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Grevesmühlen Misshandlung: Personallage im Jugendamt soll verbessert werden
Mecklenburg Grevesmühlen Misshandlung: Personallage im Jugendamt soll verbessert werden
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00:00 28.05.2016

Im Fall der Kindesmisshandlung eines Dreijährigen in Grevesmühlen gab es gestern eine Dringlichkeitssitzung des Kreisausschusses. Zentralthema war die Personallage im Jugendamt. Die, so betonte Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss (SPD) erneut, habe nichts mit dem konkreten Fall zu tun.

Der Junge war am 13. Mai von seinem Vater ins Wismarer Klinikum gebracht worden – mit blauen Flecken am Oberkörper, unterernährt und dehydriert. Im April hatte sich der 31-Jährige telefonisch an den Kinder- und Jugendnotdienst gewandt. Die Einschätzung des Mitarbeiters: eine Kindeswohlgefährdung lag zu dem Zeitpunkt nicht vor. Am 13. Mai wandte sich der Vater an das Jugendamt. „Die Mitarbeiterin hat nach den Schilderungen des Vaters darauf bestanden, den Jungen zu sehen, schnell gehandelt und weiteres Leid verhindert“, erklärt Kerstin Weiss.

Gegen den 31-jährigen Vater und seine Lebensgefährtin ermittelt die Staatsanwaltschaft. Nach OZ-Informationen geht es dem Jungen den Umständen entsprechend gut. Er erholt sich bei Pflegeeltern.

„Leider machen Kindesmisshandlung, Kindesmissbrauch und Verwahrlosung von Kindern keinen Bogen um Nordwestmecklenburg. Jedes Jahr muss unser Jugendamt mehrere Kinder aus ihren Familien nehmen“, schildert Kerstin Weiss. Allein in 2016 sei das Jugendamt bis jetzt 61 Meldungen von Kindeswohlgefährdung nachgegangen. „Ich möchte der Öffentlichkeit versichern, dass der Kreisverwaltung, und hier ganz besonders den Bereichssozialarbeitern, das Wohl der Kinder am Herzen liegt.“

Vorrangige Aufgabe soll es nun sein, die Personalsituation zu verbessern. Vier Stellen sind nicht besetzt, was zu einer höheren Belastung der übrigen Mitarbeiter führt. „Die war sowohl der Leitung als auch den zuständigen Gremien bekannt“, so Kerstin Weiss. Im gestern einberufenen Kreisausschuss habe Einigkeit bestanden, „dass verstärkt alle Möglichkeiten zu nutzen sind, um umgehend für die nicht besetzten Stellen geeignetes Personal zu finden.“ Auf die jüngsten Ausschreibungen gingen fünf Bewerbungen ein.

Als bedauerlich bezeichnet Wolfgang Glaner, SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzender, den Vorfall mit dem Jungen. „Dennoch müssen wir in der Sachlichkeit tätig sein“, sagt er. Das Vorkommnis politisch auszuschlachten, halte er für den falschen Weg. Von einem Sonderkreistag zu der Sache sehe seine Fraktion ab. „Wir werden die Untersuchung der Staatsanwaltschaft abwarten und entscheiden dann, wie wir als Fraktion damit umgehen“, erklärte Simone Oldenburg (Die Linke) auf Nachfrage. Wichtig sei, dass allen geholfen werde – den überlasteten Sozialarbeitern, „die einen sehr guten Job machen“, sowie Eltern und Kindern, die Hilfe des Jugendamtes benötigen.

jf

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