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Mister Albanien

Mister Albanien

Für den Wismarer Frieder Weinhold ist das südosteuropäische Land zur zweiten Heimat geworden. Die Albanienhilfe ist sein Kind. Die Stadt Pogradec hat ihn besonders geehrt.

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Der Chef der in Wismar gegründeten Albanienhilfe, Frieder Weinhold, mit Urkunde und Plakette der Ehrenbürgerschaft von Pogradec. Die albanische Stadt liegt am Ohrid-See am Rande der Mokra-Bergregion.

Quelle: hh

Wismar — Er kandidiert für die CDU in der Bürgerschaft und im Kreistag, führt Gottesdienste durch, ist einem Raki nicht abgeneigt und spielt zu Hause gerne mit Modelleisenbahnen. Doch vor allem ist er eines: Mister Albanien. Die OZ sprach mit Frieder Weinhold (60), dem Gründer der Albanienhilfe und dem Vorsitzenden des Christlichen Hilfsvereins Wismar.

OSTSEE-ZEITUNG: Wie gefällt Ihnen der Titel Mister Albanien?

Frieder Weinhold: Das klingt nicht schlecht, ist aber auch ein Stück übertrieben.

OZ: Warum? Wer den Namen Frieder Weinhold kennt, denkt nicht zuerst an den ehemaligen Pastor, sondern die Albanienhilfe. Für Ihr Wirken sind Sie vor kurzem Ehrenbürger in Albanien geworden.

Ist das nichts Besonderes?

Weinhold: Schon! Es ist ja nicht so, dass ich nicht auch ein bisschen eitel wäre. Die Verleihung der Ehrenbürgerschaft der 21 000 Einwohner zählenden Stadt Pogradec am Rande der Mokra-Bergregion, wo wir den Ärmsten der Armen helfen, war sehr bewegend für mich. Die festliche Versammlung wurde im Februar extra einberufen, der deutsche Botschafter in Albanien, Hellmut Hoffmann, hat eine Rede gehalten. Aber ich möchte betonen: Die Ehrung sehe ich für das ganze Team, für alle, die uns in Deutschland, Albanien und anderen Ländern unterstützen.

OZ: Artan Shkembi, der Bürgermeister der herrlich gelegenen Stadt Pogradec am Ohridsee, hat den Wismarern die Hilfe über all die Jahre nicht zugetraut, wie er in seiner Festrede sagte. Wie kommt er darauf?

Weinhold: 1991 wurden die ersten Gedanken für die Hilfe entwickelt, ein Jahr später sind wir das erste Mal runtergefahren. Die ersten Jahre waren mehr als abenteuerlich. Ich könnte einen Roman alleine über die Grenzkontrollen schreiben. 1997 tobte der Bürgerkrieg in Albanien. Viele haben sich in der Zeit nicht hingetraut. Wir ja. Das hat uns viel Anerkennung eingebracht und die Freundschaft gestärkt.

OZ: 23 Jahre nach dem ersten Transport: Wie wichtig ist noch die Hilfe?

Weinhold: Um nur zwei Beispiele zu nennen: Wir haben ein Internat für Schulkinder ermöglicht und betreiben ein Pflegehaus. Und das in einer Region, wo staatliche Hilfe so gut wie nicht ankommt. Einige Kinder würden ohne uns nie eine Schule besuchen können, Alte würden vergessen werden. Die Dinge brauchen aber Zeit, um sich zu entwickeln. Dabei helfen wir. Sozialarbeit ist unser Schwerpunkt. Aber das kostet auch Geld.

OZ: Woher kommt das Geld?

Weinhold: Wir sind auf regelmäßige Spenden angewiesen, um unsere Projekte, um Lebensmittel, Mieten, Fahrzeuge und einheimische Mitarbeiter finanzieren zu können. Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem das Wachstum unserer Arbeit ohne zusätzliche regelmäßige Spender gefährdet ist. Neu sind darum unsere 20-Euro-Patenschaften für Sozialprojekte in Albanien. Darum meine Bitte:

Helfen Sie uns, in Deutschland 450 neue Paten für diese wichtige Arbeit zu finden.

OZ: Wird Ihr Gehalt als Vorsitzender auch von den Spenden bestritten?

Weinhold: Nein, keine Sorge. Mein Gehalt wird nicht von den allgemeinen Spenden abgedeckt.

OZ: Zwischen Wismar und der Bergregion um Pogradec gibt es offenbar eine tiefere Beziehung als zwischen Wismar und anderen Städten. Mit einem Unterschied: Eine offizielle Städtepartnerschaft existiert nicht. Soll sich das ändern?

Weinhold: Ich finde es gut, dass bei uns die Freundschaft gewachsen ist. Sie steht nicht nur auf dem Papier. Im letzten November war eine Delegation aus Albanien in Wismar. Die waren sehr beeindruckt und dankbar, wie gut die Stadt das organisiert hatte. Bürgermeister Thomas Beyer hat sich viel Zeit genommen. Das kam gut an. Ein Gegenbesuch ist geplant. Mal sehen, was noch daraus wird.

OZ: Allein mit Albanien scheinen Sie nicht ausgelastet zu sein oder wie erklärt sich, dass Sie für die CDU in der Bürgerschaft und im Kreistag kandidieren?

Weinhold: Ich will mich gerne einbringen. Eine starke CDU ist sicherlich gut für Wismar. Streit um die Sache ist gut, aber nicht Konfrontation um jeden Preis.

OZ: Im Bürgermeisterwahlkampf 2002 gegen Rosemarie Wilcken hatten Sie sich eine blutige Nase geholt. Alles wieder verheilt?

Weinhold: Danke der Nachfrage, alles wieder gut. Für die Demokratie war es damals sicherlich gut, dass es einen Mitbewerber gab, für mich selber nicht.

OZ: Wann startet die nächste Tour?

Weinhold: Am 10. April geht es los. Wir, darunter mein Sohn und noch zwei Wismarer, bringen unter anderem Pflegebetten für das Pflegehaus runter. Übrigens: Wer Land und Leute mit Hauptstadt, Bergdörfern, Welterbe-Kloster oder Esel- Safari kennenlernen möchte, dem empfehle ich eine Reise im Mai 2015. Nähere Informationen stehen im Albanienheft, das in unserer Geschäftsstelle erhältlich ist.

Bundesverdienstkreuz
Februar 1992: Ein Helferteam aus Wismar ist das erste Mal in Albanien. Seitdem gibt es regelmäßige Transporte. 1995 wird der „Christliche Hilfsverein Wismar“ (CHW) aus der Initiativgruppe „Albanienhilfe Wismar“ gegründet.


Im Jahr 2004 erhielt Frieder Weinhold das Bundesverdienstkreuz für sein soziales Wirken.


Informationen unter: www.chwev.de oder ☎ 0 38 41-22 53 0.

Spendenkonto Christlicher Hilfsverein Wismar: IBAN: DE51 1405 1000 1200 0141 00 bei Sparkasse Mecklenburg-Nordwest; BIC: NOLA DE 21 WIS

 



Heiko Hoffmann

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