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Grevesmühlen Medical Task Force im Klassenzimmer
Mecklenburg Grevesmühlen Medical Task Force im Klassenzimmer
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00:00 27.01.2016
Jörn Pardun zeigt das Anlegen einer Krawatte zur Stabilisierung der Halswirbelsäule. Assistent Philip übernimmt die Rolle des Gestürzten, Angelina hilft. Quelle: Fotos: Cornelia Roxin
Boltenhagen

Spätestens als das Sondersignal des Krankentransportwagens, der auf dem Schulhof steht, ertönt, wissen alle in der Boltenhagener Grundschule: Da läuft etwas anders als sonst beim Sachunterricht der Klasse 2a. Zum Thema Erste Hilfe haben die Sieben- bis Neunjährigen gestern mit Jörn Pardun einen besonderen Partner im Haus. Der Vater ihres Mitschülers Jannes engagiert sich nämlich ehrenamtlich nicht nur im Elternrat der Klasse, der 37-jährige Krankenpfleger absolviert derzeit beim DRK auch eine Ausbildung zum Rettungssanitäter und gehört der ehrenamtlichen Spezialeinheit Medical Task Force 13 an, die auch einen Standort in Grevesmühlen hat.

Ein Szenario von vielen: Die Mädchen und Jungen sitzen an in U-Form aufgestellten Tischen im Klassenzimmer. In der Raummitte liegt eine Sportmatte. Philip, der zuvor als Quiz-Sieger von Jörn Pardun zu seinem Assistenten ernannt worden war und sogar einen weißen Kittel bekam, liegt drauf. Er sei mit dem Fahrrad gestürzt, wird angenommen. Jörn Pardun verhält sich wie beim wirklichen Notfall, spricht den vermeintlich Verunglückten an, stellt sich vor, sorgt für Ruhe und demonstriert den Kindern das Anlegen einer sogenannten Stifneck-Krawatte zur Stabilisierung der Halswirbelsäule. Sie ist nur eines von vielen Hilfsmitteln, die zur Ausrüstung von Rettungskräften gehören. Auch eine Vakuumschiene für das „gebrochene“ Bein von Max und eine Vakuum-Matratze, auf der die „verunglückte“

Joleen gelagert wird, gehören dazu. Immer wieder zieht Jörn Pardun die Schüler zum Helfen hinzu. Den Abschluss bildet dann für alle das Üben der stabilen Seitenlage für Verletzte.

Vorausgegangen sind den praktischen Übungen und auch dem Blick in den Krankentransportwagen kindgerecht aufbereitete Informationen über den Blutkreislauf, Atmung, Verdauung und auch das menschliche Skelett. Bebilderung inklusive. Außerdem erklärt Jörn Pardun für Kinder Wissenswertes vom Rettungsdienst an sich und der Medical Task Force genannten medizinischen Eingreiftruppe im Besonderen. Wie eine Rettungskette für die kleinen Menschen an ihrer Schule aussehen sollte, verdeutlicht Jannes Papa ebenfalls. Beeindruckend ist, wie die Kinder sich während einer gestellten Situation am Telefon nach der Einwahl über die Notrufnummer 112 verhalten und kurz und knapp auf die Fragen aus der vermeintlichen Leitstelle antworten. Wie wichtig Antworten auf die W-Fragen sind, bringt Jörn Pardun auch noch einmal rüber. Wo, was mit wie vielen Verletzten und welchen Verletzungen passiert ist . . .

Klassenleiterin Marion Jüptner freut sich gestern, ihren Schützlingen wieder einmal Unterricht der besonderen Art bieten zu können. Die 47-Jährige stellt in diesem Zusammenhang noch weitere Aktionen für die Schüler in Aussicht: einen Besuch bei der Klützer Feuerwehr und in der Bibliothek im Literaturhaus „Uwe Johnson“ der Schloss-Stadt. Fazit: Eines hat Jörn Pardun ganz sicher geschafft: Die Kinder sind fitter für den Alltag und für das Meistern von Unfall- und Gefahrensituationen sowie den Umgang mit Krankheiten.

Wenn die Aktion gestern an der Boltenhagener Grundschule sich in Sachen Helfer-Werbung für ehrenamtlich wirkende Rettungskräfte auch erst in einigen Jahren niederschlagen dürfte, freut sich Holger Kruse vom Kreisverband Nordwestmecklenburg des Deutschen Roten Kreuzes in seiner Eigenschaft als Rettungsdienstleiter jetzt trotzdem über diese Art und Weise der Öffentlichkeitsarbeit. Schließlich sollen der Medical Task Force im Jahr 2020 für eine Zweifachbesetzung 110 Helfer angehören. „Knapp 50 sind es jetzt“, rechnete der 53-Jährige gestern vor. Eine Aufgabe, die nicht leicht zu machen ist, denn die Einsatzkräfte sollen sich nicht aus den jetzt schon bei Feuerwehren oder den beim Katastrophenschutz tätigen Ehrenamtlern rekrutieren. Denn: Schließlich sei die Medical Task Force eine Truppe, die in erster Linie in anderen Bundesländern bei Großschadensfällen als zusätzliche Hilfe zum Einsatz kommen soll, was dann hier in der Region nicht für Engpässe sorgen dürfe.

Hintergrund und nächste Werbeveranstaltungen
Die Medical Task Force 13, auf Deutsch: medizinische Eingreiftruppe, soll laut Ekkehard Giewald, dem Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes, bei besonderen Schadenslagen und Einsatzanforderungen zusätzlich Hilfe leisten. Als Beispiele nennt er Chemieunfälle, den Absturz eines Flugzeuges, auch Massenunfälle wie während des Sandsturmes auf der Autobahn bei Kavelstorf seinerzeit.


In Mecklenburg-Vorpommern wird die Medical Task Force gegenwärtig von Standorten an den DRK-Krankenhäusern in Grevesmühlen, Grimmen, Teterow und Neustrelitz sowie in Zusammenarbeit vom DRK-Landesverband und mehreren DRK-Kreisverbänden getragen.



Der Aufbau der Task Force wird vorangetrieben durch die Bereitstellung weiterer Ausrüstung wie zum Beispiel Gerätewagensanitätszüge und Dekontaminierungsfahrzeuge. Parallel dazu erfolgt die Gewinnung von Personal und deren Qualifizierung.



Für sich werben will die Medical Task Force weitere Ehrenamtliche jetzt auch in der Zeit vom 3. bis zum 6. März dieses Jahres während der Hanseschau und der Ehrenamtsmesse, die dann in der Hanse- und Kreisstadt Wismar stattfinden wird.



Cornelia Roxin

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