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Grevesmühlen Von der Reise zu sich selbst
Mecklenburg Grevesmühlen Von der Reise zu sich selbst
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01:21 26.08.2014
Peter Kieback aus Sukow fühlte sich von den Werken der Reihe „Roma“ angezogen. Vielleicht wegen der Ähnlichkeit? Fotos (3): Annett Meinke
Plüschow

Bereits das erste Bild, das sich einigen Besuchern bot, die sich zur Eröffnung der Ausstellung „Nahe Ferne“ auf Schloss Plüschow zubewegten, schien der Romantik entlehnt.

Udo Rathke und Miro Zahra — das leitende Künstlerehepaar des Hauses — lugten gemeinsam aus der riesigen Eingangsflügeltür, um das bunte Volk, das nach und nach aus der Ferne eintraf, schon einmal in Augenschein zu nehmen. Die Kunstinteressierten kamen so reichlich, dass ein Teil des Publikums den Vortrag des Berliner Kunsthistorikers Dr. Eckart Gillen — der auf genial klassische Weise von den Musikern des „Sinfonietta Picola“ umrahmt wurde — von den beiden großen Treppen aus, die ins obere Geschoss des Schlosses führen, verfolgen musste.

Der Historiker sprach von einer bemerkbaren „Renaissance der Romantik in der Kunst“ und startete seinen Exkurs in die Geschichte der Romantik mit Johann Gottfried Herder. Jener begab sich im Jahr 1769 von Riga aus auf eine Schiffsreise. Auf dieser Fahrt erlebte Herder all die Gefühle, für die das künstlerisch romantische Erleben heute noch steht.

Eckhardt Gillen: „Auf der Ostsee erfuhr Herder sozusagen eine innere Umkehr. Von der Sesshaftigkeit und Überschaubarkeit der Stadt, dem Gewohnten und Bekannten im ewig gleichen Alltag, gelangte er in den unüberschaubaren, scheinbar unbegrenzten Raum des Meeres — die unberechenbare Natur, das ewig Bewegte, Entgrenzte, immer Fließende. Herders ,Journal meiner Reise‘sollte zum Manifest der sich damals entwickelnden Kunstströmung der Romantik werden.“

Eine andere Frage romantischen Kunstschaffens, die sich den derzeit in Schloss Plüschow ausgestellten Künstlern ganz offensichtlich auch stellte, ist die Frage nach dem Eigenen im anderen. Auch die Frage danach, wohin denn die Reise an Sehnsuchtsorte überhaupt führt? Die Antwort der Künstler, die sich auf unterschiedliche Weise und mithilfe verschiedener Techniken ihrer Sehnsucht nach der Ferne annähern, scheint dabei ganz individuell und doch immer wieder dieselbe zu sein.

Eine Antwort, die sich jeder, der sich auf eine Reise begibt — sei es auch nur eine Urlaubsreise — eigentlich ganz leicht beantworten könnte. Eine Reise führt letztendlich immer wieder nach Hause.

Oder wie es ein Künstler vielleicht ausdrücken würde: Eine Reise führt letztlich immer wieder zu sich selbst. So empfanden es auch einige der Besucher der Vernissage, die nach Vortrag und Musik in die Ausstellungsräume ausschwärmten, um sich die dort ausgestellten Kunstwerke anzusehen.

Andreas Höntsch und Carmen Blazejewski, Filmemacher aus Neu Nantrow, verweilten fasziniert eine ganze Weile vor dem Video einer Performance aus der Mix-Media-Kollektion von Maix Mayer. Zu sehen im Video: Ein Mensch in einem Schneemannkostüm mit absurd langer, roter Nase, die irgendwie fast an den Schnabel eines Storches erinnert — mitten in Tansania. Der Schneemann als etwas trauriger, vielleicht auch verwirrter Repräsentant nordischer Realitäten, in einer von der Sonne ausgemergelten afrikanischen Landschaft? Mal sitzt der Schneemann vor einer Hütte, mal wandert er durch die Gegend. Immer wieder begegnen ihm Einheimische, die ihn meist ignorieren. Nur ein Kind, dann und wann, wagt es, das seltsame Wesen ein wenig länger zu beäugen. „Ich versuche die ganze Zeit herauszufinden, ob es sich bei dem Menschen unter dem Schneemannkostüm tatsächlich um einen Einheimischen handeln könnte“, begründete Andreas Höntsch seine Faszination. Peter Kieback, Ausstellungsbesucher aus Sukow, konnte indes mit dem Schneemannvideo nicht allzu viel anfangen. Er suchte auch nicht lange nach seinem Sinn, sondern fand seine Antworten in den realistischer anmutenden Werken der Serie „Roma“ von Maria Sewcz.

Und so verhält es sich auch bei dieser Ausstellung so, wie Pablo Picasso einst sagte: „Das Geheimnis der Kunst liegt darin, dass man nicht sucht, sondern findet.“

Nahe Ferne
Mit der Ausstellung „Nahe Ferne“ beteiligt sich das Mecklenburgische Künstlerhaus Schloss Plüschow an der Landesinitiative „natürlich romantisch“. Das Jahr der Romantik in Mecklenburg-Vorpommern möchte auf die Ursprünge des romantischen Kunstschaffens im Bundesland aufmerksam machen. Schloss Plüschow, als Arbeitsstätte bildender Künstler, hat das zum Anlass genommen, acht zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler mit Werken zum Thema „Reise und Romantik“ einzuladen.



Gezeigt werden die Werke von:

Mike Strauch, Maria Sewcz, Wilfried Schröder, Ulrike Seyboth, Maix Mayer, Lennart Alves, Sven Drühl, André van Uehm, Ferdinand Kobell (1740-1799)


Die Ausstellung ist bis zum 28. September geöffnet, immer dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr. Adresse: Schloss Plüschow, Am Park 6, 23936
Plüschow
Internet: www.plueschow.de



Annett Meinke

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