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Lager Questin: Geschichte wird zum Buchprojekt

Questin/Grevesmühlen Lager Questin: Geschichte wird zum Buchprojekt

Zusammen mit Grevesmühlens Historiker Eckart Redersborg will die OZ-Redaktion ein Buch über das Vertriebenenlager herausbringen

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Vor wenigen Wochen trafen sich Gymnasiasten und ehemalige Bewohner des Lagers im Questiner Wald.

Quelle: Foto: Jana Franke

Questin/Grevesmühlen. Die Vertiefungen zwischen den Bäumen am Weg zwischen Wotenitz und Questin sind kaum zu erkennen. Erst wenn man einige Schritte Abstand hält, begreift man, dass die Mulden keinen natürlichen Ursprung haben. Eine Tafel am Waldrand erklärt die Geschichte, die dahinter steckt. In den Jahren 1945 und 1946 befand sich in diesem Wald ein Lager, in Erdhütten lebten vermutlich bis zu 2000 Menschen. Genaue Zahlen gibt es nicht – und nur noch wenige Zeitzeugen, die berichten können von damals.

OZ-Bild

Zusammen mit Grevesmühlens Historiker Eckart Redersborg will die OZ-Redaktion ein Buch über das Vertriebenenlager herausbringen

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Zeitzeugen gesucht

Kontakt: Die Redaktion in Grevesmühlen sucht Zeitzeugen beziehungsweise Angehörige, die etwas über das Lager in Questin berichten können. Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns: ☎

03881/7878874, Pressehaus Grevesmühlen, August-Bebel-Straße 11, 23936 Grevesmühlen, Email: redaktion.grevesmuehlen

@pressehaus-gre.de

Die Lokalredaktion Grevesmühlen will diese Geschichten festhalten. Ende des Jahres soll ein Buch erscheinen, in denen die ehemaligen Bewohner des Lagers ihre Geschichte erzählen.

Mit Hilfe von Eckart Redersborg, der seit vielen Jahren die Historie der Stadt und seiner Bewohner festhält, und Stadtarchivar Alexander Rehwaldt soll das Projekt umgesetzt werden.

Redersborg, der 1937 in Grevesmühlen geboren wurde, hat das Kriegsende als Kind miterlebt. In den vergangenen Jahren hat er zahlreiche Bücher, Hefte und Broschüren herausgegeben, die sich mit der Geschichte von Grevesmühlen beschäftigen. Aber kaum eine Recherche war so mühsam wie jene über das Lager in Questin, gemeinhin bekannt als Flüchtlingslager. „Aber dieser Begriff stimmt nicht“, betont der Historiker: „Flüchtlinge wären es gewesen, wenn sie vor der Front geflohen wären. Das Lager wurde erst Ende 1945 eingerichtet von der Roten Armee, hierher kamen Menschen, die vertrieben wurden aus ihrer Heimat.“ Er hat mit ehemaligen Insassen gesprochen, Erinnerungen dokumentiert, die er der OZ für das Buch zur Verfügung stellt. Redersborg, ehemaliger Lehrer in Grevesmühlen, will mit seiner Arbeit die Geschichte der Stadt und ihrer Menschen bewahren. „Und deshalb unterstütze ich auch dieses Buchprojekt, ich finde es sehr wichtig, dass dieses Thema aufgearbeitet wird“, betont er.

Das hat übrigens auch Stadtarchivar Alexander Rehwaldt getan, der zusammen mit Schülern des Tannenberg-Gymnasiums zu dem Lager recherchierte. Denn Unterlagen, Listen oder Protokolle existieren zu dem Lager nicht. Bis heute ist kein einziges Foto aufgetaucht. „Die Menschen, die hier ankamen, die ersten im Winter 1945, hatten nichts mehr. Uhren oder Fotoapparate hatte man ihnen entweder weggenommen oder sie hatten sie zurückgelassen“, erklärt Eckart Redersborg. Er hat Zeichnungen angefertigt von den Erdhütten, in denen die Menschen, meist ganze Familien, lebten. Die Zeitzeugen, die heute noch leben, waren damals oft noch Kinder. „Auch wenn es wenig zu essen gab in den ersten Monaten, für die Kinder war das wie ein großer Spielplatz.“

Für die Erwachsenen hingegen war es ein Kampf ums Überleben. Denn auch die Menschen in Grevesmühlen hatten in den Monaten nach Kriegsende nicht genügend zu essen. Für das Lager Lebensmittel aufzutreiben, war keine einfache Sache. „Besser wurde es erst 1946, das geht aus den Berichten hervor“, so Redersborg, der im ganzen Bundesgebiet Kontakt zu ehemaligen Bewohnern des Lagers hält.

2003 veröffentlichte er im Grevesmühlener Heimatheft die ersten Berichte über das Lager und die Menschen. Kaum jemand hatte zuvor darüber gesprochen. Der 79-Jährige, selbst ehemaliger Lehrer, hatte zu DDR-Zeiten das Lager vor seinen Schülern nie erwähnt. „Es gab offiziell keine Vertriebenen, damit war das Thema damals beendet worden.“ Umso größer war das Interesse nach der Wende, diesen Teil der Geschichte Grevesmühlens aufzuarbeiten. Auch deshalb soll bis zum Herbst das Buch des Pressehauses fertig sein und offiziell vorgestellt werden. Natürlich zusammen mit dem Stadtarchiv und Eckart Redersborg.

Unterstützt wird das Projekt zudem von Ulf-Peter Schwarz vom NWM-Verlag in Grevesmühlen. Dort soll das Buch Ende des Jahres gedruckt werden. Schwarz arbeitet seit vielen Jahren mit Redersborg zusammen und hat unter anderem viele regionale Themen in seinen Büchern verarbeitet.

Michael Prochnow

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Leiter Lokalredaktion: Michael Prochnow
Telefon: 0 38 81 / 78 78 10
E-Mail: grevesmuehlen@ostsee-zeitung.de

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