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Grevesmühlen Lehrzeit wurde akribisch festgehalten
Mecklenburg Grevesmühlen Lehrzeit wurde akribisch festgehalten
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12:20 08.03.2018
Ein Blick in das Berichtsheft für den Zeitraum vom 27. Oktober bis 8. November 1958. FOTOS (2): CORNELIA ROXIN
Grevesmühlen/Wismar

Er hat sie noch! Peter Görtz hat noch die Berichtshefte aus seiner Lehrzeit. Auf der Mathias-Thesen-Werft in Wismar hat der heute 76-Jährige von September 1956 bis August 1959 den Beruf des Lichtbogenschweißers gelernt. 90 Mark betrug das Lehrlingsentgelt.

MTW: Peter Görtz aus Grevesmühlen lernte Lichtbogenschweißer und hat seine Berichtshefte noch

Akribisch festgehalten worden war auf der einen Seite der Hefte im DIN-A4-Format täglich mit Stichworten, was an der Berufsschule gelehrt wurde oder was in der Praxis passierte. Auf der gegenüberliegenden Seite war Platz für ausführliche Erläuterungen zu einer ganz bestimmten Fragestellung aus der berufspraktischen Arbeit, wie zum Beispiel: „Wie und warum entfernen wir die Verunreinigungen vor dem Schweißen?“ Als Peter Görtz gemeinsam mit Ehefrau Ilona jetzt noch einmal in den Heften blättert, lobt die 74-Jährige ihren Angetrauten: „Und so schön geschrieben hat er.“

Noch besser: Als wär’s erst gestern gewesen, erläutert er dem Laien auch anhand der Zeichnungen in dem Berichtsheft, was es auf sich hat mit V- und X-Nähten und wie wichtig es ist, dass beim Einschweißen von Flicken möglichst wenig Spannung auftritt.

Eingeschlagen ist eines der Görtzschen Berichtshefte übrigens mit einer Doppelseite der Ausgabe Nummer 30 der Wochenpost aus dem Jahr 1958. Das passierte nicht ohne Grund. Die Zeitungsseite ziert das Seefahrgastschiff „Michail Kalinin“ am Kai in Wismar liegend. Noch heute spricht Peter Görtz fasziniert darüber. Das Schiff wurde 1958 für die damalige Sowjetunion gebaut. 19 Schiffe dieser Baureihe sollen einmal hergestellt worden sein. Auch an den in dieser Beitragsreihe schon erwähnten Eisbrecher „Krasin“ kann sich Peter Görtz noch erinnern. „An dem Schiff sind damals viele Veränderungen zur besseren Stabilisierung vorgenommen worden“, sagt der Mann, der während seiner Ausbildung hauptsächlich am Ausrüstungskai gearbeitet hat.

Die von der DDR aufgekauften Frachtschiffe der sogenannten Dichterserie, mit Namen wie „Heinrich Heine“ oder „Thomas Mann“, sagen dem einst in Danzig geborenen Mann auch noch etwas. Auch sie wurden in Sachen Stabilität in Wismar umgerüstet.

„Ich war schon immer ein Jäger und Sammler“, scherzt Peter Görtz und legt außerdem noch seine „Beurteilung durch das Lehrlingswohnheim“ vor. 45 Mark kosteten Unterbringung und Verpflegung. Von der Milchsuppe morgens zum Frühstück zusätzlich zum Brot schwärmt er immer noch. Der damals in Naschendorf lebende Lehrling blieb die Woche über in Wismar. Außerdem kommen noch der Schweißerpass, das Freischwimmer-Zeugnis und das Fahrtenschwimmer-Zeugnis aus dieser Zeit zum Vorschein. Peter Görtz, der zudem einer Schalmeienkapelle angehörte, lobt auch die außerschulischen Angebote damals.

„Mit dem, was ich euch beigebracht habe, könnt ihr auch ein Ingenieursstudium anfangen“, soll der Berufsschullehrer Kaletha damals gesagt haben. Peter Görtz, der als Geselle dann nur noch bis 1960 auf der Werft arbeitete, stimmt dem heute immer noch zu. Er fühlte sich bestens ausgerüstet, als er dann für einen anderen Betrieb auf Montage ging. „Es ist eine gute Zeit gewesen.“ Die Lebenserfahrung, die er während dieser Zeit gesammelt hat, möchte er nicht missen.

Cornelia Roxin

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