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„Ich brenne für die Schauspielerei“

Kultur „Ich brenne für die Schauspielerei“

Benjamin Kernen, Hauptdarsteller und Regisseur beim Grevesmühlener Piraten Open Air Theater, im Interview.

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Benjamin Kernen (41) vor dem Haupteingang zum Piraten Open Air Theater.

Quelle: Fotos: Niemeyer

Grevesmühlen — In der kommenden Woche, am 7. September, endet die aktuelle Spielzeit des Grevesmühlener Piraten Open Air. Schauspieler und Regisseur Benjamin Kernen blickt im Gespräch mit der OSTSEE-ZEITUNG auf eine erfolgreiche Saison und seine bisherige Karriere zurück.

OSTSEE-ZEITUNG: Was hat Capt‘n Flint, was Benjamin Kernen nicht hat?

Benjamin Kernen: Da ich aus der Schweiz komme, versuche ich, höflich und zurückhaltend zu sein. Flint hat etwas mehr Heldenmut, auch eine größere Frechheit. Da hat er mir was voraus.

OZ: Wie muss man sich Ihre Arbeit in der Doppelfunktion Hauptdarsteller und Regisseur praktisch vorstellen? Geben Sie sich selbst Regieanweisungen?

Kernen: Das tue ich in der Tat. Erst wenn ich meine, dass die Figur steht, frage ich Kollegen, denen ich vertraue, nach ihrer Meinung. Ansonsten bin ich mein eigener Regisseur. Bei den Proben ist es für die Kollegen schon eine Herausforderung, da ich nicht immer auf der Bühne stehe. Ich werde ersetzt, um mir die Szene von außen anschauen zu können.

OZ: Wie viel lässt sich Martin Semmelrogge von Ihnen sagen?

Kernen: Sagen lässt er sich schon was. Aber auch er ist ein kreativer Kopf, der seine eigenen Vorstellungen von seiner Figur hat. Da müssen wir zusammen einen Weg, auch mal einen Kompromiss finden. Das gilt auch für andere Kollegen.

OZ: Läuft das immer reibungslos?

Kernen: Nein, natürlich nicht. Wenn so viele Leute auf der Bühne stehen, kann man nicht mit allen der gleichen Meinung sein.

OZ: Sie sind der Hauptdarsteller. Das Theater setzt sehr stark auf prominente Darsteller, die zumeist im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung stehen. Stört Sie das?

Kernen: Das stört mich nicht. Wir sind ein Ensemble und jeder trägt zum Erfolg des Hauses bei, was er kann. Ein Promi bringt seinen Promistatus mit, dementsprechend auch ein Medieninteresse.

Ich sorge dafür, dass wir eine tolle Show haben.

OZ: Vor zwei Jahren stand das Theater vor dem Aus. Sie haben sich damals, auch öffentlich, für die Theaterleitung stark gemacht. Was ging damals in Ihnen vor?

Kernen: D as war eine schmerzhafte Zeit. Wir haben alle kaum mehr geschlafen oder gegessen. Es wäre sehr schade, auch für die Region, gewesen, wenn das Theater in die Brüche gegangen wäre. Es wäre auch schwierig geworden, wenn das Theater in andere Hände gefallen wäre. Es gibt so viele technische Gegebenheiten, in die sich niemand anderes eingearbeitet hatte.

OZ: Wie viel hing für Sie persönlich davon ab?

Kernen: Für mich persönlich ist das ein sehr schöner Arbeitsplatz. Aber ich kann auch woanders Theater spielen oder im Sommer auch mal Urlaub machen. Ich habe nicht um meinen Arbeitsplatz gekämpft, sondern um das Theater, in dem viel Leidenschaft und Herzblut steckt.

OZ: Es heißt immer, Sie sind Schweizer. In einem Online-Profil schreiben Sie etwas anderes. In welchem Land sind Sie geboren?

