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Grevesmühlen Mehr Kompetenz durch Produktives Lernen
Mecklenburg Grevesmühlen Mehr Kompetenz durch Produktives Lernen
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11:24 02.02.2018
Die Regionalschule am Wasserturm aus der Vogelperspektive, gegründet worden war die Schule als POS „Kurt Bürger“. Quelle: Foto: Ronald Gross
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Grevesmühlen

Was macht eine gute Schule aus? Niklas Burr aus der Klasse PL 1 der Regionalen Schule „Am Wasserturm“ nennt an erster Stelle „. . . wie Lehrer und Schüler miteinander umgehen. Hier bei uns begegnet man sich auf Augenhöhe. Die Lehrerinnen und Lehrer behandeln uns Schüler respektvoll, wie Erwachsene eben. Und Probleme werden angesprochen und gemeinsam gelöst.“ Das sei nicht immer so gewesen, erzählt der Sechzehnjährige, der seit diesem Schuljahr zu den 33 Schülern gehört, die am Produktiven Lernen (PL), einer speziellen Bildungsform, teilnimmt. Kleine Klassen mit drei Lehrern und maximal 18 Schülern, individuelle Lehrpläne und die Arbeit in Lerngruppen beinhaltet dieses Bildungsmodell, in dessen Mittelpunkt nicht der klassische Schulunterricht steht, sondern das produktive, praktische Lernen. „Drei Tage pro Woche gehen wir in einen Praxisbetrieb, zwei Tage haben wir Unterricht an der Schule“, so der Achtklässler. Unter Einbeziehung der Erlebnisse aus der produktiven Arbeit könne später der Unterrichtsstoff anschaulich vermittelt werden.

Schule macht Mädchen und Jungen mit viel Praxis-Unterricht fit fürs Leben

Besonders gut findet Niklas Burr, dass man auf diese Weise Dinge lerne, die man tatsächlich im späteren Leben brauche. Dadurch habe sich seine Einstellung zum Lernen geändert. „Heute gehe ich richtig gern zu Schule.“

Die Schüler „fit fürs Leben“ zu machen, genau das sei Ziel der Bildungsarbeit an der Regionalen Schule „Am Wasserturm“, erläutert deren Leiterin Brunhilde Hallmann. Sie ist stolz darauf ist, dass ihre eine der wenigen auserwählten Schulen in MV ist, die diese Unterrichtsform anbieten dürfen. Pro Schuljahr lernen die Teilnehmer drei verschiedene Berufe kennen und es gibt auch drei Zeugnisse pro Jahr. Am Ende dieses Bildungsweges, der flexibel ist und bis zu vier Jahre dauern kann, stehe die Berufsreife oder – wie von Niklas Burr angestrebt – die mittlere Reife. „Unsere Jahrgangsbeste mit Abschluss der mittleren Reife kam im vorletzten Jahr aus dem Produktiven Lernen.“ Das bestätige, dass auch andere, unkonventionelle Wege erfolgreich sein können und durchaus Sinn machen.

Eine weitere Besonderheit seien die sogenannten DAZ-Klassen, also Klassen, in denen Deutsch als Zweitsprache angeboten wird. „An unserer Schule heißen diese Schüler Weltkinder. Das hört sich viel schöner an und unterstreicht, dass diese Kinder und Jugendlichen aus ganz unterschiedlichen Ländern und Kulturen kommen.“ Auch hier lege man großen Wert auf einen respektvollen Umgang – zwischen den ausländischen und hiesigen Schülern genauso wie zwischen Mädchen und Jungen oder jüngeren und älteren Jahrgängen. Und auch Schüler mit Handicap sind seit einigen Jahren in den Schulalltag integriert.

„Bei uns ist die Inklusion angekommen“, betont die Schulleiterin. Deshalb nehmen zur Zeit einige Pädagogen an der zweijährigen Fortbildungsreihe „Inklusive Schulentwicklung“ teil. Darüber hinaus gehören eine Sonderpädagogin sowie eine Fachkraft mit sonderpädagogischer Aufgabenstellung zu den 39 Pädagogen an der Schule. Unterstützt werden sie durch eine Berufseinstiegsbegleiterin und eine Schulsozialarbeiterin. Ein schuleigenes Hausaufgabenheft gibt jedem Schüler eine Orientierungshilfe für den Schulalltag.

