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Grevesmühlen Mecklenburg Maritim – Heute: Die Betriebszeitung der Mathias-Thesen-Werft
Mecklenburg Grevesmühlen Mecklenburg Maritim – Heute: Die Betriebszeitung der Mathias-Thesen-Werft
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00:13 08.03.2018
Die wichtigste Nachricht damals nach dem Umbruch 1990, das Versprechen der Geschäftsführung hatte jedoch keinen Bestand.
Wismar/Neu Degtow

Das Logo in leuchtendem Blau, die Fotos in Schwarz-Weiß – Der Kompass war die Betriebszeitung der MTW. 6000 Exemplare wurden jede Woche gedruckt, es gab eine eigene Redaktion, die sich mit den Geschichten rund um den Schiffbau beschäftigte. Reinhard Voß aus Neu Degtow hat in seinem Archiv etliche Ausgaben fein säuberlich aufbewahrt, die OSTSEE-ZEITUNG durfte einen Blick in die Werft-Zeitung werfen. Hier einige Auszüge aus der Zeit der Wende, dem größten Umbruch, den die Werft und die vielen tausend Mitarbeiter erlebten.

20. Dezember 1991: „Die Werft erhält ab dem 1. Januar 1992 eine neue Firmenbezeichnung. In Übereinstimmung mit dem Vorstand der DMS AG und dem Aufsichtsrat der MRW GmbH wurde beschlossen, dass die bisherige Benennung Mathias-Thesen-Werft GmbH durch die Firmenbezeichnung MTW Schiffswerft GmbH ersetzt wird.“

Als Erklärung heißt es, dass der alte Name für Irritationen sorgen würde, MTW steht künftig nicht mehr für Mathias-Thesen-Werft, sondern für „Meerestechnik Wismar“.

Auf den folgenden Seiten wird auf die bevorstehende Privatisierung eingegangen. Interesse, so schreibt die Redaktion, hätten die Bremer Vulkan AG und der norwegische Kvaerner-Konzern. Die Entscheidung soll 1992 fallen. Wie aus dem Artikel hervorgeht, sei die Verschuldung der Werft auf aktuell 205 Millionen DM angewachsen. Der Betriebsrat fordert, jedem Mitarbeiter, der ausscheidet, 5000 DM zu zahlen. Das lehnt die Geschäftsführung mit Hinweis auf die Verschuldung ab.

In einer Meldung werden die Werft-Mitarbeiter gebeten, Pakete für die Soldaten der sowjetischen Garnison in Wismar zur Verfügung zu stellen. Die Situation der Soldaten sei so schlecht, dass die Versorgung mit Lebensmitteln nicht gewährleistet werden könne.

22. März 1991: Die Überschrift auf der Titelseite lautete: „Schiffbaustandort Wismar bleibt erhalten“. Hintergrund der Schlagzeile war eine Ansprache des Werft-Geschäftsführers Oswald Müller, der die Belegschaft darüber informierte, dass der Standort in Wismar für die kommenden Jahre gesichert sei. Allerdings müssten dafür einige Dinge geändert werden.

Das Unternehmen verfügte zu diesem Zeitpunkt über Verträge für 17 Schiffe, darunter zwei Kühl- und Transportschiffe vom Typ „Kristall II“ und vier Schiffe vom Typ „UCC 14M“. Ein Problem stellten zu diesem Zeitpunkt die Beziehungen zur Sowjetunion dar, es war völlig unklar, ob die bestellten Schiffe überhaupt abgenommen beziehungsweise bezahlt werden würden. Die Geschäftsführung wies im März des Jahres 1991 darauf hin, dass zwischen den Kosten, die bei der Herstellung eines Schiffes entstünden, und dem Verkaufspreis eine erhebliche Differenz bestehe. Dieses Defizit wurde durch Subventionen abgefangen, die allerdings in den Folgejahren abgebaut werden sollen. Kostensenkung war das Stichwort. Anders ausgedrückt: Es mussten Mitarbeiter entlassen werden.

15. Juni 1990: „Umwandlung des ehemaligen VEB Mathias-Thesen-Werft Wismar in die Mathias-Thesen-Werft GmbH“ hieß es im Sommer 1990 auf der ersten Seite des „Kompass“. Hintergrund war die durch die Treuhand in Berlin angeschobene Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft. Damit wurde die Wismarer Werft Teil der Holding „Deutsche Maschinenbau und Schiffbau AG“ Rostock. In einer offiziellen Mitteilung der neuen Geschäftsführung hieß es, dass man „innerhalb eines kurzen Zeitraumes die produktiven Rückstände zur BRD“ abbauen wolle und die Kosten minimieren müsse.

1. Juni 1990: „Dritter Stapellauf in diesem Jahr“, titelte der Kompass. „Nordsky“ lautete der Name des Schiffes, das am 27. Januar auf Kiel gelegt worden war und in der Werft die Nummer 178 trägt (Typ UCC 14M). Die Hamburger Reederei Oldendorf hat den Bau in Auftrag gegeben. Das Unternehmen hat bereits einen Folgeauftrag (Nummer 179) ausgelöst. Auf der folgenden Seite berichtet die Redaktion des Kompass über die Verkehrsvorschriften in der BRD, wichtigster Hinweis: Auf Autobahnen dürfen nur Fahrzeuge fahren, die mindestens 60 Stundenkilometer erreichen.

Ebenfalls in der Ausgabe: „Entgegen der Mitteilung an sämtliche Abteilungen vom 21. 5. 1990 über die Zahlung der Treueprämie am 8. Juni 1990 wird als neuer Termin Dienstag, der 12. Juni 1990, festgelegt. Die Terminverschiebung ist notwendig, da in der gleichen Woche der Lohnzahlungstermin ist.“ Die Prämie sei dann am 12. Juni auch auf den Lohn- und Gehaltszetteln zu finden.

Der Kompass und seine Geschichte

Eine eigene Betriebszeitung, die hatte in der DDR jeder größere VEB. Eine eigene Redaktion kümmerte sich um die Belange der Mitarbeiter, es gab Sportnachrichten, Tipps, Kultur und vieles mehr.

Die Redaktion des Kompass überlebte die Wende zwar, doch Anfang der 1990er Jahre war Schluss. Den Redakteuren drohte das gleiche Schicksal wie den meisten Schiffbauern in Wismar – die Arbeitslosigkeit.

Und so wurden aus den Kompass-Redakteuren Mitarbeiter der Tageszeitungen. Peter Preuß, langjähriger Leiter der Wismarer OZ-Redaktion, hatte ebenso beim Kompass gearbeitet wie Wilfried Rohloff, der nach der Wende zu den Lübecker Nachrichten und später zur OZ wechselte. „Der Kompass“ erschien erstmals im Jahr 1949, 1992 wurde er schließlich eingestellt. Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges war die Schiffsreparatur in Wismar gegründet worden, aus der 1946 die Werft hervorging.

Inzwischen gehört die Wismarer Werft zur Genting-Gruppe und produziert Kreuzfahrtschiffe.

Michael Prochnow

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