiß, dass man wieder eine Seite im Buch der Geschichte der Region aufgeschlagen hat“, meint der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger.

Die Initiative

„Zu schade fürs Depot!“ — unter diesem Credo gibt es die „Initiative Pro Archäologisches Landesmuseum (IPAL)“. Auf der Webseite www.ipal-mv.de gibt es nicht nur weitere Informationen, sondern auch die Fotos vieler herausragender Funde, die nicht nur jeden historisch Interessierten aufmerken lassen werden, sondern auch viel zu schade fürs Depot sind. Wenn jemand ein Stück findet , das historisch wertvoll sein könnte, sollte das Landesamt für Archäologie informiert werden, ☎ 0385/58879111. Bodendenkmale (also Funde) müssen herausgegeben werden, sonst drohen Anzeigen wegen Unterschlagung. Der Vortrag beginnt heute um 19 Uhr. Der Eintritt kostet drei Euro zugunsten des Archivvereins.

Von Nicole Hollatz

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