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Musikalisches Gespräch zwischen den Religionen

Schönberg Musikalisches Gespräch zwischen den Religionen

In Schönberg überzeugt ein Berliner Ensemble mit einer kühnen Veranstaltung: „Trialog aus Klängen“ mit Liedern und Gebeten aus Judentum, Christentum und Islam

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Umjubeltes Finale: Ein interreligiöses Ensemble aus Berlin singt und spielt gemeinsam in der Sankt-Laurentius-Kirche.

Quelle: Jürgen Lenz

Schönberg. Diesmal war das dienstäglich 20-Uhr-Glockenläuten von Schönbergs Sankt-Laurentius-Kirche länger als sonst. Bereits Teil des nachfolgenden „Konzertes“, als christliche Form der Aufforderung zum Gottesdienst, darein flocht sich, vorgetragen von der Seitenempore, der muslimische Gebetsaufruf eines Muezzins, aufgenommen und abgelöst vom gesungenen „Schma Jisrael“, dem jüdischen Glaubensbekenntnis, aus dem Altarraum. Damit waren die Grundelemente einer ganz ungewöhnlichen, hoch bedeutsamen und kühnen musikalischen Veranstaltung des Schönberger Musiksommers markiert. „Klang-Trialog“ nannte sie sich und versammelte liturgische Musik aus Judentum, Christentum und Islam. Kein übliches Konzert, aber auch kein Gottesdienst, sondern eher eine kulturell-musikalische Demonstration – vorgeführt von einem interreligiösen Berliner Ensemble mit der jüdischen Kantorin Mimi Sheffer als Sopransängerin, dem syrischen liturgischen Sänger Nasser Fakhiri, begleitet vom christlichen Organisten Christian Hagitte, vom Geiger Salim Saroueh und dem türkischen Trommler Süleyman Celik.

Gotteslobpreis, Jüngstes Gericht und Auferstehung, Trauer und Frieden waren die spirituellen Ausdrucksbereiche, zu denen sie die verschiedenen textlich-musikalischen Äußerungen der drei Religionen gruppierten. Zum Themenkomplex „Trauer“ beispielsweise ein arabisches Gedicht kombiniert mit dem protestantischen Kirchenlied „O Haupt voll Blut und Wunden“ und dem „El male rachamim“ sowie dem Kaddisch, jüdischen Trauer- und Gedenkgebeten.

Aber die Musiker blieben nicht nur – und das war das erregendste Erlebnis – bei der Vorführung einer tolerierenden Koexistenz, in der jeder die eigene Religion vertrat. Sie fanden auch zu einer echten interreligiösen musikalischen Kommunikation, mit der sie mit ihren jeweils eigenen Mitteln improvisierend auf das Angebot des anderen reagierten, etwa wenn im Auferstehungsteil ein muslimisches und das jüdische Gebet „Unetaneh tokef“ im Wechselgesang von Sheffer und Fakhiri erklangen, ergänzt von einer Orgelimprovisation über „Christ ist erstanden“, oder im Frieden-Teil der muslimische und der jüdische Segensspruch ebenfalls im Wechselgesang. So fanden sie sich im Abschluss, nach dem jüdischen Friedensgebet, in einem arabischen Friedensgebet, das sich auch auf die Religionsstifter Moses und Jesus bezog, zu einer gemeinsamen Improvisation, die geradezu beschwingte Hoffnung ausstrahlte.

Heinz-Jürgen Staszak

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