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„Man muss alles vom Leben nehmen“

Grevesmühlen „Man muss alles vom Leben nehmen“

Der Grevesmühlener Erich Tümmel feierte 100. Geburtstag

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Jubilar Erich Tümmel (2. v. l.) mit Bärbel Wegner (l.), Bürgermeister Lars Prahler und Bianca Brand.

Quelle: Foto: Annett Meinke

Grevesmühlen. Am 21. März 1917 wurde Erich Tümmel als viertes Kind seiner Eltern Marie und Christian Tümmel in Grevesmühlen in der Kirchstraße 24 geboren. „Das Haus hatte mein Vater gekauft, es war schön, dort aufzuwachsen“, erinnert sich der für sein hohes Alter erstaunlich agile Senior. Am Dienstag feierte er in der Seniorenwohnanlage des Deutschen Roten Kreuzes in der Tannenbergstraße seinen 100. Geburtstag. Zu den ersten Gratulanten am Morgen zählte Bürgermeister Lars Prahler.

Fakten aus dem Jahr 1917

In seiner „Osterbotschaft“ kündigt Kaiser Wilhelm II. an, die Wahlen nach dem Krieg zu reformieren. Die russische Februarrevolution beseitigt die Zarenherrschaft in Russland. Die USA erklären dem Deutschen Reich den Krieg – die Folge ist eine Kriegswende. Ausbruch der Oktoberrevolution in Russland, Lenin und Trotzki führen die Bolschewiken an.

In der Schule Englisch und Französisch gelernt

„Man muss alles vom Leben nehmen. Ich habe viel Gutes erlebt, aber auch viel Trauriges“, sagt Erich Tümmel nachdenklich. Zum Guten gehörte der Besuch der Mittelschule – zu Tümmels Schulzeiten eine höhere Schule. Dort lernte er auch Französisch und Englisch. „Ich habe gern gelernt“, erzählt er. Am besten gefielen ihm die Fächer Mathematik und Erdkunde. Nach der Schule ging es zur Ausbildung.

„Bei Voß in Hamberge habe ich Landmaschinenschlosser gelernt.“ Die Wirren der Zeit brachten es mit sich, dass der frisch gebackene Landmaschinenschlosser erst einmal in den Krieg zog. „12 Jahre habe ich Soldat gespielt. Ich war in Rhodesien (heutiges Zimbabwe) und am Südkap.“

Wichtiger als die Erinnerung an die Kriegszeit scheint für den immer noch schlanken Mann – der stattliche 1, 81 Meter groß ist – das, was nach dem Krieg geschah. Er ging nach Schwerin und absolvierte dort eine Ausbildung zum Schlossermeister. Danach kehrte er in seine Heimatstadt zurück und arbeitete im Klement-Gottwald-Werk (heute Baltic Metall) – bis zu seiner Rente mit 65.

Viele Wegbegleiter sind schon gegangen

Zu dem Traurigen in Erich Tümmels Leben gehört der frühe Tod seiner ersten Ehefrau. Sie starb bereits jung, mit 30 Jahren. Auch seine zweite Frau ist vor einigen Jahren gegangen. Sie starb im Alter von 70. Vielleicht am schwersten zu verkraften war der frühe Tod seines jüngsten Sohnes Axel. Auch einige seiner guten Freunde hat Erich Tümmel bereits verloren – Begleiterscheinung eines so langen Lebens, wie es ihm vergönnt ist. Zu den Freunden, die er vermisse, sagt er etwas wehmütig, gehöre auch Schustermeister Paul Wehmut, der einstmals einen Laden in der Wismarschen Straße betrieb.

Familie und Freunde sind wichtig für den Jubilar. Und so ist klar, dass an seinem 100. Geburtstag auch alle, die dazugehören, zum Geburtstagskaffee kommen werden – insgesamt 30 Leute. Sein ältester Sohn Erich und dessen Familie, die Ehefrau seines verstorbenen Sohnes, Enkel, Urenkel – und auch Freunde, die noch leben.

Erst seit drei Jahren wohnt Erich Tümmel in der DRK-Wohnanlage. Er fühlt sich wohl dort, sagt er. Genießt das Alleinsein in seinem Zimmer, ebenso wie Kontakte zu anderen, die Beschäftigungen, die angeboten werden – zum Beispiel den Tanztee. „Früher war ich ein guter Tänzer“, sagt er mit leuchtenden Augen. Auch wenn das heute nicht mehr so flott klappt, der Rentner bewegt sich nach wie vor – und kann es noch gut mithilfe eines Rollators. Die Ohren wollen nicht mehr so. Wer kann es ihnen verübeln nach 100 langen Jahren? Doch unterhalten ist gut möglich, dank der beiden Hörgeräte – und dann, wenn Erich Tümmels Gegenüber langsam und deutlich spricht.

Das Essen schmeckt – und manchmal auch ein Köm

Der Jubilar liebt seinen geregelten Tagesablauf. „Morgens stehe ich immer gegen 7.30 Uhr auf“, erzählt er. Um 8.30 Uhr gibt es Frühstück, um 12 Uhr Mittag, um 15 Uhr Kaffee und um 18.30 Uhr Abendbrot.

„Das Essen schmeckt mir immer noch gut und ab und an“, sagt er dann verschmitzt: „’nen lütten Köm, das ist auch hin und wieder ganz schön.“ Mahlzeiten nimmt er gern in Gesellschaft zu sich. Und so genießt er es auch an diesem besonderen Geburstagsmorgen, gemeinsam mit dem Bürgermeister, der Pflegedienstleiterin Bianca Brand und Bärbel Wegner, Assistenz der Geschäftsleitung der Wohnanlage, beim Frühstück ausführlich zu schnacken. Auch Pastorin Maria Harder von der St. Nikolai-Kirchengemeinde schaut am Vormittag noch vorbei.

Annett Meinke

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