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Kühnes Konzert im Schönberger Musiksommer

Schönberg Kühnes Konzert im Schönberger Musiksommer

Querflötist Toon Fret und Pianist Thomas Dieltjens ernten viel Applaus

Schönberg. Ein kühnes, dennoch schönes und erfolgreiches Konzert gab es am Dienstagabend in Schönbergs St. Laurentius-Kirche: ein Solitär in der Jubiläumssaison des Schönberger Musiksommers, in dem wiederum die belgischen Musiker, der Querflötist Toon Fret (45) und sein delikater Pianist Thomas Dieltjens (47), musizierten.

Seine Kühnheit bestand darin, dass es ausschließlich Werke der modernen Musik aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts brachte, vorwiegend in den klaren französischen Farben. Seine Schönheit gewann es durch die klarsichtige Musikalität, mit der diese gestaltet wurde. Sein Erfolg zeigte sich darin, dass ausgerechnet das komplexeste Werk des Abends den heftigsten Beifall der überraschend großen Zuhörerschar erhielt.

Im ersten Teil erklangen Sonaten für Flöte und Klavier des Amerikaners Aaron Copland (1900-1990) und der beiden Franzosen Henri Dutilleux (1916-2013) und Francis Poulenc (1899-1963). Fret und Dieltjens gestalteten sie mit einer eleganten Leichtigkeit, mit unprätentiösem Esprit, mit untrivialer Geschmeidigkeit und keckem Witz. Eine Musik, die der flotten Behändigkeit und Klangfarbenvielfalt der virtuosen Flöte diente.

Im zweiten Teil war es umgekehrt und radikaler: Hier diente die Flöte jeweils einem neuen musikalischen Konzept. Bei Olivier Messiaens „La merle noir (Die schwarze Amsel)“ (1952) dem Versuch, aus Naturklängen eine neue Tonsprache mit transzendentem Bezug zu gewinnen. Bei Edgar Varèses Klangstudie „Density 21.5“ (1936) den entgegengesetzten Versuch, mit elaborierten Alltagsgeräuschen eine Erweiterung musikalischer Wahrnehmungsräume zu erreichen. Und schon hier bewies Toon Fret seine Meisterschaft, solche Gebilde zum sinnfälligen Klingen zu bringen, die er dann bei der abschließenden Sonatine (1946) von Pierre Boulez noch überbot: Ein Werk von komplexer Kombinatorik, die strenge Struktur wohl spürbar, aber nicht dechiffrierbar – sozusagen das Kalkül der Unkalkulierbarkeit, aus dem Fret mit seinem avancierten Flötenspiel ein in jedem Moment fesselndes und schlüssiges musikalisches Ereignis machte – erregend und irritierend gleichermaßen. Sie war es, die den meisten Beifall erhielt.

Heinz-Jürgen Staszak

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