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Mauerbau: Gedenken in Schlagsdorf

Schlagsdorf Mauerbau: Gedenken in Schlagsdorf

Tagung erinnert an Geschichte und lotet Bedeutung für die Gegenwart aus

Schlagsdorf. Wie gehen Menschen heute mit dem Mauerbau vor 55 Jahren um? Welche Geschichten werden erzählt, um die Erinnerungen an die Teilung Deutschlands wach zu halten und welche Bezüge zur Gegenwart ergeben sich angesichts aktueller Grenzschließungen und Fluchtbewegungen in Europa und benachbarter Länder? Diesen Fragen gingen am Sonnabend die Teilnehmer einer Tagung in Schlagsdorf nach.

Anne Drescher, Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, erläuterte: „Ganz bewusst machen wir diese Tagung an diesem Ort.“ Schlagsdorf lag im 1952 von der DDR entlang der innerdeutschen Grenze eingerichteten Sperrgebiet. Mittlerweile besuchen jährlich mehr als 10000 Erwachsene, Kinder und Jugendliche das „Grenzhus“ genannte Informationszentrum zur innerdeutschen Geschichte im Ort.

Besondere Herausforderungen sieht dessen Leiter Andreas Wagner durch den immer größeren werdenden zeitlichen Abstand und den damit verbundenen Generationswechsel.

Diese Einschätzung teilt der Historiker, Autor, Publizist und Museumsberater Wolf Karge, der die gestrige Tagung moderierte. Er sagt: „Wir müssen auch einen neuen Zugang bieten.“ Dabei sei auch in Anbetracht aktueller politischer Entwicklungen wichtig zu zeigen, was Grenzen und eine freie Wahl des Wohnortes bedeuten können. Umso froher waren Wolf Karge und Andreas Wagner darüber, dass an der Tagung mit anschließender Podiumsdiskussion auch eine Schülerin teilnahm.

Matthias Siegert, Propst der Propstei Wismar, unterstrich in seinem Grußwort, es sei schwierig, die mehr als 25 Jahre zurückliegenden Gegebenheiten und Ereignisse jungen Menschen zu vermitteln.

Sich mit Geschichte zu beschäftigen, sei aber wichtig, „gerade jetzt, wo sich Rechtes wieder zusammenbraunt.“ Matthias Siegert betonte zudem, die Mauer sei entgegen der offiziellen Darstellung der DDR-Regierung kein „antifaschistischer Schutzwall“ gewesen, sondern „ein antidemokratischer Zwangswall, der gegen die eigene Bevölkerung gerichtet war.“ Am Ende sei die Mauer gefallen – „Gott sei Dank.“

Veranstaltet wurde die Tagung mit sieben Rednern aus Deutschland und Dänemark von der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen und der Landeszentrale für politischen Bildung im Dorfgemeinschaftshaus.

Jürgen Lenz

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