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Grevesmühlen Landwirtschaft wie zu Opas Zeit
Mecklenburg Grevesmühlen Landwirtschaft wie zu Opas Zeit
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00:22 18.04.2018
Max Genzer (48), Irma Kammann (82) und Ina Genzer (49) am Küchentisch in „Opa’s Bauernhof“ in Neuenhagen-Ausbau. Quelle: Fotos: Malte Behnk (2)
Neuenhagen

Nur wenige Häuser stehen in der kleinen Siedlung Neuenhagen-Ausbau. Der Teil des Dorfes entstand in den 1930er Jahren, als der damalige Gutsbesitzer Heinrich Rolfs aus Geldmangel je 20 Hektar für zwei Siedlungen an die Familien Kammann und Fick abgeben musste. Die bauten im heutigen Neuenhagen-Ausbau zwei Bauernhöfe, die nach wie vor existieren.

Ein Gehöft hatte der Schwiegervater von Irma Kammann (82) ab 1937 gebaut. Gemeinsam mit Dr. Heinz Erich Fick hatte er die Ziegel dafür selber in Dassows Ortsteil Schwanbeck gebrannt. Zehn Jahre später kam 1947 Irma Kammann mit zehn Jahren als Flüchtling aus Westpreußen in Neuenhagen an. „Wir haben zuerst im Gutshaus gewohnt“, berichtet sie. „Es gab viele Flüchtlinge. Wir waren etwa 70 Menschen in dem Haus“, erinnert sich Irma Kammann, die aus dem Gutshaus in einen alten Katen wechselte, bevor sie ihren Mann kennenlernte und zu ihm nach Neuenhagen-Ausbau zog. Die Verbindung zum Gut blieb aber bestehen. „Dort leitete ich die Verkaufsstelle des Konsums. Das war damals das Zentrum des Dorfes, wo sich alle trafen“, sagt Kammann.

Auf dem Hof in Neuenhagen-Ausbau lernte sie den Großvater ihrer heutigen Nachbarn kennen. Ina Genzer (48), die heute Landwirtschaft so betreibt, wie es ihr Opa machte, schwärmt von Heinz Erich Fick, dem Doktor der Volkswirtschaft. Er habe nicht viel von dem selbst erbauten Bauernhof gehabt, sagt sie. Erst hinderte der Zweite Weltkrieg ihn an der Arbeit. „Und dann kam in der DDR 1961 die Aussiedlung“, sagt Ina Genzer. Ihr Großvater hatte sich strikt geweigert, seinen Bauernhof der LPG zu übergeben. „Im Frühjahr 1960 mussten alle Landwirte in die LPG, aber er war im Oktober 1961 immer noch nicht drin“, erinnert sich Irma Kammann. „Wir haben uns gewundert, was für ein Auflauf plötzlich auf dem Nachbarhof war“, berichtet sie von dem Tag, an dem Dr. Fick sein Hof abgenommen wurde.

Hab und Gut wurden auf Lastwagen gepackt und die Familie nach Nütschow bei Bad Sülze umgesiedelt. Doch Heinz Erich Fick und seine Familie standen noch im Grundbuch, auch wenn der Bauernhof nun von der LPG genutzt wurde. So war es der Tochter Elke und ihrem Mann Bruno Genzer nach der Wende möglich, den Bauernhof wieder zu übernehmen. Mit einem Pony, einem Pferd und einer Kuh kamen sie 1991 nach Neuenhagen zurück.

Ina Genzer führt den Hof heute in dritter Generation. Sie nennt den Betrieb „Opa’s Bauernhof“, der nach den Vorgaben des Verbands Bioland wirtschaftet. „Für meinen Opa war das ganz normal, ökologisch zu arbeiten. Geld für Dünger und andere Mittel hatte man auch gar nicht“, sagt Ina Genzer. Sie macht es aus Überzeugung. „Wir haben hier mit dem Hofleben eine eigene Welt, die auch Urlauber genießen.

Für uns ist Neuenhagen der Mittelpunkt“, sagt sie. Gäste würden gerade das Einfache suchen und nehmen es auch gerne an, gegen Hilfe auf dem Hof eine Zeit in Neuenhagen zu verbringen.

„Es ist alles überschaubar und man kennt die Firmen oder Handwerker“, sagt Inas Bruder Max Genzer (49). In Städten sei das Angebot von Geschäften und Betrieben zwar viel größer, aber auch verwirrender. „Es ist sehr schön für Kinder, hier aufzuwachsen – zumindest bis zu einem gewissen Alter“, fügt Max Genzer hinzu. Mit dem Erwachsenwerden werde das Landleben für viele aber auch langweilig.

Malte Behnk

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