Kernen: Ich bin tatsächlich in Österreich geboren, aber schon als Kleinkind in die Schweiz gewechselt. Mit 21 ging es dann nach Deutschland.

OZ: Sie leben in Gägelow, sind also quasi aus den Alpen an die Ostsee gezogen. Vermissen Sie hier etwas?

Kernen: Nein, gar nicht. Ich mochte die Berge als Kind. Aber ich mag die Landschaft hier sehr. Berge sind ja nicht nur majestätisch, die schränken ja auch ein. Das Gefühl habe ich hier oben nicht. Die Weite empfinde ich als inspirierend. Ich gehe auch oft am Strand spazieren.

OZ: Wie schwierig ist es, als Theaterschauspieler Fuß zu fassen?

Kernen: Als ich angefangen habe, wurden Anfänger sehr gerne fest verpflichtet, weil sie billig waren. Wenn die Schauspieler teurer werden, werden sie wieder durch einen billigeren Anfänger ersetzt. Es hat Jahre gebraucht, um ein Netzwerk zu schaffen, mit dem ich das ganze Jahr über leben und Theater spielen kann. Diese Aufbauarbeit möchte ich nicht nochmal machen müssen.

OZ: Gab es auch Momente, in denen Sie hinschmeißen wollten?

Kernen: Ich habe tatsächlich hingeschmissen und drei Jahre lang eine Promotionsfirma gehabt. Ich war davor vier Jahre am Stadttheater, zehn Produktionen im Jahr, keinen freien Tag, außer in den Sommerferien, sehr viel Monotonie. Irgendwann war kein kreativer Input mehr da. Da hab ich mir gesagt, okay, du versuchst mal was anderes, in der sogenannten normalen Welt. Ich musste aber feststellen, dass ich ein schlechter Geschäftsmann bin. Darüber hinaus hat mir das Theater aber auch gefehlt. Ich brenne für die Schauspielerei, für den Umgang mit kreativen Menschen, die auch ein bisschen verrückt sind.

OZ: In Ihrer Biografie finden sich viele Theaterproduktionen, aber nur wenige Filmproduktionen. Ist die Kamera nichts für Sie?

Kernen: Ich mag das Metier, ich drehe auch gerne. Die Katze beißt sich aber in den Schwanz. Die Produktionsfirmen für Film und TV möchten, dass die Schauspieler frei verfügbar sind, teilweise über Monate. Ich bin freischaffend, muss also Geld verdienen. Deshalb belege ich meine freie Zeit mit Theaterprojekten. Dann bin ich für die Produktionsfirmen nicht mehr interessant.

OZ: Nächstes Jahr sehen wir Sie wieder als Capt‘n Flint?

Kernen: Um Peter Venzmer zu zitieren: „So Gott und die Mächtigen wollen, ja“. Ich werde wieder die Hauptrolle übernehmen.

OZ: Welche Rolle würden Sie gerne einmal spielen?

Kernen: James Bond, eine der ganz großen Heldenfiguren unserer Zeit, obwohl er keine Superkräfte hat. Das ist grandios.

Kurzbiografie
Benjamin Kernen wurde 1972 in Österreich geboren. 1989 legte er sein Abitur ab, 1994 schloss er die Schauspielakademie (heute Hochschule für Theater) in Zürich als Diplomschauspieler ab. Anschließend war er am Stadttheater Luzern tätig, von 1995 bis 1996 am Stadttheater Nordhausen. Danach war er bis 1999 in Bielefeld, unter anderem am Theater der Stadt, als Schauspieler engagiert. Zum ersten Mal in Grevesmühlen war Benjamin Kernen 2006 als französischer Gesandter Le Frog zu sehen. Erstmals die Hauptrolle des Capt‘n Flint spielte Kernen 2011 in „Die Hölle vor Maracaibo“. 2009 übernahm er erstmals die Co-Regie in Grevesmühlen. Seit 2012 ist Kernen alleiniger Regisseur.

 

 

Robert Niemeyer

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