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Grevesmühlen Melden war gestern: Heute wird in der Schule geskypt
Mecklenburg Grevesmühlen Melden war gestern: Heute wird in der Schule geskypt
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01:22 15.01.2015
Die technischen Möglichkeiten und das Internet haben vieles gravierend verändert — nicht nur den Schulalltag. Quelle: dpa
Grevesmühlen

Vermutlich wären die meisten Lehrer froh, wenn sie für ihren Unterricht dieselbe Aufmerksamkeit verbuchen könnten, wie sie vor einigen Tagen in der Klasse 6a der Wasserturmschule zu erleben war. Schüler, einige mit von Aufregung geröteten Wangen, verfolgten über geschlagene 90 Minuten am Stück aufmerksam, was auf der Tafel vor sich ging. Diese war zu einer Projektionsfläche geworden. Darauf war Gesa Stückmann, eine Rostocker Anwältin zu sehen, die live mit den Schülern sprach. Außerdem zeigte sie Fotos und Zeichnungen, kurze, prägnante Texte und immer wieder auch Fragen mit unterschiedlichen möglichen Antworten zu den Themen Mobbing im Netz, Recht am eigenen Bild und anderen Sachverhalten. Zeitgleich interagierten mit den Grevesmühlener Schülern zwei weitere Klassen in Wismar und Wolgast. Virtuell waren an diesem Vormittag also drei Klassen, ihre Lehrer und Gesa Stückmann miteinander verbunden. Die technischen Möglichkeiten unserer Zeit und das Internet waren dann auch die beiden Kernthemen des „Webinars“ — wie Online-Seminare im Fachjargon auch genannt werden — an diesem Schulvormittag.

Gesa Stückmann betreibt in Rostock gemeinsam mit ihrem Mann eine Kanzlei. Seit einigen Jahren hat sie zunehmend mit Straffällen im Internet zu tun. „Ähnlich wie in der materiellen Welt existieren in der virtuellen Welt schöne und auch viele weniger schöne Orte“, erzählt sie. „Man kann angenehme bis sehr schlimme Dinge dort erleben.“ Hinzu kommt, dass das weltweite Netz alle, die darin unterwegs sind, miteinander in Kontakt bringen kann und niemals etwas oder Jemanden vergisst. Zumindest gestaltet es sich sehr schwierig, irgendetwas dauerhaft und komplett wieder daraus zu entfernen. „Als ich im Jahr 2007 zum ersten Mal mit einem Strafrechtsfall im Internet beschäftigt war“, erzählt Gesa Stückmann, „wurde mir klar, wie wenig Kinder und Jugendliche über das wissen, was im Netz tatsächlich passiert. Sie wissen zwar schon sehr früh genau, wie sie mit der Technik umzugehen haben, doch was mit ihren Fotos, Texten und Filmchen so alles angestellt werden kann, das schien überraschend vielen nur ganz grob klar.“ Ähnlich ginge es auch den meisten Eltern, sagt Gesa Stückmann. Viele wüssten zwar inzwischen mehr oder weniger abstrakt von den Gefahren der Netzwerke, Apps und Chat-Rooms, die ihre Kinder benutzen, würden im Regelfall aber hilflos agieren, wenn ihr Kind plötzlich einer Attacke aus dem Internet ausgeliefert sei. „Aus diesem Grund“, sagt Egbert Mader, Lehrer und Multiplikator für Medien — und Internetsicherheit an der Wasserturmschule „planen wir noch weitere Webinare an der Schule. Und wir wollen demnächst dieses Webinar auch auf einer Elternversammlung anbieten.“

Zwei große Tendenzen hat Gesa Stückmann, deren Kampagne seit 2009 auch vom Innenministerium MV gefördert wird, festgestellt: „Ist jemand zum Opfer einer Attacke geworden, schämt er sich meist und verschweigt, was passiert ist. Auf der anderen Seite ist Kindern, die kompromittierende Fotos von einem anderen Mitschüler hochladen oder andere in einem Netzwerk beleidigen, häufig nicht klar, dass es sich dabei nicht um einen Streich handelt, sondern um eine richtige Straftat.“ Deshalb geht es Gesa Stückmann in ihrem Webinar, das den Namen „Law4School (Recht für Schule)“ trägt, um beide Seiten. Sie fordert Schüler auf, hinzuschauen, wenn etwas nicht Rechtmäßiges in ihrem Schulumfeld oder auch privat passiert und sich Hilfe zu suchen bei Eltern, Lehrern und Sozialarbeitern.

Andererseits sensibilisiert sie die Schüler für ihr eigenes Tun, indem sie mit plastischen Geschichten aus ihrer juristischen Praxis und der anderer Kollegen darauf hinweist, was für dramatische Auswirkungen ein leichtsinnig gemachtes und dann hochgeladenes Foto oder Filmchen auch für denjenigen, der es angefertigt hat, haben kann.

Die Kinder in der Klasse 6a wurden ganz still, als Gesa Stückmann gegen Ende des Webinares von einem Mädchen in den USA erzählt, dass sich aufgrund von Internetmobbing durch Mitschüler das Leben genommen hat. Vorher hat sie ein Video auf Youtube hochgeladen, in dem sie davon spricht, warum sie nicht mehr leben will. Das Video ist bis heute dort zu sehen. „Jedes Foto auf dem andere Menschen gut erkennbar sind, darf nicht gemacht und schon gar nicht veröffentlicht werden, wenn sich diese Menschen nicht ausdrücklich, am besten schriftlich einverstanden erklärt haben“, mahnt Gesa Stückmann. „Andere dennoch, ohne Einverständnis zu fotografieren, die Bilder weiterzuleiten, ist eine Straftat. Jeder, der diese Bilder erneut weiterleitet, macht sich strafbar. Unwissenheit schützt auch im Internet nicht vor Strafe.“

Fit für das Internet?
Schulen in MV und bundesweit führen das Webinar der Rostocker Anwältin Gesa Stückmann „Law4School“ durch. Spätenstens, wenn ein Kind über einen Computer oder ein Handy verfügt, muss es wissen, welche Rechte und Pflichten im Internet bestehen. Zudem lernen Kinder, dass nur, weil etwas nicht sofort Auswirkungen zeigt, es nicht bedeuten muss, dass das so bleibt. Wer heute ein bestenfalls albernes Foto von sich ins Internet lädt, kann unter Umständen Jahre später deshalb Ärger haben. Aus dem ersehnten Job wird nichts, weil der zukünftige Arbeitgeber sich ausgiebig im Netz über alle Bewerber informiert hat.

Info: Stückmann Anwälte, Rosa-Luxemburg-Straße 25/26,18055 Rostock, Telefon: 0381 - 2424350,
www.rae-stueckmann.de



Annett Meinke

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