Weitere Schwerpunkte der Arbeit an der Regionalen Schule sind die Berufsfrühorientierung, die in der 7. Klasse mit einer Potenzialanalyse beginnt und in Klasse 8 mit der Berufsfelderprobung sowie Betriebspraktika in den Klassen 9 und 10 fortgesetzt wird. Wichtig sei, dass jeder der 453 Schüler entsprechend seiner individuellen Möglichkeiten gefördert werde. Der Unterricht sei durch methodische Vielfalt gekennzeichnet und finde fächerübergreifend statt. Ein besonderer Focus werde dabei auf Sport, Mathematik und Englisch gelegt. Darüber hinaus gebe es im Rahmen der Ganztagsschule verschiedene Förder- sowie zusätzliche Freizeitangebote. „Wir können hier aus ganz unterschiedlichen AG’n und interessanten Freizeitaktivitäten auswählen“, freut sich Florian Hahn aus der zehnten Klasse und zählt AG'n wie Hockey und Videoprofis, Computer sowie Junge Sanitäter auf.

Wettbewerbstätigkeit

Wichtiger Bestandteil der Arbeit an der Schule ist die Teilnahme an Wettbewerben und Projekten, mit denen die Kompetenzen gestärkt werden. So haben Schülerteams erfolgreich am Projekt „Wirtschaftsjunioren der IHK“ teilgenommen und dort in diesem Jahr sogar den 1. Platz belegt und regelmäßig beteiligt sich die Schule im Rahmen des Englischunterrichts am „Big Challenge“ und dem Informatik-Biber. Erfolgreich sind sie bei der Mathematikolympiade und lösen in der „Langen Nacht der Mathematik“ sogar nachts gemeinsam Aufgaben.

Darüber hinaus gibt es „WEBINARE“ zum Thema Internet, Cybermobbing und neue Medien und Demokratieprojekte.

Wir sind „Gesunde Schule“

Ein Schwerpunkt der gemeinsamen Arbeit an der Schule ist es, eine gesunde Lebensweise zu fördern. Deshalb arbeiten Schüler, Eltern, Lehrer und Schulträger gemeinsam daran, die Schule als gesundheitsbewusste Schule zu gestalten. Am Projekt „Gemeinsam gesunde Schule entwickeln“ – einer Initiative der DAK zusammen mit der Leuphana Universität Lüneburg - hat die Schule erfolgreich teilgenommen und darf seit 2010 offiziell den Titel „Gesunde Schule“ tragen. Dem wird man auch durch Schulsportfeste, Schulmeisterschaften und der Teilnahme an „Jugend trainiert für Olympia“ sowie dem Breitensporttag gerecht.

Ganztagsschule

Die Regionale Schule „Am Wasserturm“ ist eine Ganztagsschule, in der Förderunterricht, Arbeitsgemeinschaften, Klasssenzeiten und individuelle Lernzeiten integriert sind. Die Schüler können hier unter Aufsicht Hausaufgaben machen oder auch an den unterschiedlichsten Freizeitaktivitäten wie Skat, Computer, Fotografie, Kochen und Backen, biologische Wanderungen, Werken und Arbeiten mit Holz , bei den Videoprofis, Hockey oder in anderenAG’n teilnehmen. Die niederdeutsche Sprache und die neue Schülerzeitung „Wasserschaden“ sind sogar Bestandteile des regulären Unterrichts. Darüber hinaus werden Schüler mit Dyskalkulie oder LRS besonders gefördert.

Schulförderverein

Seit knapp einem Jahr gibt es an der Schule einen Förderverein , der seine Aufgabe darin sieht, die vielfältigen erzieherischen und unterrichtlichen Belange der Schule fördern. Dazu gehören insbesondere die auf die Gemeinschaftserziehung ausgerichteten Unternehmungen wie Klassenfahrten, Exkursionen, Schul- und Schülerveranstaltungen, Projekte und dergleichen sowie die Beschaffung zusätzlicher Lehr- und Lernmittel für einen modern gestalteten Unterricht. Ein Ergebnis seiner Arbeit sind die neuen Bänke für die Bushaltestellen. Neue Mitstreiter sind jederzeit willkommen, um die Arbeit der 17 Ehrenamtler zu unterstützen.

Gabriele Skorupski